Blogger-Studie: der zwitschernde Bundestag

Publishing Ginge es allein um die Präsenz auf Twitter und Facebook – das rot-grüne Lager hätte die Bundestagswahl schon gewonnen. Der Hamburger Politik-Blogger Martin Fuchs hat sich auf den Profilen der Bundestagsabgeordneten in den sozialen Netzwerken umgeschaut. Das Ergebnis: Dreiviertel aller Abgeordneten sind auf Facebook, etwa die Hälfte auf Twitter. Allerdings lassen sich klare Unterschiede zwischen den Fraktionen erkennen. In den USA vermeldet Twitter derweil: Der gesamte Senat twittert.

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"76 % der Bundestagsabgeordneten sind bei Facebook angemeldet", vermeldet Martin Fuchs auf seiner Seite. In seiner Analyse hat er herausgefunden, dass 471 der 620 Abgeordneten ein eigenes Facebook-Profil haben, 348 nutzen demnach ein persönliches Profil und 226 eine Facebook-Seite. Einige betreiben beides, weshalb die Gesamtzahl der auf Facebook vertretenden Abgeordneten nicht identisch mit der Summe aus Seiten und persönlichen Profilen ist.
Klare Unterschiede gibt es in der Verbreitung zwischen den Fraktionen. Während bei der Union nur knapp 70 Prozent der Abgeordneten auf Facebook anzutreffen sind, sind es bei der SPD fast 90 Prozent. FDP, Linke und Grüne kommen jeweils auf einen Wert von etwa 85 Prozent, wobei überall die Privatprofile gegenüber den Fanseiten überwiegen. 
Google+ wird laut Fuchs von etwa 16 Prozent der Bundestagsmitglieder genutzt, am seltensten von Unions-Mitgliedern, am häufigsten von Grünen – prozentual betrachtet. Ein Viertel der Abgeordneten ist auf Xing anzutreffen. Hier gibt es Ausreißer bei Linken und FDP. Während von der Linken nur ein einziger Abgeordnete im Business-Netzwerk ist, sind es bei den Liberalen fast die Hälfte der Bundestags-Politiker. Einen YouTube-Account haben 41 Prozent der Volksvertreter im höchsten Haus. Bei Union und Linken sind es mit einem Drittel beziehungsweise 26 Prozent unterdurchschnittlich wenige, bei den anderen drei Fraktionen sind es etwa die Hälfte der Abgeordneten. 
Darüber hinaus besitzt die Hälfte aller Abgeordneten laut Fuchs einen Twitter-Account. Der Auswertung des Hamburgers zufolge haben 93 von 237 Unions-Mitglieder im Bundestag einen Account, was etwa 39 Prozent ausmacht. Die SPD ist nur leicht stärker vertreten, kommt auf 43,8 Prozent. Bei Linken (59,2 Prozent), FDP (61,3 Prozent) und Grünen (75 Prozent) hat die Mehrheit der Abgeordneten ein Twitterkonto. 
Das heißt aber noch lange nicht, dass die entsprechenden Personen diesen auch aktiv, vor allem zum Dialog nutzen. Einen Überblick über diesen Bereich liefern Seiten wie bundestwitter.de. Die vom Medieninformatik-Student Thomas Puppe aufgesetzte Webseite aggregiert und rankt alle Tweets von Bundestagsabgeordneten. 
Im Top-10-Ranking schneidet die CDU dann schon nicht mehr ganz so schlecht ab: Drei der ihren gehören zu den zehn fleißigsten Twitterern. Allerdings: Auch drei SPD und drei Grünen-Abgeordnete, sowie eine Linke sind im Ranking, und zwar jeweils vor dem politischen Widersacher. Die FDP hat keinen so fleißigen Twitterer in ihren eigenen Reihen. Am meisten Kurznachrichten veröffentlicht hat der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck. 
Wer sich dafür interessiert, was die Abgeordneten so twittern, oder besser gesagt, was sie in ihren Tweets verlinken, kann im Paper.li von Florian Widmann Antworten finden. Er hat das auf MEEDIA bereits kritisierte Tool für diesen Zweck einer nützlichen Anwendung unterzogen. Hier werden die Beiträge der Politiker mit Links zusammengefasst. Die Übersicht zeigt also Texte und Videos, auf die sich die Abgeordneten in ihren Beiträgen bezogen haben.
Die Social Media-Werte der deutschen Politiker weisen darauf hin, dass Twitter, Facebook und womöglich auch YouTube und Google+ im Wahlkampf von größerer Bedeutung sein dürften. Dieses Feld will man nicht länger allein den Piraten überlassen. Dass die Nutzung der Kanäle jedoch nicht Hand in Hand mit Wahlerfolgen geht, mussten besagte Piraten gerade erst bei der Schlappe in Niedersachen erfahren.
Wohin der Trend gehen könnte, offenbart ein Blick in die USA. Dort vermeldet Twitter stolz, dass der gesamte Senat auf Twitter vertreten sei. Zudem wären 90 Prozent der Mitglieder des Repräsentantenhauses auf dem Kurznachrichtendienst vertreten. Im letzten Kongress seien es nur 44 Prozent der Senatsmitglieder und 35 Prozent der Repräsentantenhaus-Abgeordneten gewesen.

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