Bodensee-Tatort: Spannung statt Klamauk

"Endlich wieder ein normaler Krimi", werden viele Tatort-Zuschauer am Sonntag sagen. Der neue Streifen aus dem Haus des SWR bietet nämlich eine grundsolide und ernst gemeinte Kriminal-Geschichte und stellt damit einen Kontrast zu den zuletzt häufig schrillen Kommissaren und Fällen da. Statt Klamauk gibt es diesmal bedrückende Spannung und tief gezeichnete Charaktere. Allen voran Sylvester Groth besticht in seiner Rolle als gebrochener Mann und Lokalreporter.

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Der neue Bodensee-Tatort "Die schöne Mona ist tot" beginnt in einer Gaststätte. Es wird gefeiert. Unter den Gästen ist auch Mona (Silke Bodenbender). Kurz bevor sie aufbricht, fordert sie erfolglos von Fritz Schönborn (Ronald Zehrfeld) Geld zurück, das sie ihm gegeben habe. Auf der Rückfahrt wird das Auto der Frau von einem größeren Wagen von der Straße abgedrängt. Tags drauf kommt Monas Mann Christian (Sylvester Groth) zur Polizistin Klara Blum (Eva Mattes) und meldet seine Frau als vermisst. Kurz danach finden die Ermittler ihren Wagen – nur die Leiche ist nicht aufzufinden. Hätte sie den Mörder verraten?
Motive und damit Verdächtige gibt es viele: Hatte Mona eine Affäre mit Fritz? Ein Immobilien-Deal aus der Vergangenheit könnte eine Rolle bei dem Verschwinden der Frau spielen. Und: Wurde der Tatwagen wirklich geklaut oder verbirgt der Halter, gleichzeitig der Besitzer der Gaststätte, etwas? Und welche Rolle spielt Stefan Mader, der Bruder der Toten? Klara Blum und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) begeben sich auf die Suche.
Der Konstanzer Tatort ist ein Krimi in Reinform. Es gibt keine Comedy-Elemente, keine Nebenhandlungen im Privatleben der Ermittler. Im Fokus stehen allein der Fall und die komplizierten Verquickungen in Verwandtschaft und Freundeskreis des Opfers. Humor blitzt nur gelegentlich auf, etwa wenn Blum fragt: "Was machen die Taucher?" und Perlmann antwortet: "Tauchen!"
Eine solche Konzentration auf die Aufklärung des Verbrechens funktioniert nur, wenn es einen guten Plot gibt. Das ist Dank des Drehbuchs von Wolfgang Stauch bei "Die schöne Mona ist tot" der Fall. Bis zum Ende ist Spannung garantiert, die Handlung nimmt mehrere unerwartete Wendungen und der Zuschauer kann miträtseln.
Getragen wird die Handlung auch durch die durchgängig gute schauspielerische Leistung. Sylvester Groth ragt im Ensemble aber heraus. Er spielt den Ehemann des Opfers, einen vom Leben gezeichneten Lokaljournalisten, der mit der Gegend, in der er lebt und ihren Bewohnern nur wenig anfangen kann.
"Die schöne Mona ist tot" ist ein Film, der den Zuschauer bis zur letzten Minute packt und vielleicht sogar für einige Zeit darüber hinaus. Dabei kommt der Film ohne schrille Charaktere, Comedy oder wilde Verfolgungsjagten aus. Tatort-Zuschauer der alten Schule wird es freuen.

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