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Redaktions-Reform: stern setzt auf Teamplay

Alles neu beim stern: Rund eine Woche nachdem der Chefredakteurswechsel zum ersten Mai bekanntgegeben wurde, gibt sich der stern eine neue Redaktionsstruktur. Das Konzept, das heute den Mitarbeitern vorgestellt wurde, soll von allen drei amtierenden Chefredakteuren gemeinsam entwickelt worden sein. Es sieht weitreichende Veränderungen im Heft und im Produktionsablauf vor. Bemerkenswert: Führungskräfte sollen künftig rotieren und auf Zeit berufen werden. Die Zahl der Ressorts wird von sechs auf vier reduziert.

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Den Machern war bei ihrer Redaktionsreform offenbar besonders wichtig, die Eigenverantwortung, den Gemeinsinn und das Miteinander zu stärken. Dazu sollen künftig sechs Managing Editors einen der vier neuen Heftteile sowie die Bereich Online und New Channels betreuen. Sie sind verantwortliche Blatt- und Sitemacher ihres Bereichs. Alle sechs sollen aus der Redaktion für jeweils zwei Jahre berufen werden.
Die neue inhaltliche Struktur des Nachrichtenmagazins sieht künftig nur noch die vier Ressorts „Deutschland“, „Welt“, „Leben“ und „Wissen“ vor, deren Leitung jeweils eine Doppelspitze übernimmt. Hinzu kommen die Bildredaktion und die Grafik, zu der Titel, Infografik und Bildtechnik zählen.
Die wohl spektakulärste Änderung betrifft die schreibenden Journalisten: Um die gesamte Recherche und Textproduktion kümmert sich künftig eine übergreifende Textredaktion. Sie besteht aus Autoren, Redakteuren und Reportern sowie den Mitarbeitern der Abteilung "Investigative Recherche". Die Führung übernehmen Teamleiter, die ebenfalls auf zwei Jahre berufen werden. Insgesamt soll es fünf Teams geben: drei Text-Teams, ein Team "Investigative Recherche" und das Team "Dokumentation und Lektorat".
Der Umbau betrifft aber nicht nur die Print-Redaktion. Die Hamburger planen zudem eine einheitliche Markenführung, die die gedruckten Produkte und die digitalen Medien umfasst. So sollen die Redaktion von stern und stern.de im Laufe des Jahres in eine neue, „gemeinsame Organisationsstruktur überführt“ werden.
Mit dieser – in der deutschen Magazin-Landschaft einmaligen – Arbeitsstruktur will die stern-Chefredaktion offenbar verschüttete Potenziale freisetzen. Der neue Blattmacher Dominik Wichmann, der die Zeitschrift ab 1. Mai alleinverantwortlich führen wird, hatte erst kürzlich in seinem Antrittsinterview mit der Zeit bemängelt: „Die Marke glänzt nicht“.

Die tiefgreifenden Neuerungen sollen, wie zu hören ist, bereits in den kommenden Wochen umgesetzt werden. Unklar ist derzeit, ob die bisherigen Ressortleiter, in den künftigen Ressorts erneut an verantwortlicher Stelle stehen oder ob diese von neuen Kräften geführt werden. Offenbar sollen sich alle Mitarbeiter beim Magazin auf Führungsjobs bewerben dürfen. Zudem ist davon auszugehen, dass beim „neuen“ stern demnächst mehr Frauen leitende Funktionen bekleiden werden. Aufgrund eines Redaktionsbeschlusses will das Magazin in Zukunft jede zweite Top-Position mit einer Frauen besetzen.

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Die Verantwortlichen werden in einer Verlagsmitteilung wie folgt zitiert:
Dominik Wichmann: „Bei der Ausarbeitung der neuen, optimalen Redaktionsstruktur war es Thomas Osterkorn, Andreas Petzold und mir besonders wichtig, ein einzigartiges Umfeld für journalistische Spitzenleistungen zu schaffen: Ein Umfeld, das Vertrauen schafft, Wissenstransfer und Vernetzung fördert. Das erreichen wir mit interdisziplinären Teams, die Verantwortung für eigene Ergebnisse übernehmen, auf die sie stolz sind.“
Andreas Petzold: „Es ist so, als würde man eine neue Stadt bauen. Und jeder, ganz gleich, welche Aufgabe er künftig übernehmen wird, verhält sich wie ein guter Bürger – mit Gemeinsinn und Verantwortung.“
Thomas Osterkorn: „Die Arbeit der Redaktion wird in der neuen Organisationsstruktur noch mehr vom Miteinander geprägt sein. Rotation ist dabei eines unserer neuen Prinzipien – das bietet Chancen für die gesamte Redaktion.“
Thomas Lindner, Verlagsgeschäftsführer Agenda (u.a. stern): „Der neue stern wird in modernen, kompakteren Strukturen entstehen. Mit der neuen Organisationsstruktur haben wir die Basis für effiziente Workflows geschaffen, die die Marke stern auf allen Kanälen nachhaltig stärken.“

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