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ARD, ZDF und die Sache mit der Transparenz

Der NDR zeigt heute um 22 Uhr in der Reihe “45 Minuten” die Doku “Über Gebühr: Streit um den neuen Rundfunkbeitrag”. Die ARD berichtet in eigener Sache über den Rundfunkbeitrag - oh Gott! Manche erinnern sich vielleicht noch mit Grausen an den Propaganda-Bericht, den SWR-Chefreporter Thomas Leif anno 2008 mit “Quoten, Klicks und Kohle” ablieferte. Weit gefehlt. Der NDR gibt einen objektiven Überblick zur Debatte. Und enthüllt ganz nebenbei das seltsame Verhältnis von Intendanten zur Transparenz.

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Man muss schon ein paar Minuten durchhalten, aber dann wird die NDR-Doku “Über Gebühr” richtig gut. Am Anfang mokiert sich die Sprecherin aus dem Off noch im empörten Tonfall über unsinnige Medienberichte, die behaupten, Bagger müssten künftig auch die Rundfunkabgabe leisten. Und der Vermieter einer Wohngemeinschaft mit 33 (!) Studenten wird vorgestellt, der den Satz sagt “Die haben nie gezahlt, die werden auch nie zahlen.”

Nach dem holprigen Einstieg, findet der Film aber Tritt. Die Medienjournalisten Hans-Peter Siebenhaar von Handelsblatt und Michael Hanfeld von der FAZ nehmen die Rolle der Kritiker von ARD und ZDF ein (wobei vor allem dem Handelsblatt zurecht grobe sachliche Schnitzer in der Berichterstattung über ARD und ZDF vorgeworfen werden). Spiegel-Autor Stefan Niggemeier wird als gleichermaßen Kritiker und Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingeführt.

Als Vertreter des Systems sprechen der NDR-Intendant und aktuelle ARD-Vorsitzende Lutz Marmor und ZDF-Intendant Thomas Bellut. Vor allem diese beiden sorgen auch unfreiwillig für sehr erhellende Momente. Beide Intendanten sind nämlich flott dabei, mehr Transparenz zu fordern, damit die neue Haushaltsabgabe auch legitimiert wird. Dann zählen die Autoren des NDR-Berichts aber zahlreiche Fälle auf (Sport-Berichterstattung, Talk-Shows, Koch-Shows, “Wetten dass..?” usw.) in denen die so vollmundig versprochene Transparenz hartnäckig verweigert wird. Bellut erfindet dafür den verräterischen Begriff von der “internen Transparenz”. Will heißen: Den viel beschworenen Gremien wird Transparenz gewährt, nicht aber der zahlenden Öffentlichkeit.

In einigen Fällen, in denen Transparenz Rechte-Verhandlungen beeinflussen könnte, wie beispielsweise bei teuren Sport-Rechten, mag das nachvollziehbar sein. Dass aber Thomas Bellut nicht sagen will, wieviel “Wetten dass..?” kostet oder eine der vielen Koch-Shows, mag nicht einleuchten. Als NDR-Intendant Lutz Marmor im Film auf die geheimnisumwitterten Kosten für die Talksendungen Günther Jauchs angesprochen wird, gluckst er nur und sagt: “Es ist ja auch so, dass eine Zahl öffentlich geworden ist, die hat keiner dementiert und das lasse ich so stehen.” Transparenz besteht für zwei der Top-Vertreter des öffentlich-rechtlichen Systems also darin, Gremien zu informieren (“Interne Transparenz”) oder inoffizielle Zahlen, die Medien durchgestochen wurden, nicht weiter zu dementieren. Marmor verspricht zwar reichlich vage, man könne überlegen, ob man da “noch mehr” machen könne. Nach großem Transparenz-Druck klingt das freilich nicht.

Stark sind auch die Momente, in denen die Macher des Films vorführen, wie die Verlage (allen voran Axel Springer mit der Bild) Stimmung gegen die neue Abgabe und Angebote wie die Tagesschau-App machen, ansonsten aber bei Bambi- oder Goldene-Kamera-Verleihungen eifrig mit ARD und ZDF kuscheln. Bellut erkennt immerhin, dass die Übertragung solcher Verlags-Werbe-Galas für das ZDF ein “kritisches Gelände” geworden sind – und verweist elegant nebulös erneut auf die Gremien. Wenn die das genehmigen, dann wird das schon OK sein, so Belluts Haltung.

Immerhin bei den Digitalsendern, da wittert der ZDF-Chef echtes Spar-Potenzial und kündigt Maßnahmen an. Mittlerweile wissen wir ja auch welche: ZDFkultur soll eingestellt werden. Jener kleine Digitalsender, dem Stefan Niggemeier in der NDR-Doku noch attestiert, den öffentlich-rechtlichen Auftrag exakt zu erfüllen. Gleiches gilt freilich auch für diese erfreulich kritische NDR-Doku “Über Gebühr”. Wer sich umfassend über die Diskussion zur Rolle von ARD und ZDF in unserer Medienlandschaft informieren möchte, sollte am heutigen Montag, 25. Februar, um 22 Uhr das NDR-Fernsehen einschalten. Im Netz kann man die Doku in voller Länge schon jetzt sehen.

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