Rheinland-Pfalz mit Like-Verbot auf Facebook

Die deutsche Social-Media-Szene hat einen neuen Fachbegriff: Rückkanalverbot. Und ist damit um eine Posse reicher. Mit der neuen Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Rheinland-Pfalz erstmals auch einen Facebook-Auftritt bekommen. Allerdings mit einem kruden Kompromiss: Der Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner warnt Nutzer ausdrücklich vor Interaktion. Sie lesen richtig: Fans sollen weder kommentieren noch liken - aus Datenschutzgründen.

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Am Mittwoch ging es Schlag auf Schlag in der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz: Kurt Beck wurde mit allen Ehren verarbschiedet, Malu Dreyer als neue Ministerpräsidentin ins Amt eingeführt. Das war absehbar. Umso überraschender hingegen kam die Entscheidung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, auf Facebook aktiv zu werden – mit einer eigenen Seite. Der oberste Datenschützer des Bundeslandes, Edgar Wagner, hatte sich bislang kompromisslos gegen eine Präsenz im weltgrößten Social Network ausgesprochen.

Doch mit der neuen Ministerpräsidentin soll auch in den sozialen Medien eine neue Ära anbrechen für die Mainzer. Aus diesem Grund startete man eine Facebook-Seite – mit einer Bitte: "Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden", erklärt Wagner gegenüber der Rhein-Zeitung. Wie jetzt? Unternehmen stecken immense Werbebudgets in Facebook, um sich ins Gespräch zu bringen und die Interaktion mit der Marke zu erhöhen. Und Rheinland-Pfalz spricht sich gezielt dagegen aus? Wagner präzisiert: "Das Ziel ist, dass auf der Seite möglichst wenig Interaktion stattfindet, damit wenige Nutzungsdaten erzeugt werden." Damit soll der Weg frei sein für ein "Behörden-Facebook", wie es die Rhein-Zeitung nennt. Andere Ämter soll dem Beispiel der Staatskanzlei folgen und trotz "Rückkanalverbot" den Bürgern Auskunft erteilen können.

Einen Haken hat die Sache: Die Staatskanzlei kann diese Forderung de facto nicht durchsetzen. Bestenfalls handelt es sich um eine Empfehlung an die Nutzer, denen Wagner allerdings am liebsten einen Maulkorb verpassen würde. Denn die Intention hinter diese Strategie ist durchaus löblich: Man ist bemüht, die Daten der Nutzer zu schützen. Das Problem: Daten zur Demographie der eigenen Community werden schon mit dem ersten Like gesammelt. Sie basieren nicht darauf, welche Daten denn ein Seitenbetreiber von seinen Fans sammeln will, sondern welche Informationen die Nutzer selbst bereit sind, in ihren Profilen anzugeben.

Auf die Spitze getrieben müsste Wagner also fordern, die Seite gar nicht erst zu liken, sondern sie bestenfalls manuell anzusteuern. Aus diesem Grund erklärt die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz auch in einem Datenschutzhinweis: "Sie können sich über die Angebote und Leistungen der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz auch über unseren Internetauftritt unter www.rlp.de informieren. In diesem Fall erhält facebook keinerlei Informationen." Die Fans reagieren recht unterschiedlich auf diese Art des Social-Media-Managements. "Mensch, da hat ja mal wieder jemand verstanden, was ‘Social Media’ heißt… Kleiner Tipp: Hat was mit ’sozial‘ und ‚Dialog‘ zu tun", schreibt eine Nutzerin. "Chapeau dem hiesigen Datenschutz", gratuliert ein anderer Nutzer.

Der Auftritt selbst, wenn auch noch recht frisch, bedarf derweil einiger Überarbeitung: Beiträge des Twitter-Accounts laufen automatisiert ein – für ein zeitgemäßes Social-Media-Management, das jeden Kanal den Nutzungsbedürfnissen entsprechend einsetzt, ein absolutes No-Go. Darüber hinaus verwundert es doch sehr, dass man möglichst wenig Daten seiner Nutzer generieren will, aber dennoch die Einträge von Fans auf der Seitenpinnwand öffentlich – und damit auch Nicht-Fans – macht.

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