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Die vollmundigen Versprechen der dapd

Die Nachrichtenagentur dapd verlor wegen Insolvenz und einem bisher wenig transparenten Eigentümerwechsel zuletzt eine ganze Latte von Kunden. Nun hat Ulrich Ende, der designierte neue Kopf von dapd, einen Werbebrief an seine Kunden geschrieben. Überschrift: "dapd 2.0 – Auch in Zukunft eine Vollagentur". Sowohl bei der Auslandsberichterstattung in Bild und Text wie beim Sport werde die Agentur "in höchster journalistischer Qualität" berichten. Die Versprechen könnten etwas zu vollmundig ausgefallen sein.

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Zunächst – die Nachrichtenagentur dapd ist noch nicht raus aus der Insolvenz. Eine neue Firma wurde von Ulrich Ende gegründet, die dapd Nachrichten Beteiligungs GmbH. Sitz ist aus bisher nicht genannten Gründen Tutzing. Bei der neuen GmbH wird, sofern mit Endes Übernahmeplan alles glatt geht, die "neue" dapd gesellschaftsrechtlich aufgehängt. Die acht zahlungsunfähigen Gesellschaften der Agentur wurden bereits Ende Dezember aufgrund der Anfang Oktober angemeldeten Insolvenzen aufgelöst. Ulrich Ende hat bisher zwei Investoren namentlich genannt, den Wiesbadener Unternehmer Christoph Bausinger und den Buchverleger Wolfgang Pabst. Beide sind in der Branche bisher nicht in Erscheinung getreten. Über ihre Motive haben beide bisher auch auf Nachfrage keine Auskünfte gegeben.

Ende setzt als designierter Geschäftsführer – faktisch ist er das noch nicht – auf eine Strategie, die bereits der von den Alt-Eigentümern Peter Löw und Martin Vorderwülbecke bestimmte Insolvenz-Geschäftsführer Wolf von der Fecht eingeschlagen hatte – die Positionierung als Vollagentur und damit als Konkurrent des Marktführers dpa. Als Alternative hätte sich die Positionierung als Komplementäragentur angeboten, also als ergänzende Agentur zu dpa. Diese Variante verspricht weniger Umsatz, wäre aber auch deutlich weniger kosten- und personalintensiv. Die beiden Vorgängeragenturen der dapd, ddp und AP Deutschland, hatten auf diese Weise jeweils ihre Nischen gefunden. Als Vollagentur der Bauart Löw/Vorderwülbecke hatte dapd im Monat über eine Million Euro verbrannt. Ulrich Ende will für den Neustart vier Millionen Euro Eigenkapital einsammeln.

Fraglich ist bis dato, ob Ende die Verprechen, die er seinen Kunden in der Ankündigung von "dapd 2.0" macht, auch wird halten können. Ein großes Sorgenkind war die Auslandsberichterstattung in Wort und Bild, die bisher über eine AP-Lizenz auf hohem Niveau geliefert werden konnte. Die AP-Angebote macht nun Konkurrent dpa, weil AP der dapd die Lizenz entzog und neu vergab. In "allen wichtigen Weltregionen" werde "dapd global" eigene deutschsprachige Korrespondenten beschäftigen, so lautet nun die Ankündigung. Der Aufbau eines weltweiten Reporternetzes ist indes kein Klacks und in nur wenigen Wochen, die Ende bis zum Ablauf der exklusiven AP-Lizenz Ende Januar hatte, kaum zu bewältigen.

Nach MEEDIA-Informationen trat die Agentur vor wenigen Wochen an das unabhängige Netzwerk Weltreporter heran, um deren Mitglieder als dapd-Korrespondenten zu rekrutieren. Die etwa 40 Journalisten sind über den ganzen Erdball verteilt, pro Land gibt es nur einen Weltreporter. Das Netzwerk ist über die Jahre zu einer Qualitätsmarke geworden. Der Ansatz, einzelne oder sogar alle Reporter als Agenturmitarbeiter zu gewinnen, war in der Sache so nachvollziehbar wie folgerichtig. Denn exklusive und/oder gut erzählte Geschichten aus dem Ausland wären für viele dapd-Kunden vermutlich ein wichtiges Kriterium, um weiterhin die Dienste der Agentur in Anspruch zu nehmen. Doch offenbar beschied die Mehrheit der Weltreporter die Offerte abschlägig. Für rund zehn Texte im Monat soll das Angebot der dapd bei 1.500 bis 2.000 Euro gelegen haben. Zu wenig für Texte, die einem hohen Qualitätsanspruch genügen sollen. Als AP-Ersatz wurde noch im Dezember eilig die bereits bestehende Kooperation mit Dow Jones ausgebaut.

Unklar ist auch noch, wie die Versorgung mit internationalen Fotos gesichert werden soll. Fotochef Dirk von Borstel, der in der Fotoreporter-Szene bestens verdrahtet ist, könnte ein entsprechendes Netzwerk vielleicht aufbauen. Doch auch hier ist die Zeit extrem knapp bemessen. Einen Namen für das Angebot gibt es mit "dapd global photoservice" bereits. 1.000 Bilder aus aller Welt würden ab dem 1. Februar gesendet, verspricht Ende in seinem Kundenbrief. Die Agenturnamen, die er nennt, sind ddp images, die vor allem Fotos aus Deutschland liefern, sowie SIPA USA. Letztere ist mehr eine Vertriebs- als eine Fotoagentur. Ende verspricht "neue regionale Kooperationen" und ein eigenes Netzwerk. Konkrete Namen – Fehlanzeige.

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Im Zuge der Insolvenz und der Restrukturierung der dapd wurde der erst vor zwei Jahren aus dem Boden gestampfte Sportdienst wieder auf ein Minimum zurückgefahren. Die "dapd 2.0" soll nun mit dem Unternehmen Perform Media kooperieren. Perform Media gehört in Deutschland das Portal Spox.com. Das wird allerdings in erster Linie vom Sport Informations Dienst (SID) mit Texten beliefert. Der SID gehört wiederum zur französischen Nachrichtenagentur AFP – und die steht ihrerseits im Wettbewerb mit der dapd. Die dapd-Alteigentümer hatten AFP zudem wegen unterstellter Marktverzerrung bei der EU-Kommission angeschwärzt. Käme es zu der angekündigten Kooperation, bedeutete dies, dass dapd indirekt vom SID mit Sportmeldungen beliefert würde – doch das dürfte nicht im Interesse der SID-Mutter AFP sein.

Am Ende des zweiseitigen Briefes, der vom 21. Januar datiert, dankt Medienmanager Ende für das "fortgesetzte Vertrauen" in die Agentur. Bisher firmiert er noch ohne jegliche Bezeichnung unter seinem Namen – weil Ende in dem augenblicklichen Schwebezustand, in dem sich dapd befindet, gar keine offizielle Funktion hat. Dieser Zustand muss freilich  so schnell wie möglich überwunden werden. Für diese missliche Lage kann Ende nichts – der Übergang in eine neue Gesellschaft ist kompliziert. Gleichzeitig lässt es Ende gegenüber Kunden aber an Transparenz vermissen. Sein Werbebrief wie auch die Motive und Kompetenzen seiner Investoren lassen zahlreiche Fragen offen.

Vermutlich auch darum nutzen seit dem Jahreswechsel u.a. die Süddeutsche Zeitung, die FAZ, DuMont und Saarbrücker Zeitung nicht mehr die Dienste der Agentur. Zuvor hatte Rheinpfalz-Chefredakteur Michael Garthe gegenüber MEEDIA gesagt: "Das Angebot von dapd ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich schlechter geworden und wir haben das Vertrauen verloren, dass neue Eigentümer/Investoren wieder ein konkurrenzfähiges Angebot einer Vollagentur auf die Beine bringen, das auch den Ansprüchen einer gedruckten Zeitung genügt und nicht nur den Ansprüchen vieler elektronischer Medien."

MEEDIA hatte Ulrich Ende am Freitag eine Reihe von Fragen zur "dapd 2.0" geschickt. Ende verwies in einer knappen Antwort per Mail an die PR-Agentur des Insolvenzverwalters Chistian Köhler-Ma, ließ die Mehrzahl der Fragen aber unbeantwortet. Investor Pabst hatte Fragen zu seinem Engagement ebenfalls nicht beantwortet – mit Verweis auf die aus seiner Sicht "tendenziöse" Berichterstattung von MEEDIA

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