Vine: 6 Sekunden vom Hype zum Problemfall

Publishing Die iOS-Video-App Vine, die zu Twitter gehört, wurde von Twitter-CEO Dick Costolo im Wall Street Journal kürzlich als “next big Thing” bezeichnet. Für Twitter hat er, u.a. mit Hilfe von Vine, das Ziel eine Mrd. Nutzer zu erreichen. Vine ermöglicht es, Mini-Videos von sechs Sekunden Länge zu veröffentlichen und bei Twitter oder Facebook zu teilen. Zum Start kämpft Vine allerdings mit Problemen und wurde in den USA nun sogar mit einer Altersbeschränkung versehen.

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Twitter und sein CEO Dick Costolo stehen unter Druck. In den USA wird erwartet, dass das Unternehmen in absehbarer Zeit an die Börse geht. Für einen erfolgreichen Börsengang fehlt Twitter aber nach wie vor ein belastbares Geschäftsmodell und eine Wachstumsstory. Während das Social Network Facebook bereits die ersten Börsenstürme überstanden hat, bescheidene Gewinne erwirtschaftet und längst über eine Milliarde Nutzer an sich gebunden hat, stottert der Business-Motor bei Twitter gewaltig.

Twitter ist der Liebling von Hardcore-Internet-Nutzern und Medienleuten. Der Dienst gilt manchen als die smarte, intelligentere Alternative zu Facebook. Twitter ist offener und durch die Begrenzung auf 140 Zeichen fokussierter als Facebook. Vor allem Medienmenschen nutzen Twitter gerne als News-Aggregator und Filter. Allerdings stagniert der Dienst bei über 200 Mio. Mitgliedern. Für die große Mainstream-Masse ist die Twitter-Welt mit ihren Regeln und Schrulligkeiten wie Retweets, Hashtags und Insiders-Witzen zu kompliziert. Twitter droht ein Insider-Ding zu bleiben.

Bisherige Versuche Geschäftsmodelle zu etablieren, blieben zudem erfolglos. Zuletzt hat Facebook Twitter mit Instagram auch noch einen viel versprechenden Übernahmekandidaten weggeschnappt. Zu Twitter hätte der Fotodienst Instagram nämlich mindestens genauso gut gepasst, wenn nicht besser.

Vor diesem Hintergrund ist der Hype zu sehen, den Twitter um seine neue Video-App Vine entfacht. Statt mit Fotos probiert man es nun eben mit Mini-Videos. Im Interview mit dem Wall Street Journal gab Costolo die Marschrichtung vor und erklärte die Nutzer-Milliarde auch für Twitter zum Ziel. Ein Baustein, um diese ehrgeizige Marke zu erreichen soll nun offenbar Vine sein. Die App erlaubt es Nutzer, sechssekündige Mini-Videos aufzunehmen und sofort bei Vine selbst aber auch bei Twitter oder Facebook zu veröffentlichen. Costolo sieht darin eine neue Art von “hyper-konzentriertem Publizieren”. Nutzer würden dadurch gezwungen werden, kreativ zu sein.

Allerdings gibt es auch ein paar Gründe, in Sachen Vine skeptisch zu sein. Zum einen war der Start des neuen Dienstes sehr holprig. Technische Probleme sorgten für häufige Abstürze der App. Einige Spaßvögel nutzten die App zudem zur Verbreitung von pornografischen Mini-Videos. Das führte dazu, dass Vine innerhalb kürzester Zeit bereits ein Update zur Verfügung stellen musste und in den USA nun mit einer Altersbeschränkung “ab 17 Jahren” versehen ist, was freilich mit einem Klick umgangen werden kann. Innerhalb kürzester Zeit zog Facebook zudem nach und bietet nun selbst auch die Möglichkeit, kurze Videos auszunehmen und zu teilen.

Neu ist die Idee mit den Mini-Webvideos auch nicht. Das Startup 12Seconds experimentierte vor drei Jahren schon einmal mit – damals 12-sekündigen – Mini-Videos, die sich bei Twitter einbinden ließen. Die Firma musste den Betrieb im Oktober 2010 einstellen. Um die Nutzer-Milliarde zu knacken, wird Twitter womöglich noch ein paar weitere Ideen brauchen.

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