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Mit Zote & Quote im Sexismus-Dschungel

Tag 10 der Sexismus-Debatte - ein Ende ist nicht in Sicht. Im ZDF widmeten sich “Maybrit Illner” und (zum dritten mal in Folge) “Markus Lanz” dem derzeit beherrschenden Thema. Illner hatte u.a. Wolfgang Kubicki und Kachelmann-Anwalt Ralf Höcker Gast. Markus Lanz perfektionierte u.a. mit stern-Chefredakteur Andreas Petzold, der “Anti-Feministin” Birgit Kelle und Christine Kaufmann das Themen-Doppel Sexismus/Dschungelcamp und perfektionierte den Drahtseilakt zwischen Zote und Quote.

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Die Lanz-Sendung vom Donnerstag erreichte mit einem Marktanteil von 18 Prozent bei 2,2 Mio. Zuschauern einen Spitzenwert. Bedenkenträger dürfen mit dem Kopf wackeln. Denn die immer noch heißlaufende Sexismus-Debatte zeigt auch, wie Medien und TV-Talkshows heute in einer Art Dauer-Erregungsschleife gefangen sind. Am deutlichsten lässt sich das an der Talkshow von Markus Lanz ablesen. Der hat diese Woche konsequent auf Dschungelcamp-Nachbearbeitung und Sexismus-Debatte gesetzt – und mit diesem Boulevard-Stil damit letztlich gewonnen.

Am Dienstag lieferte die Schauspielerin Katrin Sass bei “Markus Lanz” mit ihrem Ausraster gegenüber Ex-Dschungelkönig Peer Kusmagk reichlich Gesprächsstoff für die Bild. Gleichzeitig lästerte der ebenfalls am Montag geladene Spiegel-Autor Matthias Matussek kräftig über das angeblich mangelnde journalistische Handwerk beim stern in Sachen Herrenwitz-Artikel. Am Donnerstag hätte erschien dann stern-Chefredakteur Andreas Petzold bei Lanz. Der machte in der Debatte aber eine schwache Figur. Petzold verhaspelte sich, sprach mehrfach von “Frau Brüderle” wenn er Frau Himmelreich meinte, bezeichnete Brüderle als Bundesminister, stellte sich auf den Standpunkt, dass der stern in den vergangenen Jahren nur wenige nackte Frauen auf dem Titel hatte und behauptete dann auch noch ernsthaft, dass die Online-Überschrift des stern – “Der spitze Kandidat” – eine “Ecke zuviel” gewesen sei. Die habe man “wieder runtergenommen”, weil die Bezeichnung “spitz” ein “Dreh zu weit” gewesen sei. Die Überschrift “Der spitze Kandidat” ist aber nach wie vor bei stern.de online. Die Redaktion hatte lediglich Abschnitte, in denen die Ehefrau von Rainer Brüderle ins Spiel brachte, entfernt. Kennt der Mann sein eigenes Angebot nicht?

Für “Markus Lanz” sind Ausraster und Blackouts Gold wert. Die Redaktion dort hat es mittlerweile perfektioniert, eine Gästezusammenstellung hinzubekommen, die möglichst dämliche Aussagen zu egal welchem Thema produziert. Idealerweise braucht man dafür einen schmerzfreien Politiker, einen Komiker oder Kabarettisten, ein Journalisten, einen Musiker und/oder Schauspieler – fertig ist die Talk-Laube. Mit dem Politiker oder Journalisten kann Lanz dann ernst tun. Die Schauspieler/Musiker/Komiker sorgen für den einen oder anderen Spruch und Auflockerung. In dieser Woche äußerten sich Leute wie Karl Dall, die Kabarettisten Ole Lehmann, Florian Schroeder und Werner Schneyder, die Schauspielerin Christine Kaufmann, das Model Franziska Knuppe, Schlagersänger GG Anderson, Schauspielerin Katrin Sass, Ex-Dschungelkönig Peer Kusmagk und Heino bei “Markus Lanz” zur Sexismus-Debatte. Wahrlich eine bunte Truppe. Wenn dann eine Frau Sass die Furie vom Dienst gibt oder Heino wie auf Knopfdruck ebenso frauenfeindliche wie wirre Schoten vom Stapel lässt (“Ich kenne die Dame, die sich über ihren Busen beschwert hat, gar nicht. Vielleicht lohnt es sich auch gar nicht, darüber zu reden.”) sorgt das für Bierzelt-Stimmung im Studio. Markus Lanz hat es in dieser Woche geschafft Dschungel und Sexismus sowie Zote und Quote konsequent zusammenzubringen. Soll man ihm dafür gratulieren? Schwer zu sagen.

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