FAZ will Frankfurter Rundschau kaufen

Was bisher nur inoffiziell vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH will das Verlagsgeschäft der insolventen Frankfurter Rundschau kaufen. Ein Antrag auf eine Übernahme wurde beim Bundeskartellamt in Bonn gestellt. Voraussetzung für die Übernahme ist, dass es keinen anderen "ernsthaften alternativen Erwerber" gibt. Wenn das so sein sollte, darf die FAZ die Rundschau im Rahmen einer "Sanierungsfusion" kaufen. Kartellamts-Chef Andreas Mundt lässt den Antrag prüfen.

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Insolvenzverwalter Frank Schmitt, der den Verkaufsprozess leitet, hatte am Mittwoch bereits von zwei verbliebenen Interessenten gesprochen. Namentlich bestätigt hatte er nur das Interesse des türkischen Medienunternehmens Estetik Yayincilik, das sowohl Verlags- wie Druckgeschäft der Rundschau weiter führen wolle. Doch bisher fehlten bei dem Angebot noch wichtige Informationen. Im Falle der Übernahme durch einen deutschen Kaufinteressenten würden vermutlich nur rund 30 der 450 Arbeitsplätze garantiert, sagte Schmitt bei einer Betriebsversammlung. Mit diesem Interessenten war offensichtlich die FAZ gemeint.

Gleichzeitig sagte Schmitt, der Bieter wolle die FR "in gewohntem Umfang" weiterführen, "nicht als Lokalblatt". Wie das mit einem Bruchteil der Angestellten möglich sein soll, wird sich zeigen. Denkbar ist, dass die FAZ die Produktion des Mantels bei DuMonts Berliner Zeitung in Auftrag gibt, die bisher redaktionell eng mit der Frankfurter Rundschau verbunden ist. 
Das Kartellamt muss nun eruieren, wie ernsthaft das alternative Übernahmeangebot des Mitbewerbers Burak Akbay ist. Sollte sich herausstellen, dass dieser ein valides Konzept vorgelegt hat und sowohl Verlag wie die vollständig vom Aus bedrohte Druckerei weiterführen will, bekäme dieser vermutlich den Zuschlag. Doch Schmitt hatte am Mittwoch durchblicken lassen, dass das Angebot bisher nicht ausreicht, um darauf einzugehen. Akbay müsse nachbessern. Auch der Gläubigerausschuss der FR hatte mehr Sicherheiten von Akbay gefordert. In dieser Form sei das Angebot "nicht tragfähig".
Nun geht die FAZ einen Schritt weiter. Kartellamts-Chef Mundt sagt aber auch: "Die Prüfungsfrist für dieses Verfahren ist wegen des verbleibenden knappen Zeitraums, in dem die Finanzierung der Frankfurter Rundschau noch gesichert ist, stark verkürzt. Die bisher informell oder aus anderen Verfahren gesammelten Erkenntnisse lassen aber eine abschließende Bewertung des Vorhabens durch das Bundeskartellamt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu."
Die FAZ GmbH will das Verlagsgeschäft offenbar gemeinsam mit der Frankfurter Societäts-Druckerei übernehmen, einer Tochter der FAZ-Schwester FS-Medien, bei der die Regionalzeitung Frankfurter Neue Presse erscheint. Für das Druck- und Verlagshaus der FR in Neu-Isenburg bietet die FAZ ausdrücklich nicht, denn zumindest ein Teil der Druckaufträge, u.a. von der Axel Springer AG, wandert ohnehin zur FAZ-Druckerei. Bei der Zeitung verhält es sich vermutlich anders: Politisch eher im sozialdemokratischen Lager verankerte FR-Abonnenten werden kaum auf die konservative FAZ umsteigen.

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