Der öde Web-Rummel um „Circus HalliGalli“

Für ihre Fans sind sie Kult und einige ihrer Streiche eignen sich bestens, um viral im Internet weiterverbreitet zu werden: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf alias Joko und Klaas. Für ihre neue ProSieben-Show "Circus HalliGalli" setzen sie die volle Social Media-Breitseite: Teaser-Videos, Tumblr-Blog, eine aufwändige Website, eine Twitter-Pressekonferenz – all das soll die Zuschauer vorab heiß machen auf die neue Show. Richtig zünden will die Strategie bislang aber noch nicht.

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Ab dem 25. Februar soll die neue Show der beiden Entertainer auf ProSieben laufen. Das Format wird vermutlich an die Vorgänger-Formate "neo Paradise" (ZDFneo) und "MTV Home" erinnern. Und weil bei einem großen Sender wie ProSieben mehr noch als bei MTV oder gar dem Digitalsender ZDFneo die Quote über das weitere Schicksal der Sendung entscheidet, versucht man vorher ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Vor allem im Netz.
Seit kurzem ist die offizielle Website zur Sendung online. Hinzu kommen Blog, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube-Account. Mit anderen Worten: die üblichen Verdächtigen. Und auch wenn laut Sender das Format "neue Maßstäbe für das Zusammenspiel von TV, Online und Social Media setzen" soll, muss man nüchtern feststellen: Bisher sind die Aktivitäten doch alle sehr erwartbar. Das Social-Media-Rad wird nicht neu erfunden.
Da wäre zunächst die Website. Laut ProSiebenSat.1 "ganz im Look der 1920er und 1930er Jahre gehalten." Tatsächlich ist die Seite aber vielmehr ganz im Look ProSiebens gehalten. Es ist die typische Sendungsseite nach dem Baukasten-Prinzip. Facebook und Twitter werden bestückt, wie man es erwartet, auf YouTube werden kurze Videos gezeigt, die einen Vorgeschmack auf die Sendung geben sollen, bei Instgram findet man bislang zwei Fotos. Das alles läuft – betrachtet man Fans- und Like-Zahlen – nicht unerfolgreich, aber auch nicht in Größenordnungen, die für einen Web-Hype nötig wären.
Das mag auch an den Inhalten liegen. Die Videos etwa sind kurzweilig und humorvoll, aber auch wenig überraschend. Wenn die beiden Entertainer einen Elefanten ("man weiß nie, wofür man einen braucht") ins Taff-Studio stellen wollen oder Verantwortlichen die Redaktion zeigen, die – lustig – aus Affen besteht, hat man nicht das Gefühl, der Humor würde gerade neu erfunden. Das Internet schon gar nicht. Statdessen wird alles belegt, das halt so dazugehört, ohne dass bislang eine wirkliche Strategie dahinter zu erkennen ist.
Das sieht man auch am Tumblr-Blog zur Sendung. Hier wird sich wohl irgendwer gedacht haben: "Brauchen wir auch." Und wie tumblrt man so? Bilder, kurze Videos und Gifs! So finden sich hier zum Teil die YouTube-Videos wieder oder Gif-Dateien auf denen zum Beispiel Joko Klaas eine Ohrfeige gibt (immerhin 66 Reaktionen). Und weil man ja mit Internet-Memen spielen will, darf auch Grumpy Cat nicht fehlen.
Die Macher versprechen, dass, wenn am Montag die erste Folge ausgestrahlt wird, die Show danach die ganze Woche über im Internet weitergehe und die Nutzer die Möglichkeit haben, sie mitzugestalten. Allein: Das wird mehr brauchen, als das, was bisher geboten wird. Für "neue Maßstäbe" wird eine starke Einbindung nötig sein, wie etwa bei der "Rundshow" des BR mit Richard Gutjahr. Das Experiment war zwar nicht in allen Teilen gelungen, aber immerhin spürbar um Innovation bemüht.
Am Mittwoch-Abend lädt ProSieben nun zur "Twitter-Pressekonferenz". Journalisten, wie auch Zuschauer, sollen Fragen stellen, die Moderatoren werden antworten. Um 19.30 Uhr soll die Runde beginnen und eine Stunde dauern. Das ist sicherlich ein kleiner Schritt in Richtung Zuschauer-Bindung. Andererseits mutet es auch etwas merkwürdig an, dass ProSieben Journalisten anbietet, sich mit dem eigenen Twitter-Namen für die Pressekonferenz akkreditieren zu lassen. Auf den großen Wurf in Sachen Social Media warten wir bei "Circus HalliGalli" noch. Mal abwarten was geschieht, wenn Joko und Klaas die ProSieben-Manege betreten.

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