Der peinliche Stolper-Start von GovData

Wenn ein Bundesministerium eine Website ans Netz bringt, ist alles stabsmäßig geplant - möchte man meinen. Der Start von GovData, dem Datenportal für Deutschland, ging jedoch gründlich in die Hose. Die vom Innenministerium verantwortete Seite sollte am Dienstag starten, was erst am späten Abend gelang. Doch auch dann warf das Portal überwiegend Fehlermeldungen aus. Am Tag darauf ist das Angebot zunächst wieder offline – die Serverleistung müsse ausgebaut werden.

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GovData soll alle von staatlichen Stellen erhobenen Daten in maschinenlesbarer Form anbieten und die zentrale Anlaufstation für Daten aller Art werden, vergleichbar zu den OpenData-Portalen anderer Staaten, wie den USA. So soll es zum Beispiel Journalisten möglich sein, eigene Anwendungen, etwa aus Umweltdaten, zu erstellen, und diese in Webangebote oder mobile Applikationen zu verwenden. Die Daten sollen dabei maschinenlesbar und frei lizenziert sein. 
Doch der Start der unter daten-deutschland.de geplanten Seite darf getrost als peinlich bezeichnet werden, besonders wenn man bedenkt, dass das Bundesinnenministerium (BMI) dafür verantwortlich ist und das Portal von Fraunhofer Fokus umgesetzt wird. Am Tag nach dem angekündigten Start des Open Data-Portals ist das Angebot zunächst wieder nicht erreichbar. Offenbar hat man sich beim BMI massiv mit der benötigten Serverkapazität verkalkuliert und das, obwohl auf der Seite zum Start nur eine begrenzte Zahl an Datensätzen auffindbar sein würde.
"Aufgrund des hohen Interesses am Prototypen GovData müssen wir die Server-Infrastruktur verstärken und bitten daher um etwas Geduld", steht in roten Lettern auf der Startseite, die sich mitunter auch denkbar langsam lädt – wenn überhaupt. Am Dienstag hatte es bis spät Abends gedauert, bis die Seite erreichbar war. Zuvor wurde vom Besucher ein Login verlangt. Und auch, als die Seite endlich am Netz war, wurde deutlich: Hier läuft nicht viel rund.
Klickte man auf einem Datensatz, bekam man mitunter die Meldung "Verboten. Sie haben nicht die Rechte auf die angeforderte Ressource zu zugreifen." Oder "Nicht gefunden. Die angeforderte Ressource wurde nicht gefunden." Auch auf der Startseite prangten Fehlermeldungen – einige Elemente konnten nicht geladen werden.
Ein kurzer Eindruck des Portals bot sich trotzdem. So werden die Daten nach Thema durchsuchbar sein. Auch die Lizenz ist klar ersichtlich. Viele Daten werden jedoch gar nicht auf der Seite selbst angeboten. Oftmals wird man als Nutzer beispielsweise auf das Statistische Bundesamt und dessen Datenbank Genesis weitergeleitet. Nicht maschinenlesbare Dokumente sind in der Kategorie Dokumente hinterlegt.
Schon vor dem Start gab es Protest von OpenData-Aktivisten. Grund: Das Ministerium ließ eigene Lizenzen erstellen, statt internationale Standards zu nutzen. Außerdem soll es die Option geben, dass der kommerziellen Nutzung der Daten widersprochen wird. Für diese Fälle wäre es häufig nicht möglich, die Daten in einem kommerziellen Umfeld – etwa als interaktive Anwendung auf einer Nachrichtenseite mit Werbung, zu verwenden, ohne mit Klagen rechnen zu müssen.

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