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Der Apple-Absturz: 10 erstaunliche Fakten

Während Apple-CEO Tim Cook "die besten Produkte der Welt" beschwört und praktisch mantraartig verkündet, er wäre "laserscharf fokussiert", hat sich die Wall Street längst ihre Meinung über Apple unter der Ägide des neuen Vorstandsvorsitzenden gebildet: Das wertvollste Unternehmen der Welt wird in diesen Tagen fast wie die schlechteste Aktie der Welt gehandelt. Der Kursrutsch der letzten Monate ist so drastisch, dass Cook Gefahr läuft, Uralt-Negativrekorde zu überbieten. Zehn erstaunliche Fakten.

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Während Apple-CEO Tim Cook "die besten Produkte der Welt" beschwört und praktisch mantraartig verkündet, er wäre "laserscharf fokussiert", hat sich die Wall Street längst ihre Meinung über Apple unter der Ägide des neuen Vorstandsvorsitzenden gebildet: Das wertvollste Unternehmen der Welt wird in diesen Tagen fast wie die schlechteste Aktie der Welt gehandelt. Der Kursrutsch der letzten Monate ist so drastisch, dass Cook Gefahr läuft, Uralt-Negativrekorde zu überbieten. Zehn erstaunliche Fakten.

Rund ein Jahr ist es her, dass Apple die Börsenwelt mit dem vielleicht erstaunlichsten Quartal der Wirtschaftsgeschichte verblüffte. Die Gewinne explodierten, Zuwächse in diesen Dimensionen hatte es noch nicht gegeben. Das Fabel-Quartal, das Apples bemerkenswerte Kursrallye im vergangenen Jahr entzündete, ließ sich seinerzeit in zehn erstaunlichen Fakten zusammenfassen.

Welch einen Unterschied ein Jahr machen kann! 2013 befindet sich Apple an der Börse im schlimmsten Abwärtssog seit der Finanzkrise – diesmal jedoch komplett gegen den Markttrend, was den Ausverkauf noch bemerkenswerter macht. Während die Konkurrenz von Amazon und Google von Hoch zu Hoch eilt und selbst Totgesagte wie Nokia oder Blackberry ihre Aktionäre mit zweistelligen Kurszuwächsen beglücken, ist die Apple-Aktie seit Monaten ein sicherer Verkaufskandidat. Tatsächlich ist der Kursrutsch so drastisch, dass er sich in zehn bemerkenswerten Fakten zusammenfassen lässt – diesmal nur mit negativem Vorzeichen:

1.) 2013 die bisher schlechteste Aktie im Technologieindex Nasdaq 100.

Unter 450 Dollar rutschte die Apple-Aktie gestern wieder. Zu 532 Dollar war sie noch ins Jahr gestartet. 83 Dollar oder 15% gingen so in nicht mal zwei Monaten verloren – Apple führt damit die Verliererliste im Nasdaq 100 an.

2.) Apple-Aktionäre liegen nun auch im Jahresvergleich zweistellig hinten

Ein ganz neues Bild auf dem Kurszettel: Apple, der über Jahre so verlässliche Börsenstar, liegt sogar im Jahresvergleich hinten. Mehr als 10% sind es bei 450 Dollar, mehr als 25% werden es, wenn Apple bis Mitte März nicht weiter aufholt. Zum Vergleich: Am 16. März 2012 durchbrach Apple erstmals die 600-Dollarmarke. Der Vergleich mit der Konkurrenz aus der Tech- und Internetbranche fällt noch schmerzvoller aus: ‪Google liegt im Jahresvergleich um 33% vorne. ‪Der große Smartphone-Rivale Samsung sogar um 46%. ‪Und Amazon gar um 50%.

3.) Seit dem Launch des iPhone 5 am 21.9. hat Apple 37% verloren

Symbolischer könnte eine Gipfelbildung kaum ausfallen: Ausgerechnet am Tag des iPhone 5-Launchs markierte Apple sein Allzeithoch bei 705 Dollar. Seitdem ging es um 37% nach unten – komplett gegen den Markttrend. Blackberry etwa liegt  seitdem um 117% vorne.

4.) Der Titel des wertvollsten Konzerns wackelt

Für exakt ein Jahr thronte Apple in scheinbar anderen Börsensphären. Am 24. Januar 2012 überholte Apple Exxon Mobil nach den starken Quartalszahlen und gab den Titel genau ein Jahr nicht her. Tatsächlich stellte Apple 2012 neue Fabelrekorde auf: Auf dem Gipfel im September war Apple 665 Milliarden Dollar wert – so viel wie noch nie ein Unternehmen in der Wirtschaftsgeschichte. Viele Marktexperten waren sich sicher, dass Apple das erste Unternehmen werden würde, dass die 1  Billion-Dollar-Grenze durchschlagen würde.

Danach sieht es nun nicht mehr aus. Im Gegenteil: Der Titel des wertvollsten Konzerns, bei dem Apple zeitweise um mehr als 200 Milliarden Dollar entrückt war, droht wieder an Exxon Mobil verloren zu gehen. Am Tag nach den enttäuschenden Quartalszahlen im Januar war es bereits für 24 Stunden so weit, danach schlug Apple zurück. Doch bei 450 Dollar liegt Apple nur noch knapp 23 Milliarden oder 25 Dollar vor Exxon.

5.) Von Google an der Börse deklassiert

Bemerkenswert und sehr auffällig ist Googles Kursentwicklung in den vergangenen Monaten: Synchron zu Apples Absturz vollzog sich Googles Aufstieg. Es gibt nicht wenige Börsenexperten, die einen Zusammengang sehen: Die von Apple abgezogenen Mittel flossen möglicherweise in Google. Notierten die Aktien im vergangenen Frühjahr 2012 noch optisch gleichauf bei 630 Dollar, hat Google Apple in den vergangenen Monaten förmlich deklassiert: Bei 800 Dollar notiert Google nun schon fast doppelt so hoch wie Apple.

Beim Börsenwert liegt Apple noch ca. 160 Milliarden Dollar vor Google. Doch beschleunigt sich Apples dramatischer Börsenverfall, so wie Google weiter an Wert gewinnt, wäre auch in mittelfristiger Zukunft die Wachablösung zumindest theoretisch denkbar. Bewegt sich Google nicht weiter, müsste die Apple-Aktie auf 280 Dollar fallen, um den Thron im Technologie-/Internetsektor abzugeben. Je höher Google steigt, desto weniger Kursverfall von Apple ist nötig.

6.) Fast ein Drittel des Börsenwerts ist Bargeld

Kaum zu glauben, aber doch wahr: Bei 450 Dollar macht Apples immenser Bargeldanteil bereits 32 Prozent des Börsenwerts aus. Je tiefer Apple fällt, desto größer der Cashanteil, der ohnehin von Tag zu Tag wächst. Hält Apple in seiner Geschäftsentwicklung Kurs und bestätigt lediglich die Ergebnisse des Vorjahres, wächst der Geldberg von Quartal zu Quartal um ca. bis 10 bis 15 Dollar pro Aktie.

Aktuell machen die Cash-Reserven schon 145 Dollar je Aktie aus. Ende des Fiskaljahres 2013 dürften es zwischen 170 und 180 Dollar je Anteilsschein sein. Bewegt sich die Apple-Aktie nicht weiter oder fällt gar weiter zurück, könnte schon 2014 die Hälfte des Börsenwerts aus Barmitteln bestehen, so abschätzig bewerten Anleger inzwischen Apples Kerngeschäft.

7.) Apple könnte sich 2018 selbst kaufen

Je höher die Cash-Reserven steigen, desto lauter auch die Stimmen, sie sinnvoll einzusetzen. Da Tim Cook eine Großübernahme vor einer Woche auf der Investorenkonferenz von Goldman Sachs nochmals ausschloss hat und Apple die Dividende kaum ständig erhöhen wird, könnte der iPhone-Hersteller noch eine andere Option verfolgen – und Dells Vorbild folgen.

Der langjährige Rivale auf dem Computermarkt ist gerade dabei, sich von der Börse zu nehmen, da der Firmengründer das Marktumfeld für die nötige Restrukturierung als nicht hilfreich empfindet. Im notorisch verschwiegenen Cupertino wäre der Gedanke, ohne die hysterischen Kapitalmärkte agieren zu können, möglicherweise seit Jahren ein verborgener Wunsch.

Angesichts der immer problematischeren Beziehung zwischen Apple-Management und Wall Street wäre ein Delisting am Ende wahrscheinlich für beide Seiten der beste Weg: Tim Cook und Peter Oppenheimer traten auf Investorenkonferenzen zuletzt mit zur Schau getragener Ignoranz und Apathie auf, mit der sie selbst die größten Steilvorlagen für die inzwischen hoch depressive Bewertung liefern.

Die Wall Street versteht Apple unterdessen nicht mehr, wie die Klage von Hedgefondsmanager David Einhorn beweist. Es ist eine Lose-Lose-Situation entstanden: Mit einem Rückzug von der Börse täte sich Apple vielleicht den größten Gefallen. Einen nur gleichbleibenden Gewinn je Aktie hochgerechnet, könnte sich Apple 2018 nach heutigem Stand bei 450 Dollar selbst kaufen – zumindest in Theorie.

8.) Apple billiger als alle Dax- oder MDax-Aktien

Das seit Jahren wohl größte Mysterium vieler Anleger und Analysten ist Apples günstige Bewertung. Das maßgebliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hinkt seit Jahren dem Marktdurchschnitt hinterher. Im Zuge des großen Börsencrashs der vergangenen Monate hat Apples Bewertung jedoch ein derart depressives Niveau erreicht, die mit einer südafrikanischen Minenaktie in Schieflage vergleichbar wäre.

Das laufende KGV der vergangenen vier Quartale beträgt 10. Den Cash-Anteil notwendigerweise herausgerechnet, liegt Apples KGV bei lediglich 7. Keine Dax- oder MDax-Aktie ist so billig. In anderen Worten: Der Markt wettet aggressiv gegen Apple und erwartet in den kommenden Jahren eine rückläufige Geschäftsentwicklung ohne neue Impulse auf Produktseite.

9.) Wertvernichtung: Tim Cook jagt Negativrekord von Steve Ballmer

Der Vergleich fiel oft in den vergangenen Monaten: Ist Tim Cook der neue Steve Ballmer? Es sieht ganz danach aus: In der Wertvernichtung ist Cook dem Microsoft-CEO dicht auf den Fersen. In den ersten sechs Monaten seines Amtsantritts bei Microsoft im Januar 2000 halbierte Ballmer mal eben so den Kurs von Microsoft und vernichtete dabei rund 300 Milliarden Dollar. Auf Cooks Konto gehen seit dem Allzeithoch am 21.9. nun immerhin auch schon 240 an der Börse verbrannte Milliarden Dollar. Exakt ein Monat bleibt noch, um sogar Ballmers traurigen Negativrekord zu toppen…

Das Ausmaß der Wertvernichtung ist unterdessen schon erschreckend genug: Seit Ende September hat Apple fast den Börsenwert einer Google verbrannt. Oder sogar von fast zwei Amazons. Vier Facebooks. Oder eBays. Und 15 LinkedIns…  

10.) Kursbelastung Tim Cook: Sechs Tage in Folge seit Goldman-Konferenz verloren

Auch kurzfristig ist das Votum der Börse über den neuen Apple-CEO eine einzige Horrorbilanz: Tim Cook und die Wall Street – das ist eine komplizierte Beziehung, um es moderat zu formulieren. Tatsächlich reagiert die Börse längst extrem negativ auf Äußerungen des Apple-Chefs. Immer wenn sich der neue Apple-CEO zu Unternehmen äußert, drücken Anleger reflexartig den Verkaufsknopf. Cooks hölzerne Art, die er offenbar mit auswendig gelernten PR-Phrasen von "laserscharfer Fokussierung" zu überspielen versucht, fällt an der Börse komplett durch.

Die Apple-Aktie beschleunigte ihren Kurssturz nach Bekanntgabe der Quartalszahlen erst so richtig durch die begleitenden Statements des Managements: Anteilsscheine von Apple verbilligten sich in den 60 Minuten der Telefonkonferenz um 30 Dollar. Dasselbe Bild vor einer Woche: Während der Investorenkonferenz von Goldman Sachs, auf der Cook absolut nichts Neues zu berichten hatte, ging es schnurstracks um 10 Dollar nach unten. Erholt hat sich Apple davon bis heute nicht – im Gegenteil: Seit dem Goldman-Auftritt wird Apple beständig abverkauft. In den sechs Handelstagen seit der Konferenz ging es nur nach unten. So mies performte Apple seit 2006 nicht.

Apple und die Wall Street: Es passt einfach nicht mehr zusammen. Ob das Ausmaß des Kurssturzes angemessen ist oder unter Steve Jobs geringer ausgefallen wäre, ist eine andere Frage – Tim Cook ist zum Gesicht des Niedergangs der Apple-Aktie geworden.

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