Ist das neue „Dallas“ so gut wie das Original?

Alles bleibt anders: Am Dienstag hat die Neuauflage von “Dallas” ein gelungenes Comeback mit Top-Quoten gefeiert. Die Kultserie der Achtziger scheint auch im Jahr 2013 ihren Reiz nicht verloren zu haben. Das mag zu großen Teilen an Larry Hagman liegen, der mit seiner Rolle als fieser Ölbaron J. R. Ewing den TV-Bösewicht überhaupt salonfähig machte. Was macht das neue “Dallas” anders? Und wird es dem Original gerecht? MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen zum "Dallas 2.0".

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Was ist neu beim neuen “Dallas”?
Für alle, die den Staffelstart verpasst haben: Larry Hagman spielt als J. R. Ewing auch in der Neuauflage mit. Allerdings gibt er den gealterten Familienbaron, der in einem Pflegeheim scheinbar nur noch auf seinen Tod wartet. Ins Leben zurück holt ihn lediglich die Gier nach Öl, auf das sein Sohn John Ross gestoßen ist. Nicht irgendwo, sondern auf der legendären “Southfork”-Ranch, dem Familiensitz der Ewings. Der junge Texaner will in die Fußstapfen seines Vaters treten, macht aber die Rechnung ohne den “Bad Guy”, der die Fäden auch im hohen Alter nicht aus der Hand geben will und wieder seine Intrigen spinnt.

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Die für “Dallas” typischen Familienfehden gibt es natürlich auch in der Neuauflage. So bekommt J. R.’s Sohn John einen gutmenschigen Gegenpart gestellt: Christopher, den Adoptivsohn von Bobby Ewing, J. R’s Bruder. Der will weg vom schmierigen Ölgeschäft und erforscht erneuerbare Energien, für dessen Finanzierung wiederum Bobby die legendäre “Southfork”-Ranch verkaufen will. Augenscheinlich hat sich viel verändert im “Dallas” der Nach-Nullerjahre, doch die Serie hält an ihrer alten Erfolgsformel fest. Dazu braucht es neben Hagman auch Teile der Originalbesetzung: Steve Kanaly als Ray Krebss, Charlene Tilton als Lucy Ewing und Ken Kercheval als Cliff Barnes haben Gastauftritte in der ersten Staffel.

Warum ist “Dallas” Kult?
Das Original war zu seiner Zeit ein Straßenfeger. Ganze 357 Folgen lang lief die CBS-Produktion und war damit stilprägend für die TV-Unterhaltung der Achtziger. Bei der 58. Folge mit dem Titel "Wer hat auf J. R. geschossen?" schalteten 53,3 Prozent aller US-Haushalte ein. Im Durchschnitt sahen rund 15 Millionen Menschen zu. Die Mutter aller TV-Seifenopern war bekannt für die vielen Verstrickungen rund um Macht, Korruption, Sex, Geld und Intrigen.

Linda Gray, die sich in der Rolle als Sue Ellen in der Neuauflage deutlich emanzipierter gibt, erklärt sich den Kult folgendermaßen: "Meiner Meinung nach liegt es daran, dass Menschen gerne den Reichen und Schönen dabei zusehen, wie sie scheitern im Leben. Und das ist genau das, was Dallas bedient."

Ist die Neuauflage auch so erfolgreich?
Das Finale der ersten Staffel verfolgten rund 4,3 Millionen Zuschauer. Kein Riesenerfolg, dennoch reicht es für einen Platz unter den vier meistgesehen Serien des TV-Sommers 2012. Für TNT war das Grund genug, eine zweite Staffel in Auftrag zu geben, die vor wenigen Tagen in den USA angelaufen ist. Der Serienstart war bei seiner RTL-Premiere ein voller Erfolg: 3,9 Millionen Zuschauer sahen den Auftakt am späten Dienstagabend bei RTL, darunter 1,97 Millionen 14- bis 49-Jährige. Die Marktanteile lagen bei sehr guten 20,2 Prozent und 25,4 Prozent.

Was passiert mit J. R.?
Larry Hagman verstarb im vergangenen November nach einem Krebsleiden. Die Produzenten können den ultimativen TV-Bösewicht aber nicht einfach so sterben lassen – in Staffel zwei wird der Öl-Tycoon J. R. Opfer eines mysteriösen Attentats. Da war doch was? Genau, schon im Original spannte CBS im März 1980 die Fernsehnation auf die Folter, als ein Unbekannter auf J. R. schoss, um das Rätsel erst nach der Sommerpause aufzulösen. Dieses Mal wird J. R. allerdings nicht mehr zurückkehren.

Was sagen die Kritiken?

Aus der Seifenoper im Video-Look der Achtziger ist eine Serie in High-Definition geworden. Wechselte man früher noch wild zwischen Studioaufnahmen und Außendrehs auf der “Southfork”-Ranch, ohne es mit identischen Frisuren und Kostümen allzu ernst zu nehmen, ist eine professionell produzierte Serie im Look von Erfolgsformaten wie “CSI” geworden. Ob Josh Henderson als John Ross Ewing III ein würdiger Nachfolger für Hagman sein kann, wird sich noch zeigen. Fans des Originals dürften zumindest nach dem Serientod von J. R. einen Grund weniger haben einzuschalten.

Carsten Heidböhmer von stern.de findet nur wenig Positives an der Neuauflage: "’Dallas‘ hat seine guten Zeiten gehabt, man hätte sie nicht exhumieren, sondern das Andenken in Ehren halten sollen. Es gibt einen einzigen Grund, dennoch einzuschalten: um Larry Hagman das letzte Mal in der Rolle seines Lebens zu sehen." "Die Klischees also sprudeln wie die neu entdeckte Ölquelle auf der Southfork Ranch, aber das war ja in der Original-Serie nicht anders”, schreibt das Handelsblatt. Die US-Presse berichtete gütig. "Angenehm", "frisch" und "solide" sei das neue "Dallas". Keine Frage: Bahnbrechend ist die Neuauflage nicht, gute Unterhaltung schafft sie allemal.

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