Dr. Döpfners geheime Kostümparty

Publishing Ein Sexismus #aufschrei geht durchs Web. Losgestolpert hat die Debatte der stern mit seinen Anbagger-Enthüllungen über Rainer Brüderle. Auch Spiegel Online CvD Patricia Dreyer ruft in einem Kommentar auf, den Sexismus zu stoppen. Bei Bild schlug sie noch ganz andere Töne an. Bei der Abschiedsparty für Zeit Online Chef Wolfgang Blau gab es einen Brandalarm und die geheimste Geburtstags-Party des Landes feierte Springer-Chef Döpfner mit verkleideten Größen aus Medien und Wirtschaft.

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Noch ein paar Worte zum grassierenden Sexismus-#aufschrei. Schmunzeln musste ich bei aller Berechtigung für die Debatte über diesen Satz aus dem Morning Briefing von Handelsblatt-Chef Gabor Steingart: “Auch gegenüber einer schleswig-holsteinischen Milchkuh sei der FDP-Fraktionschef mit der Bemerkung "Körbchengröße 90 L" negativ aufgefallen, berichtet die Illustrierte.”

Viele regen sich in dieser Sexismus-Frage in die eine oder andere Richtung auf. Es ist der aktuelle -ismus, bei dem jeder mit muss. Wie “hältst du’s mit dem Sexismus?” lautet aktuell die Gretchenfrage in unserer Gesellschaft. Zumindest für die nächsten zwei, drei Tage. Meinung im Gender-War bezogen hat auch Patricia Dreyer, Chefin vom Dienst bei Spiegel Online. In einem viel verlinkten Kommentar mahnt sie: “Stopp!”. Zitat: “Wir erleben auch in Zeiten von Quoten-Debatte und Frauenförderung immer noch täglich, wie Männer versuchen, uns durch Abwertung kleinzuhalten. Wie Männer Macht demonstrieren. Wie Männer glauben, ihre vermeintliche Unwiderstehlichkeit zum Ausdruck bringen zu müssen, wie Männer eine berufliche Situation zum sexuellen Jagdrevier machen.”

Wie wahr, wie wahr. Man könnte zu Frau Dreyers “Stopp!”-Liste noch hinzufügen: Einer renommierten jungen Schauspielerin, die in ihrer Vergangenheit in Sex-Filmen mitgemacht hat, dies immer wieder vorhalten und sie damit auf eine Rolle als Sexualobjekt reduzieren und der lüsternen Masse zum Fraß vorwerfen – Stopp!

Gemeint ist die schmähliche Art und Weise, wie die Bild-Zeitung anno 2004 Sibel Kekilli vorgeführt hat. Ein Gericht urteilte damals, Kekilli sei von Bild in “höhnischer Weise herabgesetzt und verächtlich gemacht worden”. Wer hat damals noch gleich den Schmäh-Artikel über Sibel Kekilli in der Bild mit verfasst? Patricia Dreyer. Damals hat sie noch nicht “Stopp!” gerufen.

Beim stern sind sie jetzt ganz wuschig, dass sie mit dem Sexismus-Ding mal wieder eine echte Debatte losgestolpert haben. Darum wird nun auch ganz eifrig getwittert und getan. Dieser eine Tweet wirft dann aber doch die Frage auf, ob beim stern in Sachen Social Media und Sexismus nicht ein bisschen die Gäule durchgegangen sind:

Nachtrag: Beim stern erklären sie, dass mit diesem Tweet nicht die FDP gemeint gewesen sei, sondern "eine fiktive Partei der sexistischen Männer".
Zu angenehmeren Themen. Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau verabschiedete sich diesen Freitag ganz modern in die Elternzeit. Danach heuert er beim britischen Guardian an, um sich dort ums Digitalgeschäft zu kümmern. Zu seinem Abschied bekam er standesgemäß einen eigenen Twitter-Hashtag (#byeblau) geschenkt. Für Aufruhr sorgte dann der für den Austand geladene britische Koch. Der löste beim Brutzeln im Newsroom von Zeit Online den Feueralarm aus. Shocking.

Noch ‘ne Feier: Diese Geburtstagsparty am vergangenen Samstag muss ein Knaller gewesen sein. Promis, Politiker, Unternehmer – alle waren dabei. Von Thomas Gottschalk über Guido Westerwelle bis zu den Samwer-Brüdern. Und auch noch alle verkleidet. Die wilden Zwanziger waren Partymotto. Nicht in ein Kostüm gezwängt hatte sich nur Hubert Burda. In der Regel wäre ein solch rauschendes Fest Anlass für eine entsprechende mediale Begleitung. Doch in diesem Fall gab es nichts zu lesen, nichts zu sehen.

Dabei war der Gastgeber in der Villa Schöningen in Potsdam kein Geringerer als Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG. Das ist doch mal eine Leistung: Dem Chef des größten Zeitungsverlags Europas, zu dem die Bild-Zeitung gehört, gelingt es, dass sein eigener 50. Geburtstag mit keinem Wort, Bild oder Ton medial verwertet wird. Auf Burdas Digitalkongress DLD wurde von Partygästen das eine oder andere Handyfoto rumgezeigt. Das war’s dann auch. Womit bewiesen wäre: Wer Ruhe vor der Presse haben will, lädt sich Verleger ein. Oder ist selber einer.

Schönes Wochenende!

PS: Für das einzige offizielle Bildmaterial zum Döpfner-Geburtstag duften/mussten Schüler der Axel Springer Akademie mit diesem Video im Stil von viralem Bank-Marketing sorgen.
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