Leiharbeiterin kritisiert Amazon-Doku der ARD

Die ARD-Reportage "Ausgeliefert!" hatte den Versandhändler Amazon enorm in Bedrängnis gebracht. Auf der Facebook-Seite war ein Shitstorm losgebrochen. Jetzt äußerte sich eine Protagonistin der Reportage kritisch über die Arbeit der ARD. Auch wenn vieles der Wahrheit entspreche, hätten die Reporter einige Statements teilweise so umgeschnitten bis sie dem Gegenteil entsprochen hätten. Auch das Hotel, in dem viele Amazon-Arbeiter untergebracht sind, will Vorwürfe aus der Sendung nicht so stehen lassen.

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Silvina Cerrada ist eine der wenigen Personen, die in der ARD-Doku auch namentlich genannt wurden. Der lokale Kreis-Anzeiger hat mit der gebürtigen Spanierin gesprochen (gefunden via den Twitter-Account von @fernsehkritiktv), die sich im Nachhinein erstaunt zeigt über die Arbeit der ARD. Fakt ist: Es gab offenbar Irritationen wegen geänderter Lohnzahlungen, auch die Security hätten viele Zeitarbeiter als einschüchternd empfunden. Doch vor allem die Unterbringung der Amazon-Arbeiter im Hotel Seepark sei teilweise verfälschend dargestellt worden.

Die Reporter hätten Aussagen dabei teilweise aus dem Zusammenhang gerissen und mit eigenen Einspielern so zusammengeschnitten, dass sie schließlich das Gegenteil dessen ergeben hätten, was sie eigentlich gesagt hätte, verrät die Spanierin gegenüber dem Kreis-Anzeiger. So hätte man sie beim Schlafen auf einer Hotelcouch gezeigt. Das eigene Bett sei zu ungemütlich, so die Einschätzung der Reporter. “In Wahrheit habe ich dort meine Siesta gemacht. Das Wohnzimmer hat ein großes Fenster mit Blick auf den Wald, man hört die Vögel, das fand ich sehr schön.” Dass sie die Unterkunft nicht beengt fände, hatte Cerrada trotz mehrfacher Fragen verneint. Im Film sei davon nichts mehr zu sehen gewesen.

Der Geschäftsführer des Seepark Hotels, Andreas Engelhoven, sieht den Ruf seines Unternehmens durch die Reportage nachhaltig geschädigt. So hatten die ARD-Reporter die Security in Verbindung mit der Neonazi-Szene gebracht. Das Hotel selbst stellt laut eigener Aussage aber überhaupt keine Sicherheitsleute. Auch sei eine Szene von Zeitarbeitern, die im Keller essen mussten, nicht im Hotel entstanden. Dort würde es einen solchen Keller gar nicht geben, gab Engelhoven zu Protokoll. Nun seien Mitarbeiter Beschimpfungen und Drohungen ausgesetzt, der Rufschaden sei enorm. Rechtliche Schritte will man nach eingehender Prüfung aber nicht einleiten.

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