Wie Alice Schwarzer Günther Jauch enteierte

Die grassierende Sexismus-Debatte ist natürlich eine Steilvorlage für die TV-Talkshows von ARD und ZDF. Den Anfang machte am Sonntag als erster in der Reihe Günther Jauch. Als Gäste konnte er aufbieten: Alice Schwarzer, stern-Chef Thomas Osterkorn, Wibke Bruhns, Silvana Koch-Mehrin, Hellmuth Karasek und Anne Wizorek, die den Twitter-Hashtag #aufschrei ins Leben rief. Wie im echten Leben redeten auch in der Sendung Männer und Frauen gepflegt aneinander vorbei.

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Männer und Frauen seien verschiedene Spezies, sagte Wibke Bruhns an einer Stelle und zog einen etwas gewagten Vergleich aus der Tierwelt zu Rate: “Wenn Sie Stiere haben und Kühe, dann sind das auch zwei verschiedene Spezies. Und wenn sie aus den Stieren auch Kühe machen wollen, dann bekommen sie Ochsen.” Dafür und für einiges andere holte sich Frau Bruhns bei Twitter verbale Prügel ab. Und sie lieferte Alice Schwarzer die Gelegenheit mit heuchelnder Stimme zu konstatieren, dass sie sogar Männer für Menschen halte.

Was Wibke Bruhns mit ihrem etwas unglücklich gewählten Vergleich aus der Tierwelt und auch Hellmuth Karasek mit schwerer Zunge zu sagen versuchten war wahrscheinlich, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Sie lieferten der anwesenden Aufschrei-Fraktion damit aber Gelegenheit, sich aus unterschiedlichsten Motiven zu entrüsten. Die junge Anne Wizorek schien auf naive Weise ehrlich empört. Bei Frau Koch-Mehrin ist man geneigt sofort zu unterstellen, dass sie die Debatte vor allem als willkommenen Anlass sieht, endlich auch mal wieder in den Medien vorne mitquatschen zu können (was zu unterstellen wahrscheinlich nicht nur unfair, sondern sogar sexistisch ist) und Alice Schwarzer lebte sichtlich auf, mal nicht über Kachelmann reden zu müssen, sondern auf ihrem angestammten Feld Feminismus agieren zu können.

Die alte Kacke dampft noch, rief sie aus und schien fast froh zu sein, dass es so ist. Gemeint war mit dieser farbigen Metapher, dass Frauen in unserer Gesellschaft immer noch von Männern unterdrückt würden. Als der sehr zaghafte Günther Jauch sie darauf aufmerksam machte, dass sie, Alice Schwarzer, ihn auch schon mal in einer Unterhaltungssendung sexistisch angegangen sei (es ging um Jauchs Krawatte als Penis-Verlängerung), bügelte Frau Schwarzer darüber hinweg wie ein gelernter Macho-Man. Schon vorher beklagte sich Jauch – ganz Bubi – dass Frau Schwarzer ihn “enteiert”habe, weil sie ankündigte, welche Themen in der Sendung noch so alles behandelt werden. Da waren wir dem Ochsen-Gleichnis von Frau Bruhns schon wieder verdächtig nahe.

stern-Chef Osterkorn guckte nur ein bisschen komisch, als Karasek ihm in einem seltenen, lichten Moment vorhielt, dass das stern-Cover zu “Shades of Grey” mit der Titelzeile “Was Frauen wirklich wollen” quasi eine Anleitung zur Vergewaltigung gewesen sei, ging darauf aber auch nicht näher ein. Und die viel gescholtene Wibke Bruhns holte sich abermals keinen Applaus ab, als sie sagte, das die ganze Debatte nichts an der Realität ändern werde, dass es auch in Zukunft zu mehr oder weniger plumpen Anbaggereien, zu sexistischen Anwerfungen usw. kommen wird, weil Männer und Frauen nun mal so sind wie sie sind. Mithin meinte sie wohl, dass wir nicht in einer idealen Welt leben und nicht alle gleich sind. Womöglich hat sie damit sogar recht.

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