P7S1: Nach Investor-Ausstieg Dax-Kandidat?

Der erste Exit ist geglückt: Anteile an ProSiebenSat.1 in Höhe von 485 Millionen Euro konnten die Finanzinvestoren KKR und Permira gestern erfolgreich bei institutionellen Investoren platzieren. Es könnte der Startschuss für einen Wechsel der Mehrheit an der deutschen Fernsehsenderkette sein - als Interessenten werden Rupert Murdochs News Corp, Time Warner und weiter hartnäckig Axel Springer gehandelt. Ganz nebenbei könnte P7S1 plötzlich zum Dax-Kandidaten werden, da mehr Aktien frei handelbar werden.

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Der erste Exit ist geglückt: Anteile an ProSiebenSat.1 in Höhe von 485 Millionen Euro konnten die Finanzinvestoren KKR und Permira gestern erfolgreich bei institutionellen Investoren platzieren. Es könnte der Startschuss für einen Wechsel der Mehrheit an der deutschen Fernsehsenderkette sein – als Interessenten werden Rupert Murdochs News Corp, Time Warner und weiter hartnäckig Axel Springer gehandelt. Ganz nebenbei könnte P7S1 plötzlich zum Dax-Kandidaten werden, da mehr Aktien frei handelbar werden.

An der Börse sieht ProSiebenSat.1 wie ein Verlierer aus: Keine Aktie im MDax gab gestern stärker nach –  um sechs Prozent ging es nach unten. Doch das Bild täuscht – wie so oft an den Kapitalmärkten. ProSiebenSat.1 darf sich tatsächlich als Gewinner fühlen, denn die Münchner Sendergruppe hat einen großen Schritt in Richtung der lang ersehnten Loslösung der Mehrheitsinvestoren Permira und KKR getan.

19,7 Millionen Vorzugsaktien wurden von den beiden Private Equity-Gesellschaften nach Handelsschluss am Mittwochabend an institutionelle Investoren platziert – und das lediglich mit einem Abschlag von drei Prozent auf den Schlusskurs von 25,23 Euro. 485 Millionen Euro erlösten Permira und KKR so für den Exit zu 24,60 Euro. Die gesamten Bestände ihrer Vorzugsaktien wurden damit platziert; der Anteil an den Stämmen sank auf 88 Prozent.

Wer könnte für ProSiebenSat.1 bieten?

Und das soll nur ein erster Schritt gewesen sein.  Bis zur Hauptversammlung am 23. Juli, wenn über die Zusammenlegung der Vorzugs- und Stammaktien abgestimmt werden soll, wollen die Finanzinvestoren den Ausstieg möglichst komplett vollzogen haben. Investmentikone JP Morgan wurde unlängst damit beauftragt, einen passenden Käufer zu finden.

Der Kandidatenkreis dafür ist eher rar gesät, zumal der Käufer auf aktuellem Kursniveau 2,4 Milliarden Euro für eine Komplettübernahme der Anteile aufbringen müsste. Dafür kommen im Grunde nur die großen Player der Branche in die Betracht – doch die winken, ob taktisch bedingt oder ernst gemeint, noch ab.

Rupert Murdochs News Corp. wird zwar Interesse nachgesagt, doch das deutsche Wettbewerbsrecht verkompliziere eine Übernahme,  wie das Handelsblatt unlängst berichtete. News Corp. ist bereits mehrheitlich  beim Stadtnachbarn Sky engagiert.

Time Warner offenbar am Einstieg interessiert

Der Discovery Channel, der auch immer wieder mit ProSiebenSat.1, in Verbindung gebracht wurde, winkte unlängst ab – die Amerikaner hatten im Frühjahr erst für 1,3 Milliarden Dollar die skandinavischen Filmtöchter übernommen. Vielleicht also Springer? Aus der Konzernzentrale in Berlin war ein klares Dementi zu hören: "Vor sechs oder sieben Jahren hätte uns ein Kauf von ProSiebenSat.1 noch interessiert. Jetzt aber nicht mehr", diktierte ein Springer-Vorstand dem Handelsblatt.

Bliebe noch Time Warner. Der US-Medienriese verfügt zweifellos über die nötigen Mittel und stellt sich gerade neu auf: Während das Verlagsgeschäft zu großen Teilen wohl veräußert wird, könnte die florierende TV-Sparte ausgebaut werden.

Börsen-Exit: ProSiebenSat.1 greift Dax-Schlusslichter an

Schlagen alle Exit-Planspiele fehl, bliebe Permira und KKR noch der Ausstieg über die Börse, der jedoch lange nicht so reibungslos und kursschonend über die Bühne gehen dürfte, wie schon die heutigen Kursverluste zeigen: Je mehr Anteile die Privatinvestoren am Markt platzieren, desto mehr setzen sie die P7S1-Aktie unter Druck.

Der Lohn der Platzierung an den Kapitalmärkten könnte indes ein anderer sein: ProSiebenSat.1 würde dank der Erhöhung des Freefloats (frei handelbare Aktien) plötzlich zum Dax-Kandidaten. Stamm- und Vorzugsaktien zusammenaddiert, ist ProSiebenSat.1 immerhin jetzt schon 4,5 Milliarden Euro wert.

Können die Münchner ihr Kursniveau in Richtung der 30 Euro-Marke steigern, setzt ProSiebenSat.1 die Dax-Schlusslichter Lanxess, K+S, Merck und Infineon unter Druck. Nicht mal vier Jahre nachdem ProSiebenSat.1 von der milliardenschweren Schuldenlast erdrückt zu werden schien und auf Pennystock-Niveau abrutschte, wäre das ein Happy End, mit dem nicht mal Hollywood konkurrieren könnte…

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