WAZ-Gruppe und ddvg weiter im Clinch

Die Glosse entfiel heute in der Westfälischen Rundschau: "Heute ist kein Tag für Spaß". Am Dienstag hatte die WAZ-Gruppe 120 Mitarbeitern die Kündigung übermittelt. In einem MEEDIA-Interview hatte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus von 50 Millionen Euro Verlust in fünf Jahren gesprochen. Jens Berendsen, Chef des WR-Mitgesellschafter ddvg, kann diese Angabe nicht bestätigen. Intern verrechnete Dienstleistungen seien "für uns nicht transparent". Die ddvg will die Entscheidung der WAZ juristisch prüfen.

Anzeige

Die ddvg, die über eine Tochterfirma 13,1 Prozent an der Westfälischen Rundschau hält, hatte scharf gegen die Kündigung der 120 Redakteure protestiert. Das Vertrauensverhältnis zur WAZ sei "zerrüttet", sagte SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die auch für die Medienholding der Partei verantwortlich ist. Proteste gehören zur Taktik dazu, vor allem wenn Kündigungen in dieser Größenordnung im Spiel sind. Die ddvg ist auch Minderheitsgesellschafter der von der Einstellung bedrohten Frankfurter Rundschau.

Jens Berendsen, einer der ddvg-Geschäftsführer, bekräftigt gegenüber MEEDIA aber, dass die Medienholding juristisch prüfen lässt, ob die laut ddvg nicht abgestimmten Kündigungen bei der WR rechtens sind. "Wir haben offensichtlich eine andere Interpretation des Gesellschaftervertrages als die WAZ-Gruppe", so Berendsen. "Die WAZ sagt, wir hätten über die Kündigungen Bescheid gewusst. Und sie sagt, wir hätten nicht zustimmen müssen. Diesen Punkt lassen wir rechtlich prüfen." Bei einer Gesellschafterversammlung im Dezember hatten Vertreter der WAZ-Gruppe offenbar beantragt, in Sachen WR "freie Hand" zu bekommen. Dagegen hatten ddvg-Vertreter gestimmt. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hatte gegenüber MEEDIA gesagt: "Rechtliche Probleme wird es nicht geben."

Als Minderheitsgesellschafter hatte die ddvg offenbar keine Einsicht in alle Zahlen der Zeitung – vor allem nicht dort, wo die WR mit anderen Unternehmen der WAZ-Gruppe verbunden ist.  Berendsen: "Ob die WR tatsächlich in den vergangenen Jahren 50 Millionen Euro Verlust produziert hat, weiß ich nicht, da deren intern verrechneten Dienstleistungen für uns nicht transparent sind." Heißt: Wie interne Dienstleistungen der WAZ-Gruppe für die WR etwa für Druck, Vertrieb und Verwaltung berechnet wurden, entzieht sich laut Berendsen der Kenntnis der ddvg.

In einem Kommentar bei MEEDIA hat ein anonymer, aber offensichtlich kenntnisreicher ehemaliger Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass der Zeitungsverlag Westfalen eine reine Redakteursgesellschaft sei und die Gewinne des Blatts, beispielsweise durch Anzeigenerlöse, an anderer Stelle in der Gruppe verbucht würden. Fakt ist, dass die WAZ-Gruppe außerordentlich verschachtelt ist und eine Gesamt-Verlustsumme vermutlich schwer zu eruieren sein dürfte. Im Gesamtkonzern gilt derzeit eine Vorgabe, dass 20 Prozent der Kosten eingespart werden müssen.

Ungeachtet der juristischen Prüfung durch die ddvg, die vermutlich an der faktischen Kündigung der Mitarbeiter nichts ändern wird, stellt sich die Frage: verkauft die ddvg nun ihre Anteile an die WAZ-Gruppe? Naheliegend wäre dieser Schritt, denn nach der heftigen Kritik wäre es seitens der ddvg nicht nachvollziehbar, wenn sie als Gesellschafter dabei bliebe. Auch hier wird nun vermutlich taktiert, wie wertvoll die 13,1 Prozent für die WAZ-Gruppe sind. Einen möglichen Verkauf der Anteile wollte Berendsen nicht kommentieren.

Die Kündigung der WR-Redaktion, so viel dürfte klar sein, wird nicht das einzige Thema für die Mediengruppe sein. Die Radikalmaßnahme signalisiert vielmehr, dass es in Essen grundlegendere Probleme zu geben scheint. Die Mehrheitsgesellschafterin petra Grotkamp muss Kredite von Banken bedienen, die sie zum Kauf der Hälfte der WAZ-Anteile aufnehmen musste. Und auch bei dem Flaggschiff der Gruppe in NRW, der Westdeutschen Allgemeinen, machen Auflagenrückgänge und Einbrüche in den Rubrikenmärkten heftig zu schaffen. Fortsetzung folgt.

Zwei Glossen, die am Donnerstag in der Westfälischen Rundschau besonders kurz ausfielen, finden sich hier und hier (via Facebook). Der DJV hat für den 19. Januar zu einer Kundgebung gegen die Kündigungen aufgerufen. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige