HoCa-Chef Ziesemer kritisiert Lukas Kircher

In der Regel sprechen Dienstleister nicht schlecht übereinander. Doch es gibt Ausnahmen. In einem Interview mit dem Fachblatt Horizont sagte nun Bernd Ziesemer, Chef der Corporate-Publishing-Abteilung von Hoffmann und Campe, seine Kollegen von KircherBurkhardt litten unter "Größenwahn". Warum das? Weil Lukas Kircher in einem Gespräch mit MEEDIA gesagt hatte, Corporate Publisher und Verlage müssten Werbeagenturen "killen". Das findet Ziesemer "großspurig" – und setzt auf Allianzen.

Anzeige

Worum geht’s in dem Zwist? Lukas Kircher, Mitgründer von KircherBurkhardt, positioniert sich seit einigen Monaten als Vorreiter des Content Marketing in Deutschland. Content Marketing – das ist der Einstieg von Unternehmen in die Produktion von Inhalten im Internet, weit über reine Werbung oder plumpe Produktplatzierungen auf anderen Seiten hinaus. Die Coca-Cola Webseite "Journey" gilt als Paradebeispiel für das Prinzip Content Marketing.
Kein Marktteilnehmer, auch nicht Werbe- und Mediaagenturen, bestreitet, dass in dieser Disziplin viel Geld zu verdienen ist. Doch kein Anbieter geht so radikal vor wie KircherBurkhardt. Die Berliner haben gleich ihre ganze Agentur auf die im Trend liegende Dienstleistung eingeschwört und wollen damit ihren Umsatz von derzeit 30 auf mittelfristig 50 Millionen Euro im Jahr hochschrauben. Gegenüber MEEDIA riet Kircher auch Verlagen dazu, auf das neue Pferd, das aus den USA stammt, zu setzen: "Content Marketing ist die vorletzte Chance für Verlage, neue Monatarisierungsmöglichkeiten zu schaffen. Sie müssen das Geschäft der Werbeagenturen übernehmen, auch das Geschäft der PR-Agenturen. Verlage müssen sich selber mit Kommunikationsproblemen befassen – und die Werbegenturen killen. Sie sind der Feind."
Zu Horizont sagt nun Ziesemer – der lange Chefredakteur des Handelsblatt war, das wiederum am Freitag die neuen Geschäftszahlen von KircherBurkhardt verkündete: "Das ist Größenwahn. Corporate Publisher und Werbeagenturen sollten sich lieber verbünden. Denn beide Seiten bringen etwas mit, was die jeweils andere Seite nicht bieten kann." Und, gerichtet an die Adresse von Kircher: "Was mich an der Diskussion um Content Marketing bisweilen stört, ist, dass einige das Glitzern von Euro-Scheinen in den Augen haben und großspurig verkünden, sie seien die Größten und vernichten jetzt mal eben die Werbeagenturen." Gefolgt von einem etwas oberlehrerhaften Wilhelm-Busch-Zitat.
Dabei ist es vermutlich Ziesemer selbst, der ein wenig mehr Aggressivität an den Tag legen müsste. Nicht in Interviews, sondern bei Wettbewerben und Kunden. Im maßgeblichen CP-Monitor-Kreativranking jedenfalls löste KircherBurkhardt HoCa an Position Eins mit 177 zu 121 gewonnenen Preisen ab. Diverse Pitches gingen zugunsten der Berliner Agentur aus, u.a. Volkswagen und T-Systems. Einer der größten HoCa-Aktivposten, ein BMW-Etat, wurde im vergangenen Jahr knapp gegen die Kreativagentur von Tyler Brulé (Magazin Monocle) verteidigt, der sich bereist das Mini-Magazin schnappte. Was Ziesemer nun ankündigt: HoCa rede "verstärkt" mit Werbeagenturen über Allianzen. Ob das Ziesemer’sche Kooperationsdenken oder eher das Kircher’sche Konkurrenzmodell gewinnt, wird von der Agilität ihrer Macher entschieden.    

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige