48 Millionen iPhones reichen Wall Street nicht

Apples Erfolgsstory an der Börse ist zu Ende: Knapp 48 Millionen verkaufte iPhones haben nicht gereicht, um Anleger zufriedenzustellen – die Aktie verliert im nachbörslichen Handel 11 Prozent oder 55 Dollar und fällt auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Erstmals seit 2003 blieb der Techpionier knapp unter dem Ergebnis des Vorjahres. Zum Verhängnis wurde Apple eine wegbrechende Gewinnmarge. Tim Cook verschreckte Anleger im Conference Call zudem durch den Wegfall der Gewinnprognose.

Werbeanzeige

Apples Erfolgsstory an der Börse ist zu Ende: Knapp 48 Millionen verkaufte iPhones haben nicht gereicht, um Anleger zufrieden zu stellen – die Aktie verliert im nachbörslichen Handel 11 Prozent oder 55 Dollar und fällt auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Erstmals seit 2003 blieb der Techpionier knapp unter dem Ergebnis des Vorjahres. Zum Verhängnis wurde Apple eine wegbrechende Gewinnmarge. Tim Cook verschreckte Anleger im Conference Call zudem durch den Wegfall der Gewinnprognose.

Die Abkopplung der wirtschaftlichen von der Börsenentwicklung schreitet bei Apple in dramatischer Weise weiter voran. Der Techpionier aus Cupertino verlor an der Börse im nachbörslichen Handel binnen zwei Stunden in der Spitze 57 Dollar oder 54 Milliarden Dollar an Börsenwert. Seit Ende September hat Apple damit 235 Milliarden Dollar an Wert verloren – das ist mehr als Microsoft wert ist.

An der Geschäftsentwicklung lässt sich der erneute Börseneinbruch zumindest nicht nachvollziehen: Apple geht es nämlich so gut wie nie zuvor. Im abgelaufenen Weihnachtsquartal konnte der noch wertvollste Konzern der Welt nämlich abermals, wenn auch nur hauchdünn, Rekordergebnisse verkünden: Nach 13,06 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum verdiente Apple im abgelaufenen Quartal nunmehr 13,1 Milliarden Dollar.

40 Millionen Dollar mehr verdient als im Vorjahr

Nach dieser Lesart konnte Apple den drohenden ersten Gewinnrückgang seit neun Jahren gerade noch vermeiden – nicht jedoch beim Gewinn je Aktie, der mit 13,81 Dollar 6 Cent schwächer ausfiel als im vergangenen Jahr. Analysten hatten unterdessen mit 13,45 Dollar gerechnet. Anders als in den beiden Vorquartalen konnte Apple damit die Analysten-Schätzungen wieder schlagen.

Bei der Umsatzentwicklung traf Apple genau die Wall Street-Erwartungen, die bei 54,5 Milliarden Dollar gelegen hatten. Das sind immerhin 17 Prozent höhere Erlöse als im Vorjahr, als Apple 46,3 Milliarden Dollar umgesetzt hatte und dafür noch eine Verkaufswoche mehr zur Verfügung hatte.

iPhone- und Mac-Absätze enttäuschen

An dieser Stelle der Bilanz wird jedoch Apples eigentliches Problem deutlich: Der US-Konzern musste rund 8 Milliarden Dollar mehr umsetzen, um auf das gleiche Konzernergebnis des Vorjahres zu kommen. Die Gewinnmarge fiel um mehr als 6 Prozent von 44,7 auf nur noch 38,6 Prozent – binnen nur eines Jahres ist das ein großer Einbruch.

Doch Anleger und Analysten fanden noch mehr Schwachstellen in der Bilanz: So blieben die 47,8 Millionen verkauften iPhones unter den Erwartungen der Analysten der Wall Street zurück, die 50 Millionen abgesetzte Apple-Smartphones prognostiziert hatten.

Die Mac-Sparte brach unterdessen unerwartet stark ein: Happige 1,1 Millionen Macs weniger als im Vorjahresquartal wurden verkauft – maßgeblich, weil sich Apple bei der späten Auslieferung der neuen iMacs verkalkuliert hatte.

Lichtblick iPad-Unit und iPod-Unit

Das dürfte Anlegern noch die eher kleineren Sorgen bereitet haben. Apples jüngste Boom-Sparte, das iPad, zog wie erwartet an: Knapp 23 Millionen Tablet-Macs gingen wie erwartet über die Ladentische. Das entsprach einem Umsatzplus von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum. Die iPod-Unit performte mit 12,7 Millionen verkauften MP3-Playern sogar leicht besser als erwartet, entwickelte sich aber immer noch zweistellig rückläufig.

So lieferte Apples mit Spannung erwartete Quartalsbilanz in den Konzernteilen Licht und Schatten: Die iPhone-Absätze entwickelten sich leicht schlechter als erwartet, die iPad-Sparte wie erwartet, während die Mac-Unit enttäuschte, ohne wirklich weh zu tun.

Neue Ausblick-Politik verschreckt Anleger

Was Anlegern indes wirklich weh tat, war was nach Bekanntgabe der Ergebnisse passierte: Erstmals seit der Rückkehr von Steve Jobs vor 15 Jahren änderte Apple seine "Guidance"-Politik, die als Orientierungshilfe für Anleger gedacht ist. Auf einen Gewinnausblick verzichtet Apple nun plötzlich wie Google und bietet Investoren für das laufende Quartal nur noch eine vage Umsatzspanne zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar an, die unter den Erwartungen der Wall Street lag, die mit Erlösen von 45 Milliarden Dollar gerechnet hatte.

Noch verstörender für Anleger: Finanzchef Peter Oppenheimer erklärte, man wolle beim Ausblick künftig "realistischer" vorgehen, was einen scharfen Bruch mit der Tradition der notorisch konservativen Prognosen unter Steve Jobs darstellt. Das neue Apple unter Tim Cook gibt beim Ausblick also künftig Anhaltspunkte, die kaum mehr Raum für große Überraschungen bieten.

Dass Anlegern dieses neue Apple überhaupt nicht gefällt, machten sie im nachbörslichen Handel deutlich: Allein die Äußerungen des Apple-Managements in der Telefonkonferenz sorgten für Verluste von mehr als 30 Dollar in der Aktie. Das passable Weihnachtsquartal geriet am Ende zur Nebensache. Bleibt es bei den erdrutschartigen Verlusten von mehr als 50 Dollar steht Apple-Aktionären morgen einer der zehn schwärzesten Handelstage der Geschichte bevor.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Peinlich: “Quizduell”-App auch bei zweiter Sendung defekt

89.0 RTL und die Radio-Nachrichten aus der Konserve

US-Startup Spritz will das digitale Lesen “neu erfinden”

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*