Anzeige

Der misslungene Start des neuen SR-„Tatorts“

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Nachdem der letzte neue "Tatort"-Kommissar Faber aus Dortmund ein depressiven Choleriker war, ist der neueste Ermittler der Reihe, Kommissar Stellbrink aus Saarbrücken, ein notorisch gut gelaunter Träumer. Seinen ersten Fall in der Rolle löst Devid Striesow am Sonntag - und fällt vorerst durch. Die plumpe Inszenierung mit Comic-artigen, eindimensionalen Charakteren nervt, obwohl ein eigentlich spannender Krimi erzählt wird.

Anzeige
Anzeige

Schon die ersten Sequenzen des ersten neuen Saar-"Tatorts" werden viele Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen. Zu schlicht und platt werden die beiden neuen Ermittler eingeführt. Da ist Kommissar Stellbrink, der von der Bundespolizei nach Saarbrücken wechselt. Er trocknet seine Wäsche an einem Fahnenmast, geht mit Gummistiefeln, Regenjacke, aber kurzen Hosen und Reggaemusik auf den Ohren in den Baumarkt und fährt Motorroller. So führt man als Drehbuchautor wohl einen "Paradiesvogel" ein, wenn man keine intelligenten Ideen hat. Auf der anderen Seite seine Kollegin: Lisa Marx, eine toughe Polizistin, die beim Taekwondo gezeigt wird – und mit unterlegter, harter Musik beim Schießtraining.

Der Träumer und die Toughe. So weit, so schlecht. Noch schlimmer nervt allerdings die Staatsanwältin Nicole Dubois. Entweder Darstellerin Sandra Steinbach ist eine ganz schlechte Schauspielerin, oder – wohl eher die Wahrheit: Ihre Rolle ist so eindimensional und flach angelegt, dass niemand mehr aus ihr heraus geholt hätte. Wann immer Dubois im Bild ist, nervt sie. Einziger kleiner Lichtblick im Figuren-Ensemble: das skurrile Ehepaar Müller, das später Stellbrink hilft, bzw. nicht hilft.

Anzeige

Ein paar Worte zur Handlung: Stellbrink stößt bei seinem Baumarktbesuch auf ein Mädchen, das kein Deutsch spricht. Er bringt es zu seinen vermeintlichen Eltern zurück, merkt dann aber schnell, dass etwas nicht stimmt, denn eine gefesselte Frau liegt am Boden des Zimmers und der angebliche Vater ist einer von drei Ganoven. In Zack-Bumm-Bäng-artigem Comic-Stil schaltet Stellbrink das Trio kurzzeitig aus, eine Flucht setzt ein. Immer mehr Ungereimtheiten und Wendungen entwickeln sich zu einem Fall zwischen Politkrimi, Menschen- und Drogenschmuggel.

Spannung blitzt durchaus immer wieder auf, in "Melinda", diesem ersten neuen Saarland-Krimi. Und doch ist er eine Enttäuschung. Die viel zu ideenlos angelegten Charaktere lassen selbst einen so grandiosen Schauspieler wie Devid Striesow schlecht aussehen, Drehbuch und Inszenierung tun ihr Übriges. Ob dennoch Hoffnung besteht, dass es gute Krimis mit den neuen Ermittlern Stellbrink und Marx geben wird? Nur, wenn der Klamauk-Faktor herunter, der Intelligenz-Faktor dafür hochgeschraubt wird. Und vor allem nur dann, wenn die beiden Charaktere ein paar mehr Ebenen bekommen. Als Träumer und Toughe nerven sie zumindest.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*