Amazon: ARD-Reporter dementieren Vorwürfe

Hat die ARD falsch berichtet oder nicht? Nachdem sich Amazon nach der Reportage "Ausgeliefert" in der vergangenen Woche einem Shitstorm ausgesetzt sah, waren nun Vorwürfe über eine verfälschende Berichterstattung des Senders laut geworden. Im Interview weisen die hr-Reporter Diana Löbl und Peter Onneken die Vorwürfe von sich: "Wir haben im Prinzip nicht mal die Spitze des Eisbergs gezeigt." Mit der Kritikerin sei man in ständigem Kontakt. Beide sind erstaunt über das heftige mediale Echo.

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Was sagen Sie zu den aktuellen Vorwürfen der Falschberichterstattung von Silvina Cerrada, dass u.a. Zitate verfälscht worden seien?
Peter Onneken: "Ehrlich gesagt verstehe ich so manche Kollegen nicht. Da werden Behauptungen aufgestellt, die so in unserem Film überhaupt nicht vorkommen. Wir äußern uns weder über die Qualität des Essens im Seepark, noch findet sich im Film, dass sich Leiharbeiter über die Unterbringung im Seepark beschweren. Silvina äußert sich im Film gar nicht über das Hotel."

Diana Löbl: "Falschberichterstattung ist eigentlich schon das falsche Wort. Das hat unsere Protagonistin im übrigen auch nie in den Mund genommen. Das erkennt man auch ganz klar, wenn man die bisher erschienenen Artikel von Anfang bis Ende liest. Silvina möchte sich ihrem neuen Arbeitgeber gegenüber loyal zeigen und verhindern, dass noch weiterhin schlecht über der Seepark berichtet wird. Sie macht sich große Sorgen um die Situation ihres neuen Arbeitgebers. Wir stehen im ständigen Kontakt mit ihr."

Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden? War schon während des Drehs damit zu rechnen, dass diese Sendung für Aufruhr sorgen wird?
Diana Löbl
: "Das war schon alles sehr beklemmend. Wir haben sehr viele Leiharbeiter getroffen, die uns sehr krasse Erlebnisse berichtet haben. Nur einen kleinen Teil davon konnten wir wirklich erzählen. Im Fernsehen braucht man auch immer das Bild. So konnten wir z.B. nicht von den Leiharbeitern berichten, die zu elft in einer leergeräumten Dreizimmerwohnung lebten und dafür noch 200 Euro jeden Monat zahlen. Wir haben im Prinzip nicht mal die Spitze des Eisbergs gezeigt."

Peter Onneken: "Und mit so einem Ausmaß haben wir selbst am Abend der Ausstrahlung noch nicht gerechnet. Sicher war uns klar, dass nicht nur wir die Zustände, die wir vor Ort vorgefunden haben, schockierend finden würden, aber dass wir so eine Lawine ins Rollen bringen würden, hätten wir nie gedacht."

Wie gehen Sie mit dem Medienrummel um die Reportage um?
Diana Löbl
: "Für uns ist es natürlich ungewohnt, täglich Interviews zu geben und überall auf unsere Reportage zu stoßen, ob bei Zeitung lesenden Mitreisenden in der U-Bahn oder beim Durchzappen auf der Couch. Wirklich mal abzuschalten fällt da schwer."
Peter Onneken: "Aber auf der anderen Seite ist es ja auch gut, dass die Vorwürfe weiterverfolgt werden. Denn dass Amazon wirklich etwas grundlegend verändern will, hat das Unternehmen ja bis heute nicht gesagt und genau darauf warten doch alle."
Eine Woche ist es her, dass die Reportage ausgestrahlt wurde. Was ist bisher in ihrem Leben passiert?
Peter Onneken: "Ich glaube ich war noch nie so oft auf der "Google News"-Seite und habe ‚Amazon Germany‘ eingegeben. Es ist auch eine Woche für uns immer noch schwer zu begreifen, was wir da ausgelöst haben."

Sind weitere Berichte zum Thema Amazon bzw. Leiharbeit geplant? Was wird Ihr nächtes Projekt?

Diana Löbl: "Wie gesagt, die Reportage wurde gerade mal vor einer Woche gesendet, jetzt haben wir erstmal ein bisschen Zeit."
Glauben Sie, Amazon wird einlenken und seine Strukturen überarbeiten?
Peter Onneken
: "Glauben wäre zu viel gesagt, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und man sollte dem Unternehmen auch die Chance geben, sich zu verändern.Diana: Dann wäre allen geholfen, denn auch dem Unternehmen steht es ja gut zu Gesicht alle Mitarbeiter gut und fair zu behandeln."

Was haben Sie zuletzt bei Amazon bestellt?
Peter Onneken
: "Das letzte waren, glaube ich, Bücher, da wir noch einen Karton brauchten, um ihn für ‚Ausgeliefert‘ abzufilmen. Ansonsten warte ich jetzt erst mal ab, ob sich bei Amazon etwas Grundlegendes verändert."

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