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Kalter Schleichwerbe-Kaffee im Spiegel

Der aktuelle Titel des Spiegel hinterlässt ein Stirnrunzeln: Warum eine Schleichwerbe-Geschichte zu “Wetten dass..?” zu diesem Zeitpunkt? Zudem eine, in der es ausschließlich um alte Vorwürfe zur Zeit von Thomas Gottschalk geht. Die zweifelhaften Produkt-Platzierungen bei “Wetten dass..?” - von Warsteiner über Haribo bis Audi - waren schon in anderen Medien thematisiert, teils sogar schon vor Jahren. Außer ein paar Vertragsdetails hat das Magazin dem Thema nichts Neues hinzuzufügen.

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“Betr. Wetten dass..? – Die krummen Geschäfte mit Deutschlands größter Fernsehshow” titelt der Spiegel diese Woche. Dazu gibt es ein großes Foto mit Thomas Gottschalk und ein kleineres mit Markus Lanz. Schleichwerbung bei “Wetten dass..?” – etwa auch beim Lanz? Das wäre in der Tat eine Neuigkeit aber der Spiegel-Titel führt auf die falsche Fährte.

In der Story geht es nur um alte Vorgänge rund um den abgetretenen Gottschalk. Von Lanz heißt es im Artikel nur, dass er “vertragsgemäß” den Gewinnspiel-Audi präsentierte. Und ganz am Ende sogar, dass er  – anders als Gottschalk – sich “grundsätzlich keine Fahrzeuge von Unternehmen zur Verfügung stellen” lässt. Dass Markus Lanz es auch auf den Titel geschafft hat, kann eigentlich nur den Grund haben, dass ansonsten die Spiegel Story noch viel mehr nach kaltem Kaffee gerochen hätte.

– Die mehr oder weniger verstecke Werbung für die Biermarke Warsteiner, die im Spiegel vorkommt, wurde 2011 von der Bild bereits groß und breit enthüllt.

– Die auffällige Platzierung von Audis in “Wetten dass..?” hat die Zeitschrift Journalist bereits 2010 groß zum Thema gemacht.

– Die Fragen, die im Zusammenhang mit dem Audi-Sponsoring beim schlimmen Unfall von Samuel Koch aufgetaucht sind und denen der Spiegel sogar einen eigenen Artikel widmet,  wurden bei MEEDIA bereits kurz nach der betreffenden Sendung 2010 ausführlich thematisiert.

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– Das seltsame Konstrukt, dass Thomas Gottschalks Bruder Christoph mit seiner Firma Dolce Media die Fäden bei “Wetten dass..?” zog und das ZDF sogar an Dolce Media beteiligt war, wurde vom Focus schon 2004 in der Titelstory “Das Gottschalk-Imperium” aufgedröselt.

Was der Spiegel tatsächlich neu hat, sind ein alter Kooperationsvertrag zwischen DaimlerChrysler und Dolce Media von 2003 (!) und ein neuerer Vertrag zwischen BMW und Dolce Media, der aber nie unterschrieben wurde – Audi hatte den Zuschlag bekommen. In den Verträgen ist in Anhängen detailliert geregelt, wie die Fahrzeuge in der TV-Show zu präsentieren sind. Und solche Details zu alten Vorgängen plus reichlich Archivmaterial reichen heute für eine Titelstory im wichtigsten Nachrichtenmagazin des Landes?

Daimler-Sprecher Howe gibt sich in dem Artikel locker. “Aus damaliger Sicht” sei das “ein ganz normaler Vorgang” gewesen, so der Konzernsprecher, der nicht vergisst darauf hinzuweisen, dass Vertragspartner Dolce Media zugesichert habe, dass der Rundfunkstaatsvertrag, wettbewerbsrechtliche Vorschriften und die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des ZDF eingehalten würden. “Aus heutiger Sicht” würde man den Vertrag freilich “vollkommen anders bewerten”, so Daimler-Sprecher Howe weiter. Klar. “Aus heutiger Sicht” ist ja auch der Konkurrent Audi der aktuelle Schleichwerbe-Buhmann bei “Wetten dass..?”. Und von der Autofirma mit den Ringen hat der Spiegel wohlweislich keinen Kommentar zur Kooperationsverträgen bezüglich “Wetten dass..?” bekommen und es wurden der Redaktion auch keine aktuellen Verträge zugespielt.

Wie die Schleichwerbung bei “Wetten dass..?” in der Gottschalk-Ära lief, liegt nicht erst seit dem Spiegel-Artikel relativ klar auf dem Tisch: Firmen wie Daimler oder Warsteiner oder Audi machten weitreichende Verträge mit der Gottschalk-Firma Dolce Media, in denen ihnen zugesichert wurde, dass die geltenden Gesetze und Regeln schon irgendwie eingehalten würden. Das ZDF wiederum verließ sich auf die Zusagen von Dolce Media, dass das alles mit rechten Dingen zugeht. Zur Sicherheit wollte man beim ZDF die genauen Verträge dann lieber gar nicht erst sehen. So konnten die Sender-Chefs hinterher sagen, man habe von nichts gewusst.

Und am Ende blieb der Eindruck von “Wetten dass..?” als meist gesehener Dauerwerbesendung im deutschen Fernsehen hängen. Das alles ist ganz schön dreist und ein handfester Medien-Skandal. Aber eben einer, der schon dutzendfach erzählt wurde.

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