„Noch nie einen Cent Gewinn gemacht“

Die Westfälische Rundschau bleibt bestehen, nur die 120 Redakteure der Regionalzeitung müssen gehen. Dies gab die WAZ-Gruppe als Mehrheitsgesellschafter am Dienstag bekannt. Christian Nienhaus, einer von drei Geschäftsführern der WAZ Mediengruppe, begründet den "radikalen Kostenschnitt" mit den hohen Verlusten der Zeitung. Sie habe in den vergangenen fünf Jahren 50 Millionen Euro Verlust verursacht. Im Verbreitungsgebiet sei sie vor allem eine Zweitzeitung - und eine Vollredaktion nicht zu finanzieren.

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Herr Nienhaus, Sie sitzen gerade im Auto?
Ja, ich war auf der Mitarbeiterversammlung der Westfälischen Rundschau in Hagen.

Wie haben die Mitarbeiter die Kündigung der gesamten Redaktion aufgenommen?
Sie haben damit nicht gerechnet. Manche waren wütend, andere traurig, so wie ich auch.

War die Kündigung von 120 Stellen alternativlos? So wie es sich darstellt, ist das nun präsentierte Modell nur die zweitschlechteste Lösung.
So kann man das nicht sagen. Es hätte eine Alternative gegeben, nämlich die Einstellung der Zeitung. Wir glauben aber, dass der Erhalt der Westfälischen Rundschau die bessere Alternative ist und Medienvielfalt erhält. Eine dritte Alternative gab es nicht – es gab nur die Möglichkeit, einen radikalen Kostenschnitt vorzunehmen.

Warum?
Die Westfälische Rundschau hat noch nie einen Cent Gewinn gemacht. In den vergangenen fünf Jahren sind 50 Millionen Euro Verlust aufgelaufen. Die Auflage ist deutlich gesunken. Vor fünf Jahren waren drei von vier unserer Zeitungen in NRW in den roten Zahlen, nun verdienen Westfalenpost und NRZ wieder Geld. Die Westfälische Rundschau hat das nicht geschafft, vor allem wegen der Anzeigenkrise, in der Zeitungen stecken.

Aus der Westfälischen Rundschau wird nun aber eine Art Patchwork – es liefern verlagseigene und verlagsfremde Redaktionen zu und es soll ein homogenes Blatt entstehen. Das klingt nach einer nur in der Theorie praktikablen Lösung.
Die WR wird nach wie vor vom Content Desk in hoher Qualität geführt und koordiniert. Viele Zeitungen bekommen heute schon Inhalte von Mitbewerbern oder Verlagen aus benachbarten Verbreitungsgebieten geliefert. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich künftig nur noch die Marktführer in ihren Verbreitungsgebieten eine Vollredaktion leisten können. Die Zweitzeitungen übernehmen darum zunehmend Inhalte anderer Anbieter.

Die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die auch Chefin des WR-Mitgesellschafters ddvg ist, nennt die Maßnahme eine "seelenlose Redaktionsklempnerei" und sagt, die Kündigungen seien mit der ddvg nicht abgesprochen gewesen.
Die ddvg war informiert. Rechtliche Probleme wird es nicht geben, obwohl die ddvg mit ihren knapp 14 Prozent dagegen gestimmt hat. 

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