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Der bizarre Wettlauf der Papst-Auguren

Aus heiterem Himmel erklärte Benedikt XVI. am heutigen Montag seinen Rücktritt. Seitdem sind alle Medien auf der Suche nach Experten, die die Nachricht erklären können. Jetzt schlägt die Stunde der vermeintlichen Insider und Kapazitäten. Genauer: Es könnte die Stunde des Ex-Vatikankorrespondenten der Bild, Andreas Englisch, werden. Denn bereits vor einem Jahr sagte er den Rücktritt voraus. Damit zieht er mit seinen Kollegen Stephan Kulle gleich, der seinen großen TV-Moment bei Ratzingers Ernennung hatte.

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Dem Vatikan-Kenner des ZDF und von Phönix gelang am 19. April 2005 um 18.39 Uhr das Kunststück, dass er bereits vier Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe der Wahl von Joseph Ratzinger zum neuen Papst von dem Wahlergebnis erfuhr und diese Nachricht vorzeitig bei Phoenix verkündete. Von solch einem Scoop träumt jeder Korrespondent.

Mit dem Rücktritt Ratzingers könnte Englisch jetzt allerdings nachziehen. Vor nicht ganz einem Jahr, am 16. April sprach der Papst-Biograf bereits davon, was am heutigen Montag folgen sollte. Im Interview mit n-tv sagte er: „Ich glaube, dass es noch ein ganz großes Ereignis geben wird. Und das wird ein Ereignis sein, das die Kirche meiner Ansicht nach noch mehrere Jahrtausende beschäftigen wird. Ich glaube, dass dieser Papst als zweiter Papst in der Geschichte zurücktreten wird.“ Damit sollte Englisch recht behalten. Seine Prognose begründete er damit, dass es während der langen Krankheit von Johannes Paul II. innerhalb der Kirche eine große Diskussion darüber gegeben hätte, ob ein Mann, der so krank ist, noch die Kirche leiten sollte oder nicht. „Und Joseph Ratzinger hat damals immer gesagt: nein. Die Kirche braucht jemanden, der im Vollbesitz seiner Kräfte ist, sowohl geistig als auch körperlich. Jemand, der geistig oder körperlich nicht mehr in der Lage ist, den kann man auch eine Kirche nicht mehr leiten lassen.“

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Für Englisch dürfte der heutige Tag einer der arbeitsreichsten seiner Karriere sein. Als Vatikanexperte der Bild wurde er vor zwei Jahren, nach rund zehn Jahren, abberufen, nachdem er sich  in der Sendung Hart aber fair zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche geäußert hatte. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Talkshow und dem Jobwechsel gab, ist allerdings nicht ganz klar. Nach der treffenden Voraussage dürfte Englisch allerdings hoffen, dass die Medien ihn vom Experten- in den Koryphäen-Status upgraden.

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