„Ein neuer Hype ist nicht in Sicht“

Die Casting-Welle scheint abzuebben. Die zehnte Staffel von "Popstars" wurde wegen schlechter Quoten vorzeitig beendet, die Anzahl der Live-Shows von "X-Faktor" aus dem gleichen Grund reduziert. Thomas Gottschalks Mitwirkung beim "Supertalent" brachte nicht den erhofften Erfolg. Auch das Zuschauerinteresse an Vorzeigeformaten wie DSDS oder GNTM hat deutlich abgenommen. Steht das Ende der Casting-Shows bevor? Ist der nächste große Hype in Sicht? MEEDIA hat deutsche TV-Manager dazu befragt.

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Tom Sänger Unterhaltungschef RTL: "In keinem anderen Markt der Welt gibt es so ein Überangebot an Castingshows wie in Deutschland, nirgends wird sich mehr kannibalisiert. Klar ist, dass nicht alle überleben werden. Mit aktuell 23,5 Prozent Durchschnitts-Marktanteil in der zehnten  Staffel spielt DSDS immer noch in der ersten Liga ganz oben mit. Das Genre ‚Casting‘, das gerade bei RTL vor zehn Jahren einen echten Boom auslöste wird auch künftig – in neuen Formen – eine Rolle spielen – vielleicht nicht mehr eine so dominante, was zum Beispiel die Anzahl der Sendungen und Länge der Staffeln angeht . Derzeit ist jedoch auch international kein großer neuer Showtrend, kein neuer Hype in Sicht. Events und Eventprogrammierungen laufen fantastisch, langlaufende, etablierte Showreihen haben es schwerer. Wir entwickeln derzeit zahlreiche Konzepte, pilotieren und bringen alleine im Februar/März drei neue Showformate on air. An Innovationen wird es nicht mangeln.“

Axel Kühn, CEO Shine Germany: "Das Ende der Castingshows wurde schon vor zwei Jahren beschworen und dann kam ‚The Voice‘ und hat bewiesen, dass Emotionen, authentische Protagonisten und gutes Storytelling erfolgreiche Programme machen. Dass der Erfolg von The Voice den anderen Talentshows keinen Push geben konnte, zeigt aber auch mal wieder, dass Zuschauer keine Genres, sondern Sendungen gucken. Kein schlechtes Programm wird ein Hit, nur weil das Genre gerade angesagt ist und eben auch nicht umgekehrt. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass es auch zukünftig neue Castingshows geben wird. Und wenn die Kombination aus Talent, Emotionen und Identifikationsmöglichkeiten für den Zuschauer stimmt, werden diese auch erfolgreich sein."

Christian Asanger, Director Local TV-Productions, Warner Bros. Entertainment GmbH: "Fernsehen ist immer eine Wellenbewegung und Totgesagte leben bekanntlich lange. Auch, wenn der Casting-Trend derzeit in Deutschland abebbt, zeigt doch der jüngste Erfolg von ‚The Voice of Germany‘, dass mit gut gemachtem Programm auch in einem vermeintlich gesättigten Markt noch ‚etwas’ zu holen ist. Und es wird deutlich, dass international bewährte TV-Formate in den lokalen Fernsehmärkten weiterhin expandieren, da ein weltweiter Track-Record für einen Sender natürlich eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit bildet. So sind in anderen TV-Key-Markets wie USA, UK oder auch Benelux und Skandinavien Talent-Shows weiterhin auf Erfolgskurs. Ich bin daher überzeugt, dass es auch in Zukunft weitere, neue Talent-Shows mit Konkurrenz-Charakter (mit allen Facetten und nicht nur im musikalischen Bereich) geben wird, sei es in der klassischen Studiovariante oder in einer Factual-/ Reality-Form."


Wolfgang Link, Geschäftsführer ProSieben: "Es ist sicher falsch zu sagen, dass sich Zuschauer nicht mehr für Casting interessieren. ‚The Voice of Germany‘ hat gerade mit der zweiten Staffel die sehr guten Quoten von Staffel 1 bestätigt. Gleichzeitig hat ‚The Voice of Germany‘ Sehgewohnheiten verändert – und damit manch langlaufendem Format Probleme bereitet. Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren weiter an der ein oder anderen Sendung Spaß haben, die wir heute schon länger kennen. Genauso bin ich davon überzeugt, dass wir die Zuschauer noch mit neuen Castingshow begeistern können. Das ist uns mit ‚The Voice of Germany‘ auch gelungen, obwohl uns das im Vorfeld kaum einer zugetraut hatte."

Jan Kromschröder, Geschäftsführer ITV Studios Germany: "Es kann zweifelsohne konstatiert werden, dass das Zuschauerinteresse an Castingshows in der Tat schwindet. In dem Zusammenhang wäre es natürlich für die Branche nützlich zu wissen, was stattdessen bei den Zuschauern auf starkes Interesse stoßen könnte, aber: es gibt schlicht und einfach keinen nächsten Hype."

Uwe Heinemann, Creative Director Tresor TV Produktions GmbH:"Ein Ende der Castingshows ist so schnell nicht zu befürchten. Sie werden uns auch in den kommenden Jahren begleiten – wenn auch nicht mehr alle, die uns in den vergangenen Jahren begeistert haben. Doch es werden neue Programme folgen, die mit frischer Erzählweise und überraschenden Ideen nach wie vor ein großes Publikum ansprechen. ‚The Voice of Germany‘ hat’s vorgemacht und bestimmt viele Kreative und Entscheider ermutigt, auch weiterhin an diese Form der TV-Unterhaltung zu glauben."

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