Amazon beherrscht die Google-Suche

Amazon zeigt der deutschen Wirtschaft, wie man im Web Geschäfte macht: Die US-Company macht in Deutschland längst einen Milliarden-Umsatz, setzt dafür jedoch auf Leiharbeiter und ist Googles wichtigster Werbekunde. Nur wer die Top-Positionen der Suchmaschine besetzt, verdient viel Geld im Netz. Jetzt kündigte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen eine Sonderprüfung der Arbeitsbedingungen an. Bislang konnte die Politik gegen US-Web-Companies nie etwas ausrichten.

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Nach einer aktuellen Auswertung von Searchmetrics, die dem Focus vorliegt, ist Amazon gleich in doppelter Hinsicht die Nummer eins im so wichtigen Google-Ranking: Zum einen ist das Internet-Kaufhaus der aktivste Käufer, wenn es um den Einsatz Werbeflächen innerhalb der Suchmaschine geht. Amazon setzte im vergangenen Jahr dreimal häufiger auf diese Anzeigen-Form als die nächstplatzierten Unternehmen Otto und eBay.

Zum anderen ist die US-Firma aber auch das Unternehmen, welches am häufigsten in den normalen Trefferlisten der Google-Suche geführt wird. Besser platziert ist nur das Online-Lexikon Wikipedia. Danach folgen Facebook, Chip, Ebay und YouTube.

Alleine diese Auswertung zeigt: Vom Internet-Business versteht Amazon so einiges. Ob die US-Amerikaner auch die Logik und Befindlichkeiten des Berliner Politikbetriebes verstehen, wird sich jetzt zeigen müssen. Denn nach der ARD-Doku über die Arbeitsbedingungen von Amazon-Leiharbeitern sind die Vertreter fast aller Parteien alarmiert. Gegenüber der Welt am Sonntag sagte die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bereits, dass sie eine Sonderprüfung der Arbeitsbedingungen bei Amazon Deutschland in Auftrag gegeben hätte. „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“. Die ARD-Reportage „Ausgeliefert“ hatte am Mittwochabend gezeigt, wie das Web-Kaufhaus im Weihnachtsgeschäfts Leiharbeiter aus dem Ausland eingestellt hatte, in überbelegten Ferienwohnungen untergebracht und schlechter bezahlt als versprochen habe. Zudem sollen die Sozialbeiträge für die Beschäftigten nicht korrekt abgeführt worden sein.

Welche Konsequenzen die ARD-Recherchen und die Prüfung durch das Arbeitsministerium haben werden, ist noch unklar. Der Ärger vieler Kunden, die sich zur Zeit via Facebook und über andere soziale Netzwerke beschweren, wird – zumindest statistisch gesehen – folgenlos bleiben. In seinen Blog Von Nullen und Einsen zeigt Ralph Pfister, dass Shitstorms keine mittelfristigen Auswirkungen auf den Umsatz eines Unternehmens haben. Sein ironisches Fazit: „Amazon wird so pleitegehen wie Wiesenhof“.

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