DLD: “Findet euren Daten-Doppelgänger”

Publishing Wie viel Umsatz machen wir nochmal mit dem Digitalgeschäft, fragte Verleger Hubert Burda. Etwa 50 Prozent, antwortete sein CEO Paul Bernhard Kallen. Burda hatte just die Gäste seiner Digitalkonferenz DLD begrüßt, da war es ihm ein Anliegen, die Kompetenz in neuen Geschäftsfeldern zu unterstreichen – und Kallen ("This is the CEO of my company. Bernie, komm nach vorne") half seinem Verleger mit Information aus. Spontaneität und Inszenierung gehen bei Burdas DLD mal wieder Hand in Hand.

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Das offizielle Motto der Innovationskonferenz heißt "Patterns that connect". Vermutlich hätte es auch "Big Data" heißen können, wenn dieses Hypewort nicht schon zahlreiche andere Konferenzen zu ihrem großen Thema gemacht hätten. Doch es reicht freilich längst nicht mehr, nur auf die wachsenden Datenberge hinzuweisen, die Staaten, Unternehmen und Organisationen bereits sammeln. Was machen wir mit all den Daten? – das ist die so einfache wie naheliegende Frage. Und: Wer macht etwas mit? Und: Sind viele Daten schon ein Wert an sich?

Natürlich nicht – die Annäherung an "Big Data" ist beim DLD aber naturgemäß optimistisch-positiv. Rick Smolan stellte am Sonntag sein Buch "The Human Face of Big Data" vor, das fotografisch zeigt, wo überall auf der Welt das Sammeln und Auswerten von Daten hilfreich ist. "Big Data ist nicht Big Brother", sagte Smolan. Eine App zum Buch bittet Nutzer um Angaben zu ihrem Leben, ihren Tagesabläufen – um Muster zu erkennen. Datensammeln soll so für jeden Einzelnen zum kleinen Abenteuer werden, nicht nur für jene Schar von Self Tracking-Anhängern. Mithilfe der App finde man vielleicht sogar seinen "data doppelgänger".

Wettervorhersagen, Spielstrategien, nationale Sicherheit, Wahlprognosen – Datensammlungen könnten der Menschheit in Zukunft sehr hilfreich sein, sagte DJ Patil, seines Zeichens "data scientist": "Wir brauchen datengetriebene Entscheidungen". Dem Vorwurf, typisch amerikanische Fortschrittsgläubigkeit zu verbreiten, mochte er sich indes nicht aussetzen. Die Amerikaner wissen ja, dass die Deutschen mit dem Thema Daten und Sicherheit sensibler als ihre eigenen Landsleute sind. "Daten können uns auch völlig fehlleiten", so DJ Patil. Daten sollte daher ausgewertet werden – und auf dieser Basis müssten Unterhaltungen geführt werden.

Schön wäre es gewesen, die Diskussionsrunde "Future of Authority" über die Zukunft des Journalismus hätte diese Empfehlung beherzigt. Besetzt mit New York Times-Verleger Arthur Sulzberger, dem ehemaligen NYT-Digitalchef Martin Nisenholtz, Jeff Jarvis und Katharina Borchert (Spiegel Online) wurden keine nennenswerten Erkenntnisse zutage gefördert. Dabei wären ein paar Fakten zum Online-Bezahlmodell der Times hilfreich gewesen. Das Times-Modell sei nicht für alle Verlage übertragbar, sagte Jarvis, und Borchert wies auf den Nachteil nicht-englischsprachiger Seiten hin, wirklich große Reichweite sei mit ihnen nicht zu schaffen. Am Ende lautete die Empfehlung: Macht noch bessere Inhalte (Sulzberger, Nisenholtz, Borchert) und handelt nicht wie Inhaltefabriken, sondern beitet den Nutzern Services an (Jarvis).

Fragt sich: Gibt es im Inhalte-Business einfach weniger Innovationen als in anderen Branchen? Oder reden wir zu wenig über sie? Fantastische Beispiele für digitales Storytelling mit Besinnung auf analoge Werte wie "Snow Fall" von der New York Times wurden vom Panel nicht genannt. Der DLD-Ansatz, Innovationsexperten mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen, ist zwar lebendig. Jedes Jahr saugen hier viele Verlagsmanager, auch Journalisten, Ideen auf. Ob am Ende einer Konferenz aber der Austausch weitergeht, oder ob dann wieder die Excel-Charts regieren – das liegt an jedem Verlag selbst.  

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