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“Sprach-Schrotthaufen“ des F. Schirrmacher

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher gilt als einer der einflussreichsten intellektuellen Journalisten des Landes. Er ist jemand, der mit seinen Büchern Debatten anstößt. Nun sind in der Welt am Sonntag und in der Kultur-Zeitschrift Merkur Beiträge erschienen, die sich vernichtend mit Inhalt und Form seiner jüngsten beiden Bücher “Payback” und “Ego” auseinandersetzen: Schirrmacher zimmere “windschiefe Gedankengebäude” (WamS), er habe einen “sprachlichen Schrotthaufen” (Merkur) produziert.

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Unter der Überschrift “Die Monster des Dr. Frank” seziert der Ressortleiter Feuilleton der Tageszeitung Die Welt, Cornelius Tittel, “Ego”, das jüngste Buch von Frank Schirrmacher. Der Artikel ist eine Generalabrechnung mit dem Werk des Groß-Journalisten aus Frankfurt. “So schwer es jedem denkenden Menschen fallen dürfte, ‘Ego’ zu Ende zu lesen – schwerer wiegt nur die Last, sich ernsthaft mit Schirrmachers Thesen auseinandersetzen zu müssen”, schreibt Tittel relativ zu Beginn seines langen Textes. Und weiter: “Wo man auch bohrt, es sind denkbar dünne Bretter, aus denen Schirrmacher sein windschiefes Gedankengebäude zimmert.”

Tittel belässt es freilich nicht bei Anwürfen, sondern er geht durchaus ins Detail. Mit vielen Zitaten und Gegenüberstellungen weist er Schirrmacher nach, sich in “Ego” die Wirklichkeit so zurechtgebogen zu haben, dass sie zwischen seine Buchdeckel passt. In “Ego” werden Zitate verkürzt oder falsch wiedergegeben, Behauptungen ohne Quellenangabe aufgestellt oder schlicht Sachverhalte einseitig kolportiert.

Grob gesagt geht es in “Ego” darum, wie der moderne Mensch von einer angeblichen Verschwörung aus Finanz- und Militärs unmündig gemacht wird. Laut Schirrmacher geht dies zurück auf die Erfindung der Spieltheorie, die während der Endphase des Zweiten Weltkriegs ihre Blüte erlebte. Die Theorie geht von Menschen als rationalen Spielern aus, die in verschiedenen Szenarien darum ringen, Vorteile zu erzielen. Schirrmacher sieht darin eine Reduzierung des Menschen auf ein rein ökonomisches Wesen und unterschlägt dabei, dass es in der Spieltheorie auch kooperative Ansätze gibt. Neben vielen anderen Ungereimtheiten ist dies wohl der grundlegende Fehler, der dem FAZ-Mann bei “Ego” nachgewiesen wird. Die Grundaussage des gesamten Buches wird ad absurdum führt, wenn man die Spieltheorie in ihrer Gänze betrachtet und nicht nur, wie Schirrmacher, ausschnittweise.

Dabei ist “Ego” keineswegs das erste Buch Schirrmachers, bei dem er ein gesellschaftliches Thema populär aufmacht und dabei argumentativ aus der Spur getragen wird. Bereits das Vorgänger-Buch “Payback” zog reichlich Kritik auf sich, weil es einseitig und plakativ eine Überforderung des menschlichen Gehirns durch die Digitalisierung postulierte. “Ego” ist insofern ein würdiger Nachfolger von “Payback”. Statt “böser” Google- und Amazon-Algorithmen sind es diesmal die “bösen” Algorithmen des Finanzmarktes, die die Menschen beherrschen.

So hat der Lektor und Autor Joachim Rohloff für die Kultur-Zeitschrift Merkur auch nicht “Ego”, sondern “Payback” als Gegenstand einer bemerkenswerten Textanalyse gewählt, die er gleichsam als Kaufwarnung für “Ego” verstanden wissen will. Rohloff weist Schirrmacher bei “Payback” unzählige kleine und große Fehler, Schlampigkeiten, Auslassungen und Falsch-Interpretationen nach. Teils geht die Fehler-Fülle auf die Kappe eines miserablen Lektorats beim Verlag – trotzdem liest sich die Auflistung, die der Merkur auch online zur Verfügung gestellt hat, ebenso erheiternd wie erschreckend.

Rohloff urteilt über den Groß-Journalisten Schirrmacher im Merkur dabei noch härter als Tittel in der Wams: “Immerhin wird man für all die Hässlichkeit hin und wieder entschädigt mit Sätzen von geradezu rührender Blödheit”, ist da beispielsweise zu lesen. Oder: “Angesichts dieses sprachlichen Schrotthaufens möchte man sich natürlich sehr gern von Schirrmacher erklären lassen, wie Fehler in Texten aufzufinden sind.”

Für Frank Schirrmacher sind solche Kritiken nicht ganz unbedeutend. Die von ihm so verteufelten Algorithmen sorgen dafür, dass sich die negativen Texte zu seinen Büchern im Web verbreiten. Vielleicht hat er ja darum so viel Angst vor ihnen.

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