Jenny Elvers’ zerstörerische Beichte bei RTL

Am 2. November vergangenes Jahr wurde Jenny Elvers-Elbertzhagen aus einer Alkohol-Entzugsklinik entlassen. Bereits Ende Januar erschien dann schon das große Interview samt Foto-Shooting und Titel bei der Gala. Gestern nun die große “Alkoholbeichte” bei “RTL Exclusiv” mit Frauke Ludowig als Beichtmutter. Weitere Auftritte in Talkshows dürften folgen, Bild raunte schon etwas von einem Buch. Der Fall von Jenny Elvers ist auch ein Paradebeispiel für die Zerstörungskraft der Medienmaschine.

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Immer wieder in dem nicht enden wollenden “RTL Exclusiv”-Spezial, in dem jeder Absturz, jede Peinlichkeit, jeder Fehltritt im Leben der Jenny Elvers-Elbertzhagen grell ausgeleuchtet besprochen, analysiert und vorgeführt wurde, versicherten sich die Beteiligten – Frauke Ludowig, Götz Elbertzhagen, Jenny Elvers-Elbertzhagen – wie gut und richtig das alles doch sei. Dass sie ihren Alkoholismus öffentlich mache. Dass sie ins Fernsehen gehe. Dass sie ein Foto-Shooting mache. Als Warnung für die ganzen anderen Betroffenen da draußen. Die Öffentlichkeit diene als Korrektiv, meinte der Ehemann und Manager, denn wenn sie rückfällig würde, wäre dass dann ja auch wieder öffentlich. Was für eine verquere Logik.

“Die Öffentlichkeit ist gut für Jenny”, sagte auch Frauke Ludowig aus dem Off immer wieder. Das “einfache Mädchen” habe sich doch immer so sehr nach Aufmerksamkeit gesehnt. Und Jenny Elvers-Elbertzhagen selbst meinte auch, dass das schon gut so sei mit dieser ganzen Öffentlichkeit. Ihr Absturz in der NDR-Sendung “DAS” sei ja schließlich auch öffentlich gewesen. “Mehr öffentlich geht kaum.” Als ob es darum ginge. Als ob es RTL wirklich darum gehen würde, zu warnen oder gar – was für ein abenteuerlicher Gedanke – Jenny Elvers-Elbertzhagen zu helfen. In Wahrheit ging wie immer um die Story, um das Herzeigen einer Gefallenen. Der Beitrag weidete sich geradezu an den Szenen ihres Absturzes.

RTL zeigte den “Lall-Auftritt” aus der NDR-Sendung vom vergangenen September immer und immer wieder. Fallhöhe musste her, auf Biegen und Brechen. Damit die Alkoholbeichte der Jenny Elvers als Medien-Drama präsentiert werden konnte. Aber: Die Geschichte wollte nicht recht laufen. Die Story vom gefallenen Star, der nun wieder aufrecht geht, funktioniert hier nicht. Der grelle Lack, den RTL, Gala und Bild auf die Lebensgeschichte der Jenny Elvers-Elbertzhagen aufgetragen haben, ist zu dünn. Hinter dem inszenierten Dramolett wird sichtbar, dass es sich eigentlich um eine Tragödie handelt.

Damit ein Star fallen kann, muss er zunächst den einen oder anderen Höhenflug hinter sich haben. Bei RTL erzählten sie darum allen Ernstes, Jenny Elvers habe ihren “Durchbruch” als Schauspielerin 1996 mit dem Film “Männerpension” gehabt. Mit einem sekundenkurzen Kurzauftritt, in dem sie ihren Rock lüpfte. Dann habe sie die “Buhlschaft” im “Jedermann” gespielt. Das hat auch schon Barbara Becker gemacht. Als Ausweis besonderen Startums ist diese Rolle wenig geeignet.

Umso breiter wurden dafür ihre Männer-Geschichten von Heiner Lauterbach bis “Big Brother”-Fuzzi Alexander Johlig ausgewalzt. RTL zeigte ungeniert Paparazzi-Aufnahmen von Jenny Elvers-Elbertzhagen, wackelige Videos mit ihrer Familie offenbar auf dem Gelände der Entzugsklinik. Im gleichen Atemzug wurde darüber räsoniert wie schlimm das doch alles sei, dieses Leben in der Medien-Öffentlichkeit.

Das Grundproblem von Jenny Elvers-Elbertzhagens Alkoholbeichte war der Beichtort. Kein TV-Format in Deutschland wäre dafür wohl ungeeigneter, als das Fassaden-Fernsehen von “RTL Exclusiv”. Dort wo man sich sonst mit hochgezogener Augenbraue über verrutschte Schlüpfer lustig macht, soll nun auf einmal am Beispiel von Jenny Elvers-Elbertzhagen ganz aufrichtig vor den Folgen von Alkoholismus gewarnt werden. Da hat aber jemand den Bock zum Gärtner gemacht.

Wenn Jenny Elvers-Elbertzhagen vor laufender Kamera unverblümt erzählte, dass sie vor ihrem Sohn eine Flasche Sekt ausgetrunken hat, guckte Frauke Ludowig bloß komisch und weiter ging es zur nächsten Anekdote aus dem traurigen Leben der ehemaligen Heidekönigin. “Jenny ist heute in guter Form – wir werden sie auch noch anders erleben”, kam es unheilschwanger aus dem Off. An Verlogenheit und Scheinheiligkeit war das kaum zu überbieten.

Götz Elbertzhagen erzählte in der “Alkoholbeichte” gefasst und offen über seine Sorgen und Probleme als Ehemann einer alkoholkranken Frau, deren Manager er auch ist. Für die Gala-Story haben beide laut Bild.de angeblich eine knapp sechsstellige Summe kassiert. Der Auftritt bei RTL dürfte auch einiges eingebracht haben. "Monatelang" habe man Jenny ELvers-Elbertzhagen begleitet, wird wiederholt betont. Anfang November 2012 wurde sie aus der Entzugsklinik entlassen. Nun wurde gesendet. Das bedeutet im Prinzip: Raus aus der Klinik, rein ins TV. Vermutlich glauben die Beiden sogar wirklich, dass sie mit dieser medialen Selbstentblößung genau das Richtige tun. Die Bild hat schon spekuliert, dass nun Auftritte in Talkshows und womöglich ein Buch folgen.
Wie bitter. Es scheint, dass Jenny Elvers-Elbertzhagen mit der trockenen Alkoholikerin endlich wieder eine Rolle gefunden hat, die sie teilhaben lässt am medialen Zirkus Maximus. So lange es gut geht jedenfalls. Alkohol ist nicht die einzige Sucht, die zerstören kann. Auch Aufmerksamkeit kann eine Droge sein.

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