Kim Schmitz: Wie tickt der „Mega“-Mann?

Kämpfer für die Freiheit des Internets? Unternehmergenie? Oder ein Krimineller? Fest steht: Kim Schmitz alias Kim Dotcom alias Kimble alias Kimvestor polarisiert. Der Medienrummel um seinen Clouddienst “Mega” ist enorm, zum Launch feierte der gebürtige Kieler in Neuseeland die “Mega”-Party und machte die US-Behörden zur Lachnummer. Was treibt Schmitz an? Wer sind seine Helfer? MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Mann und den Mythos um "Mega".

Anzeige

Wie machte Schmitz seine Millionen?
Kim Dotcom, wie sich der Unternehmer in Neuseeland nennt, heißt mit bürgerlichem Namen Kim Schmitz und wurde 1974 in Kiel geboren. Ins Licht der Öffentlichkeit trat der 38-Jährige Mitte der Neunziger Jahre, als er versuchte, sich als Hacker zu etablieren. Neben Auftritten im Fernsehen und dem Betreiben etlicher Hackersites erregte er mit der Fälschung von Kreditkarten und Telefonkarten die Aufmerksamkeit der Behörden.

1994 wurde er unter anderem wegen Betrugs und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, die mittlerweile verjährt ist. Aber es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Schmitz Geschäfte mit dem Gesetz kollidieren. 2002 verurteilte ihn das Amtsgericht München wegen Insiderhandels zu einem Jahr und acht Monaten zur Bewährung und verhängte eine Geldstrafe von 100.000 Euro. "Kimble" hatte zuvor erklärt, mit seinem Vermögen die schwächelnde Firma Letsbuyit zu retten und soll beim darauffolgenden Kursanstieg eine Million Euro Gewinn erzielt haben.

Es folgten zahlreiche weitere Firmengründungen, von denen Megaupload wohl die erfolgreichste war. Rund 180 Millionen Nutzer soll das Filesharing-Netzwerk gehabt haben. Vier Prozent des gesamten Webtraffics liefen angeblich über die Server der Seite. Die Betreiber, allen voran Schmitz, sollen mit dem Bereitstellen von Filmen, Serien, Büchern und Musik 175 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben. Der geschätzte Schaden auf Seiten der Eigentümer: 500 Milllionen Dollar.

Wie lebt der Kimvestor?
Die Zeit der großen Yachten mit Models an seiner Seite ist längst vorbei. Dennoch lebt Schmitz gerne auf großem Fuß. 2010 mietete er die Chrisco Mansion, die teuerste Privatimmobilie in Neuseeland. Eine Million Dollar Miete kostet das rund 40 Hektar große Anwesen pro Jahr, zuzüglich rund 600.000 Dollar an Instandhaltungskosten, wie die National Business Review in Erfahrung gebracht haben will. Hinzu kommen noch monatliche Fixkosten von 29.000 Dollar für Personal, rund 29.000 Dollar an weiteren Kosten sowie 24.000 Dollar für die Security und allein 8000 Dollar an Stromgebühren – pro Monat. Dafür hat die Villa nun auch einen anderen Namen: "Dotcom Mansion". Schmitz lebt dort mit seiner Frau und fünf Kindern.

Bei der Razzia auf seinem Anwensen hatten die Abschleppwagen viel zu tun. Die Luxuskarossen, größtenteils Mercedes-Modelle, trugen Nummernschilder wie "GOD", "MAFIA" oder "CEO". Das Vermögen des IT-Millionärs wurde zeitweise auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Doch seine Konten sind momentan eingefroren, das Land darf er nicht verlassen. Das Gericht gesteht ihm momentan 37.000 Euro monatlich zu. Schmitz und seine Frau hatten allerdings 138.000 Euro gefordert – pro Monat.

Wer sind die Hintermänner im Kimperium?
Die neue “Mega”-Truppe besteht aus alten Bekannten, darunter Mathias Ortmann und Finn Batato, die seit Jahren zu Schmitz engsten Vertrauten zählen. Ortmann ist seit seiner Hackerjugend berüchtigt. Nach dem Informatik-Studium an der Technischen Universität München war er für die Intelligent Media AG tätig, die vor allem durch Adressbuchschwindel in Verruf geriet und mit tückischen Geschäftsbedingungen von kleinen Unternehmen Millionenbeträge ergaunerte. In den 2000ern betrieb dieselbe Firma europaweit SMS-Abzocke. Ebenfalls mit anwesend beim “Mega”-Launch war Finn Batato, ein alter Geschäftspartner von Schmitz und Ortmann.

Mega-beste Freunde: Finn Batato, Kim Schmitz, Bram van der Kolk, Mathias Ortmann (via @KimtDotcom)

Der Marketing-Manager saß zusammen mit Schmitz, Orthmann und Bram van der Kolk in Neuseeland in U-Haft und ist wegen Copyright-Verletzungen im Fall Megaupload angeklagt.
Van der Kolk soll sich Medienberichten zufolge mit Schmitz während des Gumball 3000, einer Rallye für Superreiche, befreundet haben und maßgeblich am technischen Aufbau von Megaupload beteiligt gewesen sein und damit Millionen verdient haben. In Holland soll er eigene Uploadseiten noch vom Haus der Eltern aus betrieben haben, mittlerweile ist er mit dem philippinischen Erotik-Model "Asia Agcaoili" verheiratet. Ein Bild auf ihrer Facebook-Seite zeigt sie mit ihrem Mann und Ortmann. Sie nennt die beiden liebevoll “Mega-Nerds". Schmitz ist ein enger Freund der Familie.

Zu guter letzt wäre da noch Tony Lentino, auf der "Mega"-Webseite als "Veteran der Industrie" eingeführt. Fakt ist: Der neuseeländische Unternehmer ist einer von drei Großinvestoren und CEO von “Mega”.

Wer finanziert Schmitz‘ Mega-Imperium?
Schmitz selbst verfügt nicht über das Kapital, um die "Mega"-Plattform aufzubauen und zu unterhalten. “Kimble” nennt Lentino einen langjährigen engen Freund und Vertrauten, der während seines Aufenthalts im Gefängnis die Miete für die Dotcom Mansion zahlte und für die Lebenshaltungskosten der Familie aufkam. Weiteres Geld für "Mega" kommt aus Australien und Luxemburg. Rund 90 Prozent der Anteile am Unternehmen hält allerdings Schmitz Ehefrau Mona "Dotcom" über den MD Corporate Trust. Die Kontrolle über "Mega" hat die Mutter von fünf Kindern allerdings nicht, sondern Lentino, Ortmann und natürlich Schmitz.

Wie tickt der "Mega"-Mann?
"Kimble" weiß sich zu inszenieren: Als 2001 zwei Flugzeuge in die Twin Towers des World Trade Center fliegen, lobte er eine Belohnung von zehn Millionen Dollar für Hinweise zur Ergreifung von Osama bin Laden aus. In den Medien war er schon vorher immer wieder auf teuren Luxusyachten mit schönen Frauen zu sehen. Bevor Megaupload 2012 eingestellt wurde, landete er mit dem “Megaupload Song” einen viralen Hit – und viele US-Promis machen mit.
###YOUTUBEVIDEO###
Nach der Einstellung kündigte er schon den Nachfolger an und gibt sich seitdem als Kämpfer für ein freies Internet – nicht ohne dabei Werbung für seine Unternehmungen zu machen.

Über die Jahre hat der Sohn eines Schiffskapitäns und einer Köchin es auf diese Weise geschafft, zum modernen Mythos zu werden. Mit der Wahrheit nimmt es der 38-Jährige dabei nicht so genau: So gehört zur Entstehungsgeschichte des "Kim Dotcom" auch das absolvierte Hochbegabten-Abitur auf dem Internatsgymnasium Schloss Plön, dabei besuchte er die Heinrich-Harms-Hauptschule.

Peter Glaser bezeichnete Schmitz als "Ein-Mann-Dschungelcamp", dem der "Peinlichkeitsnerv" herausoperiert wurde. Dieses Bild ist zurückzuführen auf die Zeit, als Schmitz die Nähe zum Chaos Computer Club suchte. Auch wenn Schmitz sich immer wieder als Sicherheitsexperte bezeichnete, war er nach Angaben des CCC nie Mitglied. Die Szene sieht in ihm ein “Scriptkiddie” ohne Talent und Gewissen.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Kim-Zirkus am Wochenende mit der Vorstellung des neuen Cloudspeichers "Mega". Begleitet von Haka-tanzenden Maori und Models in Militärkostümen feierte Schmitz sich selbst. Unter Helikoptergetöse ließ er die Razzia auf seinem Anwesen vor geladener Presse nachspielen, um den Mummenschanz mit einem “Stop” zu beenden. Ob gegen die US-Behörden, die Film- oder Musikindustrie – so inszeniert sich “Kim Dotcom” nur zu gern: als David in Goliath-Größe im Kampf für ein freies Internet.

Kommt Schmitz ins Gefängnis?
Trotz allem Medienrummels sitzt Schmitz weiterhin in Neuseeland fest, sein Pass wurde eingezogen. Das Verfahren des US-Justizministeriums gegen ihn läuft noch, auch wenn “Kimble” einige Erfolge für sich verbuchen konnte: So konnte er dem FBI einige Fehler nachweisen. Etwa sei seinem Unternehmen keine Strafanzeige gestellt worden, wie es die US-Rechtssprechung eigentlich vorsieht. Auch die Beschlagnahmung seines Vermögens sei nicht korrekt abgelaufen.

Im September vergangenen Jahres entschuldigte sich Neuseelands Premierminister John Key sogar offiziell bei Schmitz für illegale Abhöraktionen. Zuvor erklärte "Kimble" noch via Twitter: „Hey DOJ (Anm. d. Red.: US-Justizministerium), wir werden in die USA gehen. Auslieferung nicht nötig. Wir wollen Kaution, Freigabe der eingefrorenen Gelder für die Anwälte und Lebenshaltungskosten.“ Eine Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA war ursprünglich für den 6. August angesetzt, wurde dann aber auf März verschoben. Sollte Schmitz vor ein US-Gericht gestellt werden, droht ihm eine Haftstrafe von 20 Jahren.

Was hat Schmitz vor?
Augenscheinlich wirft der “Mega”-Mann Hollywood und der Musikindustrie mangelnden Innovationswillen vor. Sie würden es nicht schaffen, vernünftige Erlös- und Vertriebsmodelle zu entwickeln und deswegen sein Angebot kriminalisieren, meint der IT-Millionär. Zum "Mega"-Start twitterte er selbstbewusst: "Wie man Piraterie stoppt: 1. Schaffe großartige Inhalte 2. Mach den Kauf einfach 3. Starte weltweit an demselben Tag 4. Bepreise es fair 5. Sorg dafür, dass es auf jedem Gerät läuft." Das Copyright wird Schmitz mit seinem neuen Cloudspeicher wohl kaum revolutionieren.

Zum Start bekommt jeder Nutzer 50 Gigabyte Cloudspeicher geschenkt. Darüber hinaus bietet "Mega" drei Bezahlmodelle an: Für 10 Euro gibt es 500 Gigabyte Speicherplatz und ein Transfervolumen von einem Terabyte. Das Pro-II-Modell verspricht für 20 Euro zwei Terabyte Speicher und ein Transfervolumen von vier Terabyte. Wem das noch nicht reicht, der kann das Paket Pro III für 29,99 Euro mit vier Terabyte Cloudspeicher und acht Terabyte Transfervolumen mieten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich um "Mega" ein Ökosystem von Filesharing-Portalen etabliert.
Der Web-Gemeinde scheint diese Aussicht zu gefallen: In den ersten 14 Stunden hätten sich 500.000 Nutzer angemeldet, ließ das Unternehmen verlauten. Am Wochenende waren die Registrierungsserver teilweise nicht erreichbar. Er hat es geschafft: Kim Schmitz ist wieder einmal zurück. Mega-zurück.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige