Plagiat-Jäger bietet Söldner-Dienste an

Guttenberg, Koch-Mehrin, Schavan: Politiker mit Doktor-Titel geraten seit dem Präzedenzfall des CSU-Politikers fortlaufend in das Visier von Plagiatsjägern. Der vielleicht bekannteste von ihnen ist Martin Heidingsfelder. Doch geht es ihm überhaupt um die Sache? Auf seiner Seite wirbt das Mitglied der Piraten-Partei gegen Bezahlung um Aufträge, streng nach politischem Schema. Und in einem Interview sagt der 47-Jährige, dass er bereits seit November 2011 von der Plagiatssuche lebt.

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Schaut man im PolitPlag.de unter Projektfinanzierung findet man die Bankverbindung von Martin Heidingsfelder unter dem Punkt "Einzahlen und uns unterstützen". Was wie ein gewöhnlicher Spendenaufruf klingt, bekommt in der Erklärung darunter jedoch bereits eine andere Stoßrichtung: 
"Bitte geben Sie im Betreff einen Kandidaten oder eine Partei an, welche Sie untersucht haben möchten. Sollte die für die Überprüfung eines bestimmten Parlamentskandidaten notwendige Summe nicht erreicht werden, werden wir mit dem bis dahin eingezahlten Betrag die Dissertation eines anderen Politikers der gleichen Partei analysieren."
Heißt mit anderen Worten: Man kann Heidingsfelder und sein Team buchen ihnen Auftragsaufgaben geben. Und diese Aufträge folgen klar einem politischen Schema, indem man eine Partei auswählt oder wenn nicht genug Geld zusammen kommt ein anderer Vertreter der gleichen Partei ins Visier genommen wird. 
"Weiterhin können Sie uns unterstützen durch die Zusendung von Scans von Dissertationen und die Übermitlung von Informationen. Wir schreiben freiwillig erbrachte Leistungen mit dem entsprechenden Wert dem jeweiligen Kandidatenkonto gut", heißt es weiter. Außerdem ist zu lesen, dass Professor Dr. med Ursula Gresser und der Wissenschaftliche Beirat (bestehend aus zwei weiteren Akademikern) über die Verwendung der Mittel wachen würden. 
In einem Interview mit der Hamburger Morgenpost verrät Heidingsfelder mit was für Kosten kalkuliert wird: "Beim Preis bei www.politplag.de geht das bei wenigen Hundert Euro los. Umfassende Arbeiten verursachen einen vierstelligen Betrag. Ab 20 Euro kann sich jeder an den Prüfungskosten beteiligen." Ihn persönlich bekomme man über das Geld geködert – oder einen interessanten Fall. 
Alleine arbeitet er jedoch nicht, im Interview spricht er von einem großen Team, das hinter dem Projekt stehe. Der Frontmann ist jedoch er. Seit November 2011 lebe er von der Plagiatssuche: "Ich habe zwar noch Einkünfte aus meiner Tätigkeit als Online-Forscher, aber die lege ich momentan zur Seite", so Heidingsfelder.
Die nächsten Doktorarbeiten für die Untersuchung sind auch schon vorbereitet. Laut Kandidatenliste ist bei den Arbeiten von Angela Merkel und Peter Ramsauer bereits die Voruntersuchung abgeschlossen. Im Fall Merkel habe der Plagiats-Jäger sogar Geld dafür geboten bekommen, falls er Fehler finde – Details wolle er jedoch nicht verraten.
Arbeit habe er jedenfalls genug: "Zurzeit liegen bei mir rund 40 Bücher zur Überprüfung auf dem Tisch, darunter rund 15 von Bundestagskandidaten", so Heidingsfelder im Morgenpost-Interview. Aber längst nicht alle Fälle seien Prominente: "Ich habe schon einige Professoren zu Fall gebracht, auch wenn die dann angeben, aus ‚gesundheitlichen Gründen’ aufzuhören."

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