Medien sehen „Schavan im Titelkampf“

Die Uni Düsseldorf hat Annette Schavan den Doktorgrad entzogen. Jetzt wird in den Medien heftig diskutiert, was das politisch für die Ministerin bedeutet und ob das Verfahren überhaupt fair war. Nach Meinung der meisten muss Schavan wohl ihren Kabinettsjob aufgeben. Bei Zeit Online fordert Ruben Karschnick: "Bloß nicht zurücktreten!" Sie hätte doch nur ein paar Anführungszeichen ausgelassen. Zudem rückt nun auch die umstrittene politische Leistung Schavans in den Vordergrund der Debatte.

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Es war die Runde der Abschreiber." Weiter rechnet Roland Preuß in der SZ vor: "Mit Guttenberg und Schavan kommt die Regierung auf eine Plagiatorenquote von 12,5 Prozent. Das ist fast so viel wie der Anteil der fehlerhaften Seiten in Schavans Doktorarbeit."

Den besten Aufmacher zum Thema liefert heute die Welt kompakt

Rainer Pörtner, Stuttgarter Zeitung. "Als Bundesministerin für Bildung und Forschung verkörpert Annette Schavan persönlich, stärker als jeder andere die Qualität und Lauterkeit der deutschen Wissenschaft. Wie soll sie von nun an noch glaubwürdig über akademische Exzellenz, über wissenschaftliche Qualität sprechen können? Gewiss, die politisch-moralischen Maßstäbe sind im Fall Schavan besonders streng."

Philipp Wittrock, Spiegel Online:"Manch führender Christdemokrat tröstet sich mit dem Gedanken, dass Schavan ohnehin meist Politik unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit macht. Mit anderen Worten: Selbst ein später Rücktritt würde mit Blick auf die Wahl kein größeres Risiko für die Kanzlerin bergen, so das Kalkül. Dennoch bleibt ein dickes Fragezeichen. Dann aber muss sich Schavan wohl selbst überlegen, ob sie gerade jetzt, in entscheidenden Monaten, eine Belastung für die CDU und die Koalition sein will."

Harry Nutt meint in der Frankfurter Rundschau, dass die Rolle der Düsseldorfer Wissenschaftler in den kommenden Tagen noch Gegenstand der politischen Diskussionen werden. "Dass sie jedoch nach über 30 Jahren einer Neubewertung mit massiven Folgen für die Karriere von Annette Schavan unterzogen wird, ist zumindest fragwürdig. Ginge es hier um Strafrecht, die Vergehen wären längst verjährt."

Ruben Karschnick kommentiert bei Zeit Online: "Doch Schavan hat keine Straftat begangen. Sie hat ein paar Anführungszeichen ausgelassen, im schlimmsten Fall mit Absicht, um ihre Arbeit ein bisschen besser erscheinen zu lassen." Bei Karl-Theodor zu Guttenberg hätte der Fall anders gelegen. "Der ehemalige Verteidigungsminister hat sich vor das Parlament gestellt und gelogen. Ihm konnte nachgewiesen werden, dass mehr als 90 Prozent seiner Doktorarbeit geklaut war".  Karschnick schreibt aber auch: "Es gibt einen viel besseren Grund, warum die CDU-Politikerin als Wissenschaftsministerin abtreten sollte: Ihre politische Arbeit."

In der FAZ merkt Heike Schmoll an: "Die Frage ist nur, wie vielen anderen auch der Doktorgrad aberkannt werden müsste, wenn ihre Dissertation überprüft würde. Darin liegt die Ungerechtigkeit der Plagiatsprüfung in den Dissertationen von Politikern."

In der Welt hält Torsten Krauel  die Aberkennung für „rechtsstaatlich nicht in Ordnung. Es ist unverhältnismäßig. Auch wenn der Doktorgrad nur verliehen statt auf immer übereignet wird, so gilt doch auch, dass eine Aberkennung nach dermaßen langer Zeit wirklich schwerwiegende Gründe haben muss. Eine anonyme Anschuldigung im Internet, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann, ist kein solcher Grund. Die angemessene Verhältnismäßigkeit im Urteil gehört zu einem willkürfreien Rechtsstaat.“

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