Mail und Co.: die größten Facebook-Flops

Publishing Der Hype um Facebooks neue Suche im Social Graph ist enorm: Die Techszene ist in Verzückung, Datenschützer sind alarmiert. Und die Nutzer? Die warten noch darauf, dass Mark Zuckerbergs Team das Feature nach und nach ausrollt. Es ist nicht das erste Mal, dass das weltgrößte Social Network unter großem Medienrummel ein neues Produkt vorstellt - nur um es dann wenig später wieder einzustellen. Die Geschichte von Facebook ist auch eine Geschichte großer Flops. MEEDIA stellt einige davon vor.

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Social Reader: Sie waren der Liebling der Verlagsbranche, sollten sie doch das Einfallstor in die weltgrößte Community sein. Der Guardian leistete Pionierarbeit und wurde dafür auch entsprechend belohnt. Der Traffic über Facebook stieg an, und andere Webseiten zogen nach. Doch die News-Apps hatten ein Problem: Die Social Reader waren nicht wirklich “social”. Plötzlich konnten nur noch die Fans einer Seite die Texte lesen, die auch den Reader installiert hatten. Wer einen Link mit anderen teilte, also Facebook als Social Network nutzen wollte, machte nur indirekt Werbung für die App. Dieses Netzwerk-im-Netzwerk-System stieß bei immer mehr Nutzern auf Ablehnung, die Nutzungszahlen fielen enorm ab. Zuletzt stellte auf deutscher Seite stern.de den Betrieb seines Social Readers ein.

Places: Facebook erfand nicht immer seine Dienste von Grund auf neu. War ein anderes Portal erfolgreich, kopierte man dessen Hauptfeature auch kurzerhand. Was aber nicht unbedingt zum Erfolg im eigenen Netzwerk führte. So geschehen bei “Places”, dem “Foursquare”-Klon. Nutzer sollten nicht nur Orte markieren können, von denen sie etwa ein Foto hochluden. Nein, Places sollte auch dem Einzelhandel helfen, der vom mobilen Boom profitieren sollte. Seit 2011 wird das Feature nicht mehr vorangetrieben. Denn wer unbedingt bei Orten “einchecken” will, der nutzt Foursquare.

Facebook Deals: Noch nie davon gehört? Das verwundert kaum. Im Januar 2011 von Facebook eingeführt, sollten Restaraunts, Shopbetreiber und andere Institutionen mit der Macht der Facebook-Millionen ihr Geschäft ankurbeln. Sie sollten geobasiert lokale Deals anbieten können. Wer in der Nähe eines Cafés war, dem sollten etwa Rabatte auf die Tageskarte in der Facebook-App angezeigt werden. Genau wie “Places” floppte die “Deals”-Offensive, mit der man das Schnäppchensystem von “Groupon” auf das mobile Internet übertragen wollte. Eine Idee, die nie zündete. In fünf US-Städten gestartet, stellte das Social Network das öffentliche Experiment nach nur vier Monaten ein.

Poke: Nein, damit ist nicht der englische Facebook-Begriff für “Anstupsen” gemeint, über den Zuckerberg sich selbst königlich amüsieren kann. Poke sollte, wie Mashable erklärte, der Social-Network-Konkurrent für Snapchat sein, eine App, mit der Nutzer anderen Nutzern Nachrichten schicken können, die nach wenigen Sekunden wieder verschwinden. Offenbar nutzen vor allem Teenager das Programm zum sogenannten Sexting, dem Versenden anzüglicher Bilder. Doch im Nu verschwand die Facebook-eigene App aus den Charts der beliebtesten Facebook-Apps.

Umfragen: Laut TechCrunch hatte das Frage-Tool von Facebook ein Mega-Potenzial. 2010 als Quora-Klon eingeführt, konnten Nutzer fortan nicht nur Texte schreiben und Bilder sowie Videos hochladen. Nein, sie konnten sogar Fragen stellen! Da sie das auch vorher konnten, ohne dafür eine Umfrage zu starten, zog Facebook im Oktober 2012 auf Privatnutzer-Seite den Stecker. Für Seitenbetreiber ist das Feature weiterhin verfügbar.

Facebook Mail
: Auch wir waren entzückt vom Gedanken einer eigenen Facebook-Mailadresse. Zum Launch Ende 2010 hieß es auf unserer Webseite: “Schon jetzt scheint klar, dass der eigene Name mit Facebook-Endung im Email-Postfach Begehrlichkeiten wecken, wenn nicht zum neuen Kultstatus werden dürfte.” Schließlich sollte mal seine gesamte Mail-Korrespondenz im Facebook-Postfach ablegen können. Doch stellen Sie sich kurz selbst die Frage: Wann haben Sie das letzte Mal an jemanden mit der Endung @facebook.com geschickt? Genau, deswegen wurde das Facebook-Feature auch nie zum Googlemail-Killer. Auch wenn immer noch jeder Facebook-Nutzer sich eine solche Mailadresse anlegen kann, präsentierte Facebook seitdem keine Nutzungszahlen.

Project Spartan
: Von TechCrunch über Wochen und Monate als das nächste große Ding im Appmarkt angekündigt, ist “Project Spartan” so etwas wie das Social-Media-Nessie – ein Monster, über das jeder sprach, aber nie jemand zu Gesicht bekam. Es sei der Apple-App-Store-Killer, über den bald jeder HTML5-Apps verkaufen und herunterladen könne. Das waren Ende 2011 gleich drei Buzzwords auf einmal: Apple, App Store und HTML5. Bis heute bleiben uns TechCrunch und Facebook einen Beweis von “Project Spartan” schuldig.

Ist also alles, was Facebook rund um seinen Kerndienst herausbringt, ein Flop? Mitnichten: Für Privatpersonen launchte das Social Network die Abonnieren-Funktion, mit der Menschen trotz privatem Profil mit einer großen Öffentlichkeit kommunizieren können. Über 260.000 Nutzer folgen auf diese Weise dem US-Autor Jeff Jarvis. Die Messenger-App baut das 1-Milliarde-Netzwerk momentan konsequent zum WhatsApp-Konkurrenten aus, über den Nutzer auch ohne Account kostenlos telefonieren und texten können. Und auch das “Angebote”-Feature für Facebook-Seiten findet, zumindest mit Blick auf die stetig wachsende Präsenz im Newsfeed der Nutzer, regen Anklang.

Dass das Social Network auch weiterhin innovativ sein sollte, bestätigt der Blick auf den alten deutschen Konkurrenten StudiVZ/MeinVZ, der sich gegen Innovation und für eine frühe Monetarisierung entschied – mit fatalen Folgen. Mit Blick auf die Liste – weitere Beispiele finden sich aktuell auf ReadWrite – wäre Facebook allerdings gut beraten, das Klonen funktionerender Produkte einzudämmen und sich auf originäre Features zu konzentrieren, die tatsächlichen Mehrwert für Nutzer und Seitenbetreiber gleichermaßen bieten. Die Suche im Social Graph ist ein solches Feature. Ob das auch ankommt, das hat die Vergangenheit gezeigt, entscheiden die Nutzer.

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