„Djesus Uncrossed“: Waltz als Rache-Jesus

Der Mann traut sich was: Als erster Deutschsprachiger durfte Christoph Waltz am vergangenen Wochenende die US-Kultsendung “Saturday Night Live” moderieren. Diese einmalige Chance nutzte der Oscarpreiträger, um das christliche Amerika in Aufruhr zu bringen. In einem Fake-Trailer zu einer Persiflage auf den aktuellen Blockbuster “Django Unchained” gibt er als “Djesus Uncrossed” einen blutdurstigen Messias, der Jagd auf Römer macht. Im Web ist der Clip ein Hit, doch die Meinungen sind gespalten.

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Mit “Inglorious Basterds” gewann Christoph Waltz bereits einen Academy-Award als bester Nebendarsteller. Für seine Rolle im Tarantino-Streifen “Django Unchained” ist der gebürtige Österreicher nun wieder für einen Oscar nominiert. So kam dem 56-Jährigen die Ehre zuteil, Host der Comedy-Sendung “Saturday Night Live” zu sein, die seit 1975 wöchentlich von einem anderen Prominenten moderiert wird.

Gleich zu Beginn der Sendung stellte Waltz klar: Ich bin kein Deutscher, sondern Österreicher. Und die hätten einen wunderbaren Sinn für Humor – die Deutschen nicht so. Er hätte schon lange dabei sein wollen, wurde aber immer als “ernster deutscher Schauspieler ohne Sinn für Humor” gesehen. Mit diesem Vorurteil räumte der gefragte Hollywoodstar dann gründlich auf. Nach einem Werbespot für eine besondere Papst-Versicherung folgte der Trailer für “Djesus Uncrossed”. Mit abgebrochenem Kreuz und bis an die Zähne bewaffnet nimmt Waltz als auferstandener Messias blutige Rache an den Römern. Der Clip ist voller Anspielungen auf frühere Filme von Quentin Tarantino. Da werden die zwölf Apostel zu vermeintlichen Nazi-Jägern und “Djesus” beherrscht plötzlich asiatische Kampfkünste.
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Von der US-Presse gab es Lob. Der Rolling Stone nannte Waltz’ Auftritt “atemberaubend”. NBC sprach in seiner Berichterstattung von einer Grenzüberschreitung. Während christliche Organisationen sich bedeckt hielten, äußerte der Council on American-Islamic Relations heftige Kritik. “Solch eine Misinterpretation von Jesus ist extrem beleidigend für Muslime und alle, die an seine Nachricht glauben. Während wir den Gebrauch schockierender Bilder und bizarrer Gegenüberstellungen zu humoristischen Zwecken verstehen, sind wir der Meinung, dass ein solch geschmackloses Porträt einer religösen Figur, die von Milliarden Muslimen und Christen verehrt wird, eine Grenze überschreitet."
Waltz wird die Kritik verkraften können, der Tabubruch war kalkuliert. Was sein Hollywood-Mentor von der Persiflage hält, ist unklar. Tarantino hat sich bislang nicht zum "Djesus"-Streifen geäußert.

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