„An der Brigitte-DNA gibt es nichts zu rütteln“

Relaunch auf Raten: Bereits seit Heft 01/2013 erscheint die Frauenzeitschrift Brigitte in einer optisch wie konzeptuell überarbeiteten Version, doch erst gestern stellte die Chefredaktion um Brigitte Huber und Stephan Schäfer das Ergebnis den Medienjournalisten vor. Der Grund: Die Magazinmacher wollten warten, bis die Neuerungen im Blatt "rund" erscheinen. Zudem käme dem Verlag ein großes Bohei um eine Hefterneuerung kaum gelegen, war die Brigitte doch gerade erst relauncht worden.

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Das war im Sommer vergangenen Jahres und praktisch unmittelbar, bevor der langjährige Chefredakteur Andreas Lebert seinen Platz räumen musste. Sein Amt als Co-Chef neben Brigitte Huber übernahm Stephan Schäfer, der im Hause Gruner + Jahr schon einige Titel (Essen & Trinken, Schöner Wohnen, Häuser) auf die Erfolgsspur zurück geholt hat. Unter Schäfer wurde die Redaktion umgebaut, die Chefredaktion erweitert und – ja – auch eine Reihe von Mitarbeitern entlassen. Dennoch stellte Schäfer gestern mit Blick auf die verbleibende Personaldecke klar: "Brigitte ist immer noch die bestbesetzte Frauenzeitschrift der Welt."

Neu: der Einstieg
Schäfers Credo bei der Blattgestaltung ist bestechend einfach: "Eine Frauenzeitschrift muss den Leserinnen gefallen." Das mag manchem banal erscheinen, ist aber Teil der unsichtbaren Formel, die über den Erfolg auf dem übersatten Markt entscheidet. Das Maßnahmenpaket, dass er und seine Kolleginnen in der Chefredaktion nach monatelanger Vorarbeit schließlich verabschiedeten, greift an zwei Fronten an: einerseits an der der journalistischen Relevanz, zum anderen an der des Nutzwerts.
Allen Bestrebungen gemein ist es, mehr Tiefgang und Service zu bieten, ohne die Eleganz zu vernachlässigen – und natürlich die "Grund-DNA", wie Huber sagt, "an der es bei Brigitte nichts zu rütteln gibt". Auch Schäfer bekennt: "Wir sind und bleiben eine klassische Frauenzeitschrift, eine Star-Style-Berichterstattung passt nicht zu uns." Dass dies gegenwärtig kein Nachteil sei, erklärt der Chefredakteur mit den "großen gesellschaftlichen Frauenthemen", die gerade Konjunktur hätten: "Wir erleben die Stunde der Frauen." Und genau da, sagt Huber, liege auch die Zukunftschance der Brigitte: "Wir sind das Medium, das die erwachsene Frau am besten anspricht."

Das neue Cover
Die Änderungen, die beim Pressetermin via Overhead-Projektion aber auch bereits am Kiosk zu sehen sind, tun dem Magazin gut: Die gezeigten Cover sind hell und freundlich, die Themen-Teaser griffig, abwechslungsreich und "sehr brigittig", wie Blattmacherin Huber es formuliert. Das neu verordnete Optikpaket wirkt professionell und hochwertig, der früher sperrige Hefteinstieg ist einem aufgefrischtem Magazinteil mit einem bunteren Mix aus verschiedenen Ressorts gewichen. Schäfer-typisch ist das unverkrampfte Verhältnis zu Produkten und Kaufbarem, das hier aber deshalb gut funktioniert, weil dies nicht Flachsinn signalisiert, sondern die schweren Themen und textlastige Elemente wie das Dossier noch akzentuiert. Gut geraten ist auch die neue Editorial-Lösung: In Analogie zum Kolumnen-Klassiker des ehemaligen Milchstrassen-Titels Amica schreiben hier Schäfer und Huber nun gemeinsam unter "Er sagt – Sie sagt".

Auch die Mode-Strecken wurden optimiert
Eher am Rande kam das Thema zur Sprache, mit dem die Brigitte-Macher vor drei Jahren eine Revolution loszutreten gedachten: die starre No-Model-Policy, die nach dem Abgang von Andreas Lebert wieder aufgegeben wurde. Fast ein wenig trotzig erklärt Brigitte Huber, die Entscheidung "Ohne Models sei damals der richtige Schritt" gewesen, was – laut Chefredakteurin – übrigens genauso für die Abkehr von der Regel gelte. Schäfer sieht das offenbar pragmatischer: "Wir waren bei der Rücknahme der Entscheidung mit Heft Nr. 17 auf einen Shitstorm vorbereitet, aber es gab bei den Lesern kaum eine Reaktion darauf." Den Shitstorm bekam die Chefredaktion dann übrigens doch – aber nicht wegen der Models, sondern weil im selben Heft ein großes Interview mit Bettina Wulff zu lesen war. Das, so wurden die Blattmacher belehrt, war eben nicht brigittig…
Mit den jüngsten Veränderungen und Verbesserungen, so ist die Chefredaktion überzeugt, kann Brigitte den teils rapiden Auflagenverfall abbremsen, der die Zeitschrift in den vergangenen fünf Jahren insgesamt Verluste von 33 Prozent im Einzelverkauf und 40 Prozent bei den Abonnenten eintrug.

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