DJV-NRW fordert in Offenen Brief: WR-Entscheidung revidieren

Publishing Der DJV-NRW ruft die Gesellschafter und die Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe in einem Offenen Brief auf, die Entscheidung in Sachen Westfälische Rundschau zu überdenken. In dem von Geschäftsführerin Anja Zimmer und Landesvorsitzenden Helmut Dahlmann unterzeichneten Brief wird die künftige WR als "Pseudozeitung" bezeichnet.

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Die Absender warnen die WAZ-Gruppe vor einem desaströsen Image. Die Proteste der vergangenen Tage sowie die Kündigungen von Abonnenten und Anzeigenkunden hätten längst gezeigt, dass die "neue WR" wirtschaftlich kein Erfolgsmodell sein kann. 
MEEDIA dokumentiert den Brief nachfolgend im Wortlaut: 
Sehr geehrte Frau Grotkamp, sehr geehrte Frau Schubries,
sehr geehrter Herr Holthoff-Pförtner, sehr geehrter Herr Braun,
sehr geehrter Herr Nienhaus, sehr geehrter Herr Ziegler, 

Ihre Ankündigung, quasi über Nacht die Redaktion der Westfälischen Rundschau zu schließen, erfüllt uns mit Entsetzen und Fassungslosigkeit.
Hals über Kopf und ohne auch nur den Versuch zu starten, gemeinsam mit Betriebsrat, Beschäftigten oder Gewerkschaften nach einer anderen Lösung zu suchen, setzen Sie 120 angestellte Redakteurinnen und Redakteure sowie sicherlich mindestens genauso so viele freie Mitarbeiter vor die Tür. Hochmotivierte Kolleginnen und Kollegen, die in der Vergangenheit mit Herzblut und aus Überzeugung die WR gemacht haben. Das ist ein soziales Desaster, mit dem Sie gerade Geschichte schreiben. 
Mit Ihrem Versuch, eine Zeitung ohne eigene Redakteure mit zusammengestückelten Inhalten auf den Markt zu bringen, fügen Sie der WAZ Mediengruppe schweren Schaden zu. Und nicht nur ihr, sondern der gesamten deutschen Zeitungslandschaft. Sie zerstören nachhaltig das Vertrauen von Leserinnen und Lesern in das Produkt Tageszeitung! Warum soll jemand ein Blatt kaufen, das keine eigenen Inhalte, keine eigene Meinung oder Sichtweise bietet? Das ist eine verlegerische Bankrotterklärung. Auch damit schreiben Sie Geschichte. Der Zeitungsverlag Westfalen – und damit in der öffentlichen Wahrnehmung die WAZ Mediengruppe – wird künftig dafür stehen, die Tageszeitung ohne eigene Redaktion erfunden zu haben, die Pseudozeitung. Lassen Sie es nicht so weit kommen.
Die Entwicklungen der letzten Tage, die Proteste, die Kündigungen von Abonnenten und Anzeigenkunden, geben eine erste Ahnung, welche Folgen dieser Schritt haben wird. Das zeigt: Auch wirtschaftlich wird das Modell kein Erfolg werden. Deshalb bitten wir Sie eindringlich: Revidieren Sie diese Entscheidung – noch ist Zeit dazu!
Das würde sich sicherlich positiv auf Auflage und Anzeigenverkäufe auswirken und weiteren Schaden von den anderen Titeln der WAZ Mediengruppe abwenden.
Gemeinsam mit Betriebsrat, Beschäftigten und Gewerkschaften ließe sich eine Lösung finden, die auch den wirtschaftlichen Bedenken von Gesellschaftern und Banken Rechnung trägt. Die WR konnte bereits in den vergangenen Jahren ihre Verluste erheblich reduzieren und hat 2012 sogar massiv in die Zukunft investiert. Noch Ende des Jahres wurde ein umfassender Relaunch des Titels durchgeführt, neue Tablet-Ausgaben eingeführt und massive Werbekampagnen gestartet. Soll das alles vergeblich gewesen sein?
Wir stehen bereit, um gemeinsam mit Ihnen nach konstruktiven Lösungen zu suchen, die die WR als eigenständige Stimme der Region erhalten und viele Arbeitsplätze sichern. 

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