Job-Studie: Schönheit schadet der Karriere

Wie gehen Männer und Frauen im Beruf miteinander um? Darum dreht sich momentan die Sexismus-Debatte, die eine stern-Reportage über einen flirtenden Rainer Brüderle wieder angestoßen hat. Für viele Frauen fängt das Thema Sexismus allerdings schon bei der Einstellung an. Werden gut aussehende Frauen bevorzugt bei der Mitarbeiterauswahl? Eine Studie behauptet das Gegenteil: Wer hübsch ist, hat es als Frau schwerer, eine Anstellung zu finden. Ganz im Gegensatz zum männlichen Geschlecht.

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Eine attraktive Frau hat im Berufsleben Vorteile, so ein gängiges Vorurteil. Währenddessen berufen sich Personalabteilungen auf Neutralität, was die Geschlechterfrage angeht. Was stimmt denn nun? Dieser Frage ging der Universitätsprofessor Bradley Ruffle nach und verschickte fiktive Bewerbungen auf rund 2500 Stellenanzeigen – je zwei pro Inserat. Der einen Bewerbung lag ein Bild von einer Frau bzw. einen Mann bei, die Befragte zuvor als attraktiv oder durchschnittlich gut aussehend bewertet hatten, der anderen Bewerbung lag kein Bild bei.

Das Ergebnis: Während attraktive Männer durchschnittlich doppelt so viele Zusagen für ein Bewerbungsgespräch bekamen wie diejenigen, die man zuvor als durchschnittlich gutaussehend eingestuft hatte, verhielt es sich bei den Frauen anders. Hier erhielten jene Kandidatinnen mehr Zusagen, die entweder als weniger attraktiv eingestuft worden waren oder kein Bild mitgeschickt hatten. Führten bei der einen Gruppe sieben Bewerbungsschreiben zum Erfolg, waren es bei den attraktiven Frauen mindestens elf. Gilt also immer noch "Blond und hübsch = dumm"? Zumindest für seine Studie konnte Ruffle das ausschließen. So wurden Bilder attraktiver Frauen in der Befragung vorab auch mit dem Attribut "intelligent" belegt.

Der Ökonom an der israelischen Ben-Gurion-Universität glaubt, die Erklärung dafür in den Personalabteilungen gefunden zu haben. 93 Prozent der Personaler, die für die während der Studie versandten Bewerbungen zuständig gewesen sind, waren weiblich. Für Ruffle steht fest: Es ist die Eifersucht, wegen der Frauen keine attraktive Konkurrenz im eigenen Unternehmen haben wollen. Wohingegen attraktive Männer umso mehr einen Vorteil aus dem weiblichen Überschuss in den Personalbüros ziehen könnten.

Sollte eine attraktive Frau also künftig der Bewerbung ein Bild beilegen, das sie nicht gut aussehen lässt? Der Wissenschaftler rät davon ab. Vielmehr sollten sie auf ein Bild komplett verzichten. Tatsächlich liegt die anonyme Bewerbung im Trend. In Deutschland startete bereits 2010 ein Pilotprojekt, an dem neben dem Bundesfamilienminsterium auch die Deutsche Post und die Telekom teilnahmen. Die Beteiligten versprechen sich davon mehr Chancengleichheit. Dass ausgerechnet attraktive Frauen schon im Bewerbungsprozess diskriminiert werden, ist ein Umstand, mit dem sich viele Personalabteilungen wohl erst noch anfreunden müssen.

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