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So funktioniert Kim Schmitz‘ „Mega“-Dienst

Er ist mega-mäßig zurück: Von tanzenden Maori und Models in Militärkostümen begleitet, verkündete Kim Schmitz alias Kim Dotcom am Wochenende den Start seines neuen Clouddienstes “Mega” - Seitenhiebe gegen die US-Justiz inklusive. Der neue Dienst soll sich länger halten als das eingestellte “Megaupload”. Dafür hätte man mit Juristen an einem "wasserfesten" System gearbeitet, versichert Schmitz im Spiegel-Interview. Aber wie funktioniert “Mega” überhaupt? MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was ist Mega überhaupt?
Ein Cloudspeicher mit Browser-Zugang. Nutzer können sich kostenlos registrieren und bekommen zum Start 50 Gigabyte Speicherplatz geschenkt. Über eine Browser-App können ganze Ordner oder einzelne Dateien hochgeladen werden. Die Besonderheit: Die Daten werden schon vor dem Upload auf die Mega-Server verschlüsselt und erst wieder nach dem Download entschlüsselt. Mega nennt diesen Vorgang "User Controlled Encryption" (engl.: nutzerkontrollierte Verschlüsselung). Die Verschlüsselung erfolgt also beim Nutzer selbst, nicht beim Anbieter. Die Idee dahinter: Die Betreiber selbst können nicht einsehen, welche Dateien auf ihrer Plattform hochgeladen und getauscht werden. Das soll auch für die Ermittlungsbehörden gelten.

Was kostet der Service?
Zum Start bekommt jeder Nutzer 50 Gigabyte Cloudspeicher geschenkt. Darüber hinaus bietet "Mega" drei Bezahlmodelle an: Für 10 Euro gibt es 500 Gigabyte Speicherplatz und ein Transfervolumen von einem Terabyte. Das Pro-II-Modell verspricht für 20 Euro zwei Terabyte Speicher und ein Transfervolumen von vier Terabyte. Wem das noch nicht reicht, der kann das Paket Pro III für 29,99 Euro mit vier Terabyte Cloudspeicher und acht Terabyte Transfervolumen mieten.

Wie funktioniert der Datentausch?

Dropbox-Nutzer kennen das Prozedere: Nach dem Upload lässt sich per Rechtsklick ein Downloadlink generieren. Diesen Link kann man nun einem anderen Kontakt schicken, der die Datei wiederum herunterladen kann. "Mega" bietet an, Nutzer als Kontakte abzuspeichern, um den Dateiaustausch einfacher zu gestalten. Jeder Nutzer bekommt mit der Registrierung auch einen eigenen Encryption-Key zugewiesen. So liegt der Inhalt auf den “Mega”-Servern nur verschlüsselt vor. Aus diesem Grund zeigt der Dateibrowser auch keine Vorschaubilder an. 

Was ist daran jetzt illegal?
Auf dem Papier handelt es sich bei “Mega” um einen Cloudspeicher mit Verschlüsselung. Die Nutzung ist nicht verboten. Untersagt hingegen ist es, urheberrechtlich geschütztes Material hochzuladen und mit anderen zu teilen sowie diese Dateien herunterzuladen. Kim Schmitz erklärt, dass fragwürdiges Material gelöscht werden würde. Dennoch glaubt der US-Blog Gizmodo, dass "Mega" das Urheberrecht für immer demontieren könnte. Denn der Dienst ermöglicht es, wie kein anderer, anonymisiert und verschlüsselt private Daten öffentlich zu teilen. Bis sich, wie schon bei Megaupload, um “Mega” ein Ökosystem an Seiten und Unterseiten etabliert hat, das Links zu Filmen, Serien oder Software sammelt und aufbereitet, dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Damit macht "Mega" Gebrauch von einer rechtlichen Grauzone. In den USA gab es bereits Urteile, nach denen der Angeklagte unter Androhung einer Gefängnisstrafe gezwungen war, die Verschlüsselung seiner Festplatte aufzuheben. Wie der Fall gelagert ist, wenn die Daten nicht lokal gespeichert sind, sondern in der Cloud liegen, wird sich noch zeigen. Tatenlos zusehen werden Hollywood und die US-Behörden bestimmt nicht.

Sind meine Daten sicher?
Das beantwortet “Mega” schon selbst am besten: “Sicherheit ist relativ”, heißt es auf der Webseite. Abgesehen von Hackerangriffen stellt sich angesichts der "Megaupload"-Vorgeschichte die Frage: Wie lange hält sich der Cloudanbieter, bevor die Behörden die Server beschlagnahmen und den Dienst einstellen? Fakt ist: Mit der Verschlüsselung und den neuen AGBs hat Kim Dotcom den Behörden eine harte Nuss zu knacken gegeben. Im Gespräch mit ArsTechnica zeigte Schmitz Verständnis für die Bedenken der Nutzer. Das Vertrauen werden sich schon nach einigen Monaten einstellen, meint der IT-Millionär.

Wie ist der erste Eindruck?
Offenbar ist "Mega" momentan Opfer seines eigenen Erfolgs. Nutzer klagen über Verbindungsabbrüche und langsam reagierende Server. Im Test funktionierte der Upload von Dateien nur mit Verzögerung. Zum Start twitterte Kim Dotcom selbstbewusst: "Wie man Piraterie stoppt: 1. Schaffe großartige Inhalte 2. Mach den Kauf einfach 3. Starte weltweit an demselben Tag 4. Bepreise es fair 5. Sorg dafür, dass es auf jedem Gerät läuft." In den ersten 14 Stunden hätten sich 500.000 Nutzer angemeldet, ließ das Unternehmen verlauten. Am Wochenende waren die Registrierungsserver teilweise nicht erreichbar. Es scheint, als würde das weltweite Release "Mega" einen Stotterstart bescheren. So groß die Bühnenshow von Kim Dotcom auch war: Von mega ist "Mega" noch weit entfernt.

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