Waffenbefürworter bedrohen Journalisten

Mehrere Wochen ist es nun her, dass die Journal News in den USA Karten mit Waffenbesitzern veröffentlichten (MEEDIA berichtete). Ruhe kehrte bei der Redaktion seitdem nicht ein - im Gegenteil: Mitarbeiter wurden bedroht, ihre Leben durchleuchtet. Die Redaktion erreichte Pakete mit weißem Pulver – welches jedoch ungefährlich war. Die Bedrohung zwang die Verlegerin dazu, einen bitter ironischen Schritt zu gehen. Publizistisch sind die Karten derweil ein enormer Reichweiten-Erfolg.

Anzeige

Die Veröffentlichung war völlig legal: Über eine Informationsfreiheits-Anfrage (Freedom of Information Act) erhielt die Zeitung mit Sitz im US-Bundesstaat New York Listen der registrierten Waffenbesitzer in ihrem Einzugsgebiet. Diese veröffentlichte sie in Form von Google-Maps. Vor einigen Jahren – vor dem Amoklauf von Newtown – hatten die Journal News schon einmal eine ähnliche Veröffentlichung gewagt, jedoch nicht in Kartenform, und auch das Echo war längst nicht so laut wie jetzt.
Bereits Ende 2012, kurz nach der Veröffentlichung, wurden Mitarbeiter der Zeitung bedroht. Blogger stellten zudem die Adressen von Journal-News-Mitarbeitern ins Netz, bekannte Politik-Seiten verlinkten drauf. Wie die New York Times berichtet, erreichten die Drohungen und Angriffe gegenüber der Redaktion mittlerweile ein mehr als bedenkliches Ausmaß: 
Demnach seien nicht nur die persönlichen Daten der Redakteure selbst veröffentlicht worden, sondern auch wo ihre Kinder zu Schule gehen. Einige Reporter erhielten Morddrohungen. Zudem erreichten die Redaktion zwei Pakete mit weißem Pulver, ein drittes ging an die Privatadresse eines Mitarbeiters. Alle Pakete stellten sich jedoch als ungefährlich heraus.
Publizistisch ist das Angebot – vermutlich gerade wegen der kontroversen Debatte darüber – ein großer Erfolg für die Zeitung. Der Beitrag wurde über eine Million mal aufgerufen und stellt damit einen absoluten Rekord für die Seite dar. Verlegerin Janet Hasson ist die Atmosphäre rund um die Waffenbesitzer-Karte verständlicher Weise dennoch alles andere als recht. Sie sagt in der NYT: "Als Journalisten sind wir auf Kritik vorbereitet, aber in den Vereinigten Staaten sollten Journalisten nicht bedroht werden." Sie habe daher einigen Redaktionsmitgliedern aus Sicherheitsgründen ein Hotelzimmer bezahlt und einigen geraten, ihre Telefonnummer zu wechseln.
Trauriger und zugleich grotesker Höhepunkt der Auseinandersetzung: Nachdem man bei den Journal News mit der Karte eine Debatte über den Sinn und Nutzen von Waffen auslösen wollte, lässt man sich nun an zwei Redaktionsstandorten schützen – von bewaffneten Sicherheitskräften.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige