Die Top 20 der deutschen Nachrichtenmedien

Die AGOF hat am Donnerstag neben den Monats- und Wochen-Reichweiten erstmals auch Nutzerzahlen für durchschnittliche Tage veröffentlicht. Damit lassen sich die Daten der Online-Angebote nun viel besser mit denen von TV-Sendungen und Tageszeitungen vergleichen. MEEDIA hat das getan und kommt auf erstaunliche Ergebnisse. So haben die Leitmedien des früheren Bundeskanzlers Schröder, Bild und Glotze, auch heute noch einen gigantischen Vorsprung vor den führenden Online-News-Angeboten.

Anzeige

11,93 Mio. Unique User erreichte Bild.de im November 2012, 11,13 Mio. waren es bei Spiegel Online. Gigantische Zahlen, die bisher so aussahen, als befänden sich die großen Online-Nachrichtenmedien schon auf Augenhöhe mit Klassikern wie der Bild-Zeitung oder der "Tagesschau". Die für den November erstmals veröffentlichten AGOF-Zahlen des durchschnittlichen Tages sorgen nun aber für einige Ernüchterung. So bleiben von den mehr als 11 Mio. Nutzern nur 2,43 Mio. und 1,95 Mio. übrig, die Bild.de und SpOn pro Tag besuchen.

Von der Augenhöhe ist damit nichts mehr zu spüren. Denn: Die Bild kommt laut aktueller media analyse 2012 auf 12,30 Mio. Leser pro Ausgabe, die 20-Uhr-"Tagesschau" sahen im November durchschnittlich 9,06 Mio. Leute. Auch andere Nachrichtensendungen wie die 19-Uhr-"heute"-Ausgabe, "RTL aktuell", das "heute-journal" und die "Tagesthemen" verfügen über mehr Publikum als Bild.de an einem kompletten Tag. Und: Die Zuschauerzahlen der TV-Sendungen sind Durchschnittszahlen. Sprich: 9,06 Mio. Menschen haben die "Tagesschau" im Durchschnitt über die kompletten 15 Minuten gesehen. Bei den Online-Reichweiten reicht es theoretisch, wenn jemand über Google auf einer Website landet, dort aber gar nicht findet, was er gesucht hat und nach wenigen Sekunden wieder weg ist – er wird dennoch als Unique User gezählt.

Interessant ist auch der Vergleich der Reichweiten von Online- und Printmedien. So verfügt die Süddeutsche Zeitung auf Papier beispielsweise über 1,48 Mio. Leser pro Ausgabe, online kommt Süddeutsche.de nur auf 600.000 Unique User pro Tag. Auch die anderen großen überregionalen Blätter sind auf Papier weiterhin erfolgreicher als online: die F.A.Z. mit 940.000 (Papier) zu 360.000 (online), Die Welt mit 860.000 (Papier) zu 770.000 (online) und das Handelsblatt mit 480.000 (Papier) zu 220.000 (online). Von den 12,30 Mio. Print-Bild-Lesern und den 2,43 Mio. Bild.de-Lesern ganz zu schweigen.

Natürlich ist der direkte Vergleich dieser Zahlen an der einen oder anderen Stelle etwas hakelig. Zum einen vergleichen wir TV-Quoten und AGOF-Zahlen aus dem November 2012 mit Print-Zahlen aus dem Sommer 2012, da neuere noch nicht vorliegen. Zudem errechnen Print-ma und AGOF deutschsprachige Nutzer innerhalb der Bundesrepublik im Alter ab 14 Jahren, die TV-Quoten werden nur für Deutsche und EU-Ausländer innerhalb der Bundesrepublik ausgewiesen, uns liegen außerdem nur die Gesamtzahlen der Über-3-Jährigen vor. Allerdings: Aufgrund der oben beschrieben Messung von Durchschnittszahlen der Sendungen sind die TV-Daten im Vergleich zu Print und Online noch höher einzuschätzen.

Der Vergleich zeigt also: Trotz andauerndem Online-Hype bleiben die Top-Nachrichtenmedien der Deutschen weiterhin Bild und "Tagesschau". Die Entwicklung der vergangenen Monate/Jahre mit allenfalls noch langsam steigenden Online-Reichweitenzahlen zeigt zudem, dass es noch viele Jahre dauern dürfte, bis die führenden Internet-Medien auf das Niveau der Top-TV-Nachrichten kommen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige