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Apples PR-Offensive gegen den Abwärtstrend

Es sind ungewohnte Monate für den erfolgsverwöhnten Konzern: An der Wall Street notiert Apple so tief wie seit einem Jahr nicht, Techmedien bescheinigen dem noch wertvollsten Konzern der Welt eine problematische Zukunft. Apple schlägt zwar nicht zurück, scheint nun aber doch zumindest die PR-Bemühungen zu intensivieren: Seit Jahresanfang kursierten mehr eigene Erfolgsmeldungen, Apple tritt zudem verstärkt an ausgewählte Journalisten heran. Der Erfolg der Krisenkommunikation scheint indes zweifelhaft.

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Es sind ungewohnte Monate für den erfolgsverwöhnten Konzern: An der Wall Street notiert Apple so tief wie seit einem Jahr nicht, Techmedien bescheinigen dem noch wertvollsten Konzern der Welt eine problematische Zukunft. Apple schlägt zwar nicht zurück, scheint nun aber doch zumindest die PR-Bemühungen zu intensivieren: Seit Jahresanfang kursierten mehr eigene Erfolgsmeldungen, Apple tritt zudem verstärkt an ausgewählte Journalisten heran. Der Erfolg der Krisenkommunikation scheint indes zweifelhaft.
Zwei Wochen ist der brutale Absturz her, der Apple – zumindest an der Börse – zu einem anderen Unternehmen gemacht hat. Quartalszahlen und Ausblick enttäuschten, die Apple-Aktie schmierte in den darauffolgenden Handelstagen in der Spitze um 80 Dollar ab, Apple büßte 75 Milliarden Dollar an Börsenwert ein.
Seitdem ist mehr aus Cupertino zu lesen. Gestern in der Mailbox: "iTunes Store setzt neuen Rekord mit 25 Milliarden verkauften Songs". Vergangene Woche versendet: "Apple erweitert iPad mit Retina Display auf 128GB". Tags zuvor: "Apple aktualisiert iOS auf 6.1".

Umdenken bei Apple: Gezielte PR-Maßnahmen an ausgewählte Journalisten

"Apple aktualisiert iOS auf 6.1"? Es war das erste Mal seit 2010, dass dem iPhone-Hersteller ein kleines Update seines mobilen Betriebssystems eine Pressemeldung wert war. "25 Milliarden verkaufte Songs im iTunes Store?" Nicht wirklich die ganz bahnbrechende Neuigkeit. Wochen zuvor hatte sich Apple bereits mit "40 Milliarden Downloads im App Store" gefeiert. Und Ende November versendete das Kultunternehmen aus Cupertino sogar eine Pressemitteilung zum Start von AC/DC in iTunes.

Das Vorgehen scheint ungewöhnlich bemüht für den wertvollsten Konzern der Welt. Doch das ist nur augenscheinliche Betrachtungsweise. Wie das Wall Street Journal gestern berichtete, hat Apples PR-Team damit begonnen, direkt an Journalisten gezielte, positive Berichte und Studienergebnisse zu versenden. Das WSJ spricht von fünf Fällen seit Jahresbeginn, darunter eine Studie, die belegen soll, dass Apple schon im nächsten Jahr im Business-Bereich ähnlich relevant sein soll wie Microsoft. Business Insider-Chefredakteur Henry Blodget gehört unterdessen nicht zu den ausgewählten Journalisten – worüber sich Blodget öffentlich beschwert.

Tim Cook zuletzt mit Kommunikationsproblemen

Für Apple ist das offensivere Vorgehen eine ziemlich ungewöhnliche Maßnahme. Der iPhone-Hersteller gilt seit jeher als notorisch verschwiegen und unwillig, Gerüchte zu kommentieren, was ihn in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zum dankbarsten Opfer für Gerüchte gemacht hat. Das Wall Street Journal spielte dabei selbst jüngst eine sehr unglückliche Rolle, als Gerüchte über mögliche Kürzungen von Komponentenbestellungen exklusiv verbreitet wurden.

Vor allem jedoch wurde in der vergangenen Monaten offenbar, dass Apple von der Führung her ein Kommunikationsproblem hat. CEO Tim Cook wirkte zuletzt überfordert mit der überbordenden Kritik und machte auch in der Telefonkonferenz bei den jüngsten Quartalszahlen keine gute Figur

Steve Jobs’ Kommunikationsfähigkeiten werden schmerzlich vermisst

An dieser Stelle wird der größte Unterschied zur Ära von Steve Jobs erkennbar: Wenn dem charismatischen Apple-Gründer eine Story nicht passte, griff er persönlich zum Telefonhörer und stellte den Redakteur zur Rede oder verhinderte sogar die Veröffentlichung. Zu den wichtigen Meinungsmachern der Techpresse pflegte Jobs ausgiebig den persönlichen Kontakt.

Ob sein in der Öffentlichkeit oft hölzern wirkender Nachfolger ähnlich kommunikative Fähigkeiten besitzt, erscheint aktuell höchst fraglich. Hektisch vom Presseteam losgetretene Eigen-PR jedenfalls macht die gegenwärtige Wahrnehmung nicht besser. 

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