SPD: Verhältnis zur WAZ „zerrüttet“

Die SPD hat die WAZ-Gruppe scharf für die Kündigung der Redaktion der Westfälischen Rundschau kritisiert. Die ddvg, die Medienholding der Partei, ist Mitgesellschafterin der Zeitung. "Die Entscheidungen der WAZ sind gegen und ohne uns gefallen", sagt die Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks. "Das Vertrauensverhältnis zum Mehrheitsgesellschafter ist zerrüttet", so Hendricks. Die ddvg prüfe rechtliche Schritte, denn man habe der WAZ-Gruppe keine "freie Hand" geben wollen.

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Hendricks sagt, die WAZ-Gruppe habe den Minderheitsgesellschafter ddvg im Vorfeld nur "sehr rudimentär" informiert, was sie mit der Westfälischen Rundschau plane. Bei einer von der ddvg initiiierten Versammlung habe man gegen einen Beschlussvorschlag der WAZ gestimmt, der den Essenern freie Hand geben sollte. Eine Zustimmung zu den Kündigungen, die am Dienstag bekannt wurden, habe die Holding nicht erteilt. Gesellschaftsrechtlich sei die Situation "äußerst schwierig".

Die ddvg ist über die Westfälische Verlagsgesellschaft mit 13,1 Prozent an der Westfälischen Rundschau beteiligt. Zumindest auf der Seite des Familienstammes Brost war die Bindung zur SPD immer eng. Brost selber war in der Partei aktiv, der spätere WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann vertrat Willy Brandt als Anwalt und der ehemalige SPD-Politiker Bodo Hombach vertrat die Brost-Seite viele Jahre lang. Im vergangenen Jahr hatte Petra Grotkamp, die zum Familienstamm der Funkes zählt, den Erben der Brost-Seite ihre Anteile an der WAZ-Gruppe abgekauft.

"Die Entscheidung der WAZ ist nicht plausibel nachvollziehbar und erweckt den Eindruck einer seelenlosen Redaktionsklempnerei", kritisiert Hendricks den angekündigten Abbau von 120 Stellen. Die ddvg hat derzeit an einem weiteren Schauplatz Ärger – die Frankfurter Rundschau, bei der die ddvg ebenfalls Minderheitsgesellschafter ist, musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.

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