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Plagiatsjäger: jetzt Polit-Lobbyisten im Visier

Hochsaison für Plagiatsjäger: In Zukunft sollen nicht nur Doktorarbeiten genauer unter die Lupe genommen werden, sondern auch EU-Gesetze. Vergangenen Sonntag stellte Richard Gutjahr "Lobbyplag" vor. Gemeinsam mit den Datenjournalisten von OpenDataCity untersuchte er die Anträge zur EU-Datenschutz-Grundverordnung daraufhin, inwieweit Schriften von Lobbyisten darin Verwendung finden. Nun sammeln die Macher über die neue Plattform Krautreporter Geld, um das Tool auszubauen.

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"Es kann sich zwar jeder denken, dass in Brüssel oder Berlin jede Menge Lobbyarbeit betrieben wird. Aber niemand hat eine Vorstellung von der Dimension, die das angenommen hat", sagt Richard Gutjahr in einem Interview auf tagesschau.de. Mit LobbyPlag wollten er und seine Mitstreiter "diese Hintergründe sichtbar machen". Im Fall der unter Lobbyplag.eu analysierten EU-Datenschutz-Grundverordnung habe der Einfluss ein Ausmaß, der ohne die Hilfe von Software gar nicht zu erfassen sei. Sätze oder gar Absätze aus Lobbypapieren von Ebay oder Amazon beispielsweise würden sich eins zu eins in Anträgen der EU-Parlamentarier finden.
Den Anstoß für Lobbyplag gab der Wiener Student und Datenschutz-Aktivist Max Schrems. Er kontaktierte Gutjahr und wies ihn auf kopierte Textpassagen hin. Gutjahr recherchierte weiter und kontaktierte die Kollegen von OpenDataCity – Lobbyplag war geboren. Das Tool ermöglicht es, ähnlich wie es beim Guttenplag-Wiki mit der Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers geschah, Nutzern eigene Recherchen durchzuführen und weitere Stellen zu finden, in denen Lobby-Papiere übernommen wurden. Gutjahr bezeichnet das Lobbyplag auch als einen "Gratis-Service für alle Parlamentarier", die gerne wüssten, woher die Anträge stammen, die in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden.
Nach dem ersten Erfolg und dem positivem Echo auf ihre Arbeit, wollen die Macher ihr Projekt nun zu einem EU-Transparenz-Tool ausbauen, das auch für andere Gesetze und Verordnungen angewandt werden kann. Die Seite soll zudem mehrsprachig sein. Auf der jüngst gestarteten Crowdfunding-Plattform krautreporter.de sammeln die Macher daher Geld. 7.500 Euro sollen mindestens zusammenkommen. Einen Tag nach Start der Finanzierungsphase wurden bereits über 1.000 Euro bereitgestellt, aktuell steht man bei etwa 1.500 Euro. Mehr als 50 Nutzer unterstützen das Projekt. Bis zum 5. März läuft die Finanzierungsphase noch.

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