Atlantic: Shitstorm nach Scientology-Artikel

2012 war das erfolgreichste Jahr für Scientology. Das berichtete The Atlantic am Montagabend in einem Jubelartikel auf der eigenen Seite. Es handelte sich nicht um redaktionellen Inhalt, sondern einen gesponserten Artikel. Doch kurz nach der Veröffentlichung rollte eine Welle der Entrüstung durchs Social Web. Die Redaktion musste unter heftiger Kritik nachgeben und nahm den Artikel mittlerweile offline. Es stellt sich einmal mehr die Frage, wie weit eine Webseite gehen darf, um Erlöse zu generieren.

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“Sponsored Content” bzw. gesponserte Artikel sind für Betreiber redaktioneller Webseiten ein gängiges Mittel, um Erlöse neben dem reinen Anzeigengeschäft zu generieren. Man tauscht Geld gegen Reichweite für den “Werbekunden”. Auch Nutzer wissen, dass Webseiten Geld verdienen müssen, um ihre Redakteure zu bezahlen. Das gilt eigentlich auch für die Leser des US-Magazins Atlantic und seines Online-Ablegers Atlantic.com. Doch wenn Scientology im Spiel ist, scheint die Sache anders gelagert zu sein.

     Mittlerweile vom Netz: Jubel-Artikel von Scientology

Das Portal veröffentlichte am Montag unter dem Titel “David Miscavige Leads Scientology to Milestone Year” einen Jubelartikel über Scientology. Darin berichtete die Sekte von einem großen Wachstum seiner “Gemeinde”, begleitet von Jubelbildern aus Deutschland, Italien, Israel und den USA. Der Text war für die meisten gut erkennbar als “Sponsored Content” markiert. Gesponsert bedeutet in diesem Fall: Dieser Artikel steht nicht in Verbindung mit redaktionellen Inhalten, die Redaktion hat keinen Einfluss auf diesen Inhalt. Warum schaltete Scientology gerade jetzt diese Anzeige? Es könnte damit zu tun haben, dass Lawrence Wright am 17. Januar sein Buch "Going Clear" veröffentlicht, in dem sich der New-Yorker-Autor auf 448 Seiten mit der Sekte und ihrem Einfluss auf Hollywood befasst.

Während sich in den Kommentaren unter dem Artikel einige Nutzer verwundert zeigten über die angeblich verblüffenden Erfolgszahlen der Sekte, erntete das Portal auf Twitter heftige Kritik. “The Atlantic veröffentlicht bizarre, unverfrorene Scientology-Propaganda”, schreibt eine Nutzerin. “The Atlantic hat seine Glaubwürdigkeit mit diesem Scientolgy-Advertorial verspielt”, schreibt ein anderer. Auch der Autor und Publizist Jeff Jarvis äußerte sich: “Bitte, lieber Atlantic, sag uns, was zur Hölle los ist mit dieser Scientology-Anzeige.” Einige Atlantic-Autoren kritisierten den Eintrag zwar nicht öffentlich, verwiesen jedoch offenkundig auf Wrights Buch.

Das Thema wurde der Redaktion offenbar zu heiß, der Artikel ist mittlerweile von der Seite verschwunden. Eine gecachte Version lässt sich dennoch hier noch nachlesen. Ob die Aktion für den Atlantic noch ein Nachspiel hat, ist unklar. Die Redaktion äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.

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