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Jochen Wegner wird Chef von Zeit Online

Jochen Wegner, 43, übernimmt am 15. März die Chefredaktion von Zeit Online. Er wird Nachfolger von Wolfgang Blau, der zum Guardian nach London wechselt. Wegner gehört zu den bekanntesten deutschen Online-Journalisten – zwischen 2006 und 2010 war er Chefredakteur von Focus Online. Ältere Web-Nutzer kennen ihn auch als Gründer der Journalistenplattform Jonet. In den vergangenen zwei Jahren gründete Wegner ein Startup und war als Berater für Medienunternehmen unterwegs.

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Der studierte Physiker und Philosoph ist eine gute Besetzung für Zeit Online, weil er inhaltliche Kompetenz mitbringt, die zur Positionierung des Portals passt, wie auch technologisches und strategisches Knowhow. Bei Focus Online war Wegner ab 2009 zusätzlich Geschäftsführer der Tomorrow Focus Media und für Innovatives zuständig. Er entwickelte mit seinem Team u.a. den News-Aggregator Nachrichten.de, der eine verlegerische Antwort auf Google News werden sollte, den die ToFo aber zwischenzeitlich verkauft hat.   
2010 stieg Wegner aus dem operativen Digitaljournalismus aus, um mit Marco Börries (u.a, Gründer von StarOffice) das Startup mag10 zu gründen. Die Idee war bestechend einfach: Die Firma entwickelte eine Software, die mit einfacher Nutzerführung aus verschiedenen Inhalten fertige Tablet-Magazine erstellen kann. Was beispielsweise WordPress für Blogs ist, sollte das mag10-Produkt für Tablet-Magazine werden. Am Ende legten die beiden Gründer das Projekt allerdings auf Eis, weil sie in der zweiten Finanzierungsrunde nicht so viel Kapital einsammeln konnten, wie sie erhofft hatten. Wegner stieg daraufhin in das Beratungsgeschäft ein – und arbeitet seither als Digital-Consultant für namhafte Medienunternehmen.
Nun also die Rückkehr in den Online-Journalismus. Zeit Online ist laut Agof-Ranking vom November 2012 mit knapp fünf Millionen Unique Usern im Monat das derzeit siebtgrößte news-getriebene Angebot im Netz. Unter der Ägide von Wolfgang Blau wurde Zeit Online personell ausgebaut und erwarb sich als Treiber von inhaltlichen Diskussionen und mit einer sehr offenen Haltung gegenüber technischen Innovationen einen sehr guten Ruf in der Branche. Wegner ist in der günstigen Position, das Ruder bei Zeit Online nicht herumreißen zu müssen. Er kann den bereits eingeschlagenen Weg fortführen und gleichzeitig neue Akzente setzen bzw. alte verstärken. Von den Zeit-Gesellschaftern Holtzbrinck heißt es, sie befürworten ausdrücklich einen Expansionskurs ihrer digitalen Medien.
Eine von Wegners Aufgaben wird vermutlich auch sein, die in den vergangenen Jahren schon deutlich schwächer ausgeprägten Antagonismen zwischen Print und Online bei der Zeit gänzlich aufzulösen. Am Donnerstag nachmittag verkündete Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser die Top-Personalie bei einer Mitarbeiterversammlung in Berlin. Die Online-Zentrale der Zeit ist in Berlin angesiedelt und damit zumindest in der physischen Welt ein stückweit vom Zeit-Stammhaus in Hamburg entfernt. Wegner selbst lobt in einer Pressemitteilung, Zeit Online habe in den vergangenen Jahren "neue Standards im Online-Journalismus gesetzt". Rainer Esser preist seinerseits Wegner als "einen der großen Köpfe der deutschen Online-Medien" und "tollen Journalisten".
Bevor Wegner Focus Online übernahm, war er u.a. Leiter des Ressorts "Forschung und Technik" beim Focus. Bereits 1994, nur wenige Jahre nach der "Erfindung" des World Wide Web, gründete Wegner das Journalistennetzwerk Jonet, das bis heute existiert.

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