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Relaunch: Guter Rat buhlt um Web-Publikum

Im Kampf gegen die Auflagenkrise war auch Burdas Guter Rat bislang ratlos. Das soll sich jetzt ändern. Denn die Berliner haben ihr Heft renoviert und eine klare strategische Entscheidung getroffen: "Wir haben uns dazu entschieden, uns auf die Zielgruppen zu fokussieren, bei denen wir in den letzten Jahren am meisten punkten und neue Leser gewinnen konnten", erklärt Chefredakteur Werner Zedler gegenüber MEEDIA. Damit setzt der Blattmacher voll auf eine Zielgruppe, die sich trotz hoher Web-Affinität bewusst für Print entscheidet.

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Zedler beschreibt diese Zielgruppe als jüngere Leser aus einem städtischen Milieu mit einem höheren Haushaltsnetto-Einkommen. Die Definition entspricht eigentlich dem typischen Internet-Nutzer. Dessen ist sich auch der Blattmacher bewusst. Allerdings: "Dazu muss man wissen, dass unsere Homepage die effektivste Quelle für neue Abo-Abschlüsse ist. Viele Nutzer stoßen erst über das Internet auf Guter Rat". Genau an diesem Punkt ergibt die Logik des Journalisten wieder Sinn.

Im Abo-Bereich setzte das Magazin im vierten Quartal 2012 75.079 Exemplare ab. Auf den Einzelverkauf entfielen 56.985 Hefte. Im Gesamtverkauf kommt der Gute Rat auf 221.863 Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von zwei Prozent. Innerhalb von fünf Jahren gingen allerdings 13 Prozent der Gesamtauflage und 40 Prozent der Kiosk-Verkäufe verloren.

Tatsächlich plädiert der Ratgeber-Spezialist für eine viel stärkere Fokussierung der Verlage und Redaktionen auf einen bestimmen Konsumenten-Typ. "Es gibt Leser, die Print wollen. Denen muss man jedoch auch ein überzeugendes Heft bieten. Die haben sich am Kiosk ganz bewusst für das Erlebnis Print-Magazin entschieden. Denen geht um das Lesen eines Magazins, die Haptik, die Fotos, das Layout". Diesen Print-Genießern müsse man auch ein anständiges Heft bieten, das ihren Ansprüchen genüge.

Für den Guten Rat bedeutet dies: ein besseres Papier, ein wertigeres Layout und weniger dicke Farbbalken. Zudem wollen die Berliner sich noch stärker vom Internet abgrenzen und weniger auf schnelle Informationen setzen. "Der heutige Print-Leser sucht die Entschleunigung und eine langfristige Orientierung." Passend dazu hätte der Blattmacher auch klare Vorstellungen von der perfekten Web-Print-Kombination. "Wenn wir träumen dürften. Dann hätten wir gerne im Internet ein tagesaktuelles Pendant. Das würde sich keinesfalls kannibalisieren". Dazu müsste allerdings die Redaktionsmannschaft ausgebaut werden und auch die Verlagsleitung müsste zustimmen. Die – hoffentlich – richtigen taktischen Weichenstellungen im Print haben Zedler und sein Team mit dem Relaunch bereits getroffen.

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