Focus-Chef wirft Google “Erzsauerei” vor

Die FAZ hat nach der Marketing-Fachzeitschrift Horizont das zweite Antritts-Interview des neuen Focus-Chefredakteurs Jörg Quoos veröffentlicht. Viel Neues lernen wir aus dem Interview nicht über Quoos und seine Vision vom Focus. Er lobt das Special zur Niedersachsenwahl. Er erklärt, kein Freund von Marketingsprüchen zu sein und schwört auf Qualität und “exklusive Hintergründe”. Dass Google sich an den Inhalten der Verlage “bereichere” bezeichnet er als “Erzsauerei”.

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“Dass sich die französischen Verlage mit sechzig Millionen Euro, die Google in einen Digitalfonds zahlt, abspeisen lassen, halte ich für einen schlechten Witz. Das kann für uns kein Vorbild sein”, sagt Quoos und liegt damit in der Debatte um ein Leistungsschutzrecht für Verlage voll auf der Linie seines Arbeitgebers Burda. Was soll ein “Print-Dinosaurier” (Selbsteinschätzung von Quoos aus dem Interview) sonst auch sagen? Die vielen Ungereimtheiten des geforderten Leistungsschutzrechts bleiben im FAZ-Interview naturgemäß außen vor. Die FAZ selbst ist ja auch eine glühende Vorkämpferin für das Anti-Google-Gesetz.

Ansonsten leistet sich Quoos noch einen eher unnötigen Seitenhieb auf den Stern, ohne den namentlich zu nennen: “Wenn ich mir ansehe, wie andere an ihren Organigrammen herumschrauben und mit Ressortzuständigkeiten jonglieren, wird mir schwindlig.” Gemeint ist vermutlich die umfangreiche Neustrukturierung der Stern-Redaktion unter dem neuen Chefredakteur Dominik Wichmann. Darüber hinaus bleibt allerdings diffus, wie Quoos die Krise des Focus mittel und langfristig in den Griff bekommen will.

Er spricht von Qualität, von Journalismus, von spannenden Geschichten über Menschen und “exklusive Hintergründe”. Er sei kein Freund von Marketingsprüchen, erklärt Quoos und sagt dann trotzdem Sachen wie “Spannung, Spannung, Spannung“ und “Menschen, Menschen, Menschen”. “Nur Nachrichten sind auch zu wenig”, meint Quoos und bewegt sich mit Alledem auf von Phrasen vermintem Terrain.

PS: Schwach von der FAZ – als Tageszeitung! – ist, dass mit keinem Wort im Interview die miserablen jüngsten Auflagenzahlen des Focus erwähnt werden.

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