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Prinovis: Bertelsmann im Tiefdruck-Tal

Zu den Highlights der Bertelsmann-Geschäftsberichte zählt das Tiefdruckgeschäft schon lange nicht mehr. Nun ist klar: Der Prinovis-Standort Itzehoe wird in der zweiten Jahreshälfte 2014 dicht gemacht. Rund 1000 Mitarbeiter werden vermutlich entlassen. Das Unternehmen bestätigte entsprechende Vorabmeldungen am Mittwoch nachmittag. Prinovis-Chef Bertram Stausberg begründet den Schritt mit einem Defizit in Millionenhöhe. Der Druckmarkt befinde sich im "Abschmelzprozess".

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Itzehoe soll demnach von allen Prinovis-Standorten die schlechteste Auslastung haben. Neben Itzehoe druckt Prinovis in Ahrensburg, Dresden, Nürnberg und Liverpool. Der nach eigenen Angaben größte Tiefdruckkonzern Europas wurde 2005 durch den Zusammenschluss von Druckereien der Axel Springer AG und Gruner + Jahr gebildet. Die Gesellschafteranteile verschoben sich über die Jahre, heute hält Bertelsmann direkt 74,9 Prozent der Anteile. Im vergangenen Jahr wurden die Druckereien aus der Bertelsmann-Tochter Arvato herausgelöst und in einer eigenen Geschäftseinheit zusammengefasst – Be Printers. 
Über Unterauslastung klagt der Konzern schon lange. Weil Itzehoe angeblich die schlechteste Ausgangslage und Perspektive haben soll und entsprechend Millionenverluste schreibe, muss nun dieser Standort geschlossen werden – zu hoch die Stückkosten, zu aussichtslos ein "Weiter so". Die Tiefdruck-Branche muss schon seit Jahren den Niedergang verwalten. Es sei seit Jahren "mehr Maschinenkapazität als Nachfrage auf Kundenseite" zu verzeichnen, heißt es auf Unternehmensseite. Verdi-Mann Martin Dieckmann sagte gegenüber dem NDR, alle Versuche, die Produktion zu verlängern, seien abgewiesen worden. Bis zum Jahresende werde Prinovis den Mitarbeitern eine Beschäftigungsgarantie geben.

2008 schlossen die Prinovis-Partner bereits den Standort Darmstadt. 2009 wurde für 1.300 der insgesamt ca. 3.800 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. In Itzehoe werden u.a. Magazine wie Spiegel und Stern gedruckt. Bereits die Gründung von Prinovis war aus der Einsicht geboren, dass nur eine schnelle Konzentration der Kräfte größere Verwerfungen abwehren konnte. Während die Papierpreise steigen, hat sich die Preisschraube längst weiter nach unten gedreht. Die Umsatzrenditen liegen seit Jahren im einstelligen Prozentbereich.

2011 kamen die Tiefdruckereien sowie die internationalen Druckereien von Bertelsmann, die bisher Arvato zugeordnet waren, auf einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro (Pro-forma-Basis), 2010 lag der Umsatz nach dieser Rechnung noch bei 1,3 Milliarden. Das Operating EBIT sank in diesem Zeitraum von 89 auf 72 Millionen Euro. Durch die Schließung sollen Fixkosten in Höhe von 20 Millionen Euro gespart werden. Gleichzeitig fallen freilich Restrukturierungskosten in Höhe eines "mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrags" an.

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