Jauchs Themen-Geschenk an Frank Plasberg

"Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg darf ein kleines Dankeschön an Günther Jauch senden. Weil der in seiner Sendung vom Sonntag das frühere Entführungsopfer Natascha Kampusch exklusiv in seiner Sendung hatte, blieb der Pferdefleisch-Skandal als Thema für Plasberg übrig. Und hier zeigte sich, dass “Hart aber fair” immer noch eine gute Sendung sein kann - wenn ein ordentliches Thema bearbeitet wird und kein Handwerker-Klamauk oder Marken-Check Nachlese betrieben wird.

Anzeige

Es gab mehrere erhellende Momente in dieser “Hart aber fair”-Ausgabe zum Thema Pferdefleisch-Skandal. Etwa als die “Hart aber fair”-Redaktion in einer bemerkenswerten Infografik mit vielen Pfeilen über viele Länder hinweg nachzeichnete, welche absurden Wege das Pferdefleisch genommen hat, bevor es als Rindfleisch in Fertig-Lasagnepackungen deutscher Supermärkte landete.

Den anwesenden Vertretern der Fleisch- und Handelsbranche (der unvermeidliche Schinken-Fürst Jürgen Abraham und der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth) fiel dazu nicht viel mehr ein, als auf ominöse Dunkelmänner zu schimpfen, die irgendwie, irgendwo irgendwann Etiketten falsch angebracht haben müssen. Eine ähnliche schlechte Figur machte einmal mehr Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Die wurde von Plasberg mit alten Aussagen konfrontiert, die klar dokumentierten, dass sie sich noch vor zwei Jahren im Gleichschritt mit der Fleisch- und Handelslobby gegen eine transparente Herkunfts-Kennzeichnung von Fleisch ausgesprochen hatte. In der Sendung wollte sie davon nichts mehr wissen und flüchtete in Allgemeinplätze wie der erstaunlichen Aussage, dass es “sehr komplex” sei, das Herkunftsland von Fleisch auf eine Fertig-Packung zu drucken.

Erkenntnisreich war auch der Einzeltalk Plasbergs mit dem ARD-Journalisten und Buchautor (“Die Fleischmafia”) Adrian Peter, der in ruhigen und nachvollziehbaren Worten schilderte, dass es gar keinen Sinn ergebe, normales, hochwertiges Fleisch auf solch verschlungene Transportwege zu schicken. Dass Schinken-Mann Abraham bei den Aussagen Peters hochging wie das HB-Männchen, war dann auch wieder aufschlussreich. Wieso hat die ARD eigentlich keine Talkshow im Programm, in der ein Moderator ein tiefgehendes Interview mit nur einem Experten zu einem Thema führt. Das wäre doch mal was.

Insgesamt war aber diese Sendung eine gute Arbeit der “Hart aber fair”-Redaktion. Auch Moderator Plasberg war hellwach, ließ keine Plattitüden und Phrasen durchgehen, hatte immer einen richtigen Einspielfilm parat. Das Thema Pferdefleisch zeigt, dass das Konzept von “Hart aber fair” noch keineswegs durchgenudelt ist. Die Sendung funktioniert. Sie funktioniert sogar sehr gut, wenn sie echte Themen bearbeiten darf. Was bei “Hart aber fair” nicht funktioniert, sind windelweiche Gaga-Themen wie der herbeifantasierte Baumarkt-Tick der Deutschen oder “Machen Handys unsere Birne weich” (sinngemäß). “Hart aber fair” leidet wie keine andere ARD-Talkshow an der Masse an Talksendungen und vor allem an dem Montagssendeplatz einen Tag nach “Günther Jauch”. Die Ausgabe vom gestrigen Montag war ein Hinweis, was den Zuschauern wegen der missratenen Programmplanung der ARD entgeht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige